23.02.2021 - 12:38 Uhr
Waldeck bei KemnathOberpfalz

Spende für Prag fließt in Waldecker Kirchturm

Die Wallfahrtskirche St. Johannes Nepomuk ist seit 1794 die Waldecker Pfarrkirche. Seinen Turm in der heutigen Form konnte das Gotteshaus aber erst später erhalten, auch weil der Pfarrer vor 200 Jahren geistesgegenwärtig reagiert hat.

Der Kirchturm der Waldecker Pfarrkirche besteht steht mittlerweile 200 Jahren.
von Hans LukasProfil

Nach dem Abbrand des Alten Marktes Waldeck auf dem Südhang des Schloßberges im Jahre 1794 wurde die Wallfahrtskirche St. Johannes Nepomuk im Höritz der Pfarrei Waldeck als Pfarrkirche überlassen. Damals besaß das Gotteshaus statt eines Turmes nur einen Dachreiter, ein Türmchen mit zwei Glocken auf dem Dach des Chores über der Sakristei. Außerdem befand sich seit dem Abbrand von Altwaldeck an der Außenwand der Kirche ein hölzernes Gestell, in dem die große, 930 Kilogramm schwere Glocke aufgehängt war. Sie war 1787 für die St.-Anna-Pfarrkirche auf dem Schloßberg gegossen und nach dem Brand - allerdings etwas beschädigt - hierher gebracht worden war.

Schadhaftes Glockengestell

Da zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Dachreiter über der Sakristei bereits sehr baufällig war und das im Freien aufgestellte Glockengestell anfing, schadhaft zu werden, sollte ein massiver Glockenturm gebaut werden. Der heutige Turm der Pfarrkirche wurde dann auch 1821/22 errichtet. Die Bauleitung lag in den Händen des Waldecker Maurermeisters Blasius Fischer. Er ist auch der Erbauer des St. Sebastians-Kirchleins in Schönreuth und Miterbauer der Armesbergkirche.

Pfarrer Leopold Schuller befand sich in großer finanzieller Bedrängnis, als der Plan des Kirchturmbaues erwogen wurde. Das Vermögen der eingeäscherten Pfarrkirche St. Anna befand sich zwar in den Händen der Kirchenverwaltung, aber die "Renten" (Zinsen) waren so gering, dass mit ihnen nur die notwendigsten gottesdienstlichen Bedürfnisse gedeckt werden konnten.

Die Hand- und Spanndienste leisteten unentgeltlich die Angehörigen der Pfarrei, die auch das Bauholz lieferten. Den 84 Fuß hohen "König-Baum", an dem die Lasten aufgezogen wurden, stellte der Bingartener Bauer Vollert. Die Steine zum Grundbau des Turmes wurden auf dem sogenannten "Hart" beim Pfarrdorf Schweißenreuth gebrochen und "2000 Cubikfuß á 3 kr" herbeigeschafft.

Einwände des Bauamtes

Der Beginn der Bauarbeiten verzögerte sich aber fast um ein Jahr, da das Königliche Bauamt gegen den Plan des Baumeisters Fischer und die Baukosten Bedenken erhoben hatte. Einem Schreiben des Pfarrers Schuller vom 30. März ist zu entnehmen, dass nach Abänderung des Planes und der Finanzierung mittels Hand- und Spanndiensten mit Verspätung begonnen werden konnte. Laut Schreiben des Königlichen Landgerichtes an die Regierung des Obermainkreises Bayreuth vom 21. August 1821 waren die Baukosten auf 1722 Gulden und 22 Kreuzer veranschlagt worden. Um die Kosten zu decken, erhoffte sich Pfarrer Schuller 600 bis 700 Gulden aus der Versteigerung einiger Kirchengründe. Diese Erwartung wurde weit übertroffen, so dass der Restbetrag für die Abtragung des Dachreiters eingeplant werden konnte.

Nach privaten Aufzeichnungen von Pfarrer Schuller gab zudem Freiherr Sigmund von Künsberg, Gutsbesitzer in Guttenthau, in verschiedenen Teilsummen einen Gesamtbetrag von über 370 Gulden. Zwei Dankschreiben des Pfarrers an den Spender befinden sich in den Akten des Pfarramtes. Eine Stelle in dem Festgedicht, das der Seelsorger zur Einweihung des Turmes verfasste, hebt die gute Tat des Freiherrn wie folgt hervor: "Gegründet war durch Sigmund's Hand, der Edelsinn mit Lieb verband!"

Die Spende Künsbergs wird auf ein Gelübde zurückgeführt. Demnach war der Baron bei der nächtlichen Rückfahrt von Bayreuth nach Guttenthau vom Wege abgekommen und in Wassernot geraten. Er versprach, im Fall seiner Errettung ein bedeutendes Opfer zu Ehren des heiligen Johannes Nepomuk nach Prag zu bringen. Auf der Reise nach Prag machte er im Pfarrhof Waldeck bei dem mit ihm befreundeten Pfarrer Schuller eine Ruhepause und erzählte vom Zweck seiner Reise. Schuller erwähnte bei dieser Gelegenheit, dass der Heilige auch der Patron der Waldecker Pfarrkirche sei und Künsberg darum sein Opfer ebenso gut hier niederlegen könne wie in Prag. In Waldeck sei dieses Opfer besser angebracht, weil die Kirche noch keinen Turm habe und angesichts der kargen Vermögensverhältnissen der Kirche an die Erbauung eines Turmes momentan unmöglich gedacht werden könne.

Pfarrer weiterer Gönner

Der Freiherr ging auf die Anregung seines Freundes ein und wurde durch seine Spenden ein großer Förderer des Waldecker Kirchturmbaues. Zu erwähnen ist aber auch noch, dass den ersten Anlass zum Turmbau jedoch der bereits am 22. Oktober 1815 verstorbene Pfarrer Josef Adam Murr gegeben hatte. Er stammte aus Beringersreuth und war zuletzt Pfarrer in Waldeck. Er hat die St.-Johann-Nepomuk-Kirche in Waldeck zur Universalerbin eingesetzt, mit der Auflage, dieses Geld für den Bau eines Kirchturmes zu verwenden. Das Stiftungskapital soll zusammen mit seiner Spende und der Künsbergs rund 1300 Gulden betragen haben.

Die Gesamtkosten für den Kirchturm beliefen sich auf ungefähr 2800 Gulden: 681 Gulden aus dem Verkauf von zwei Grundstücken, rund 930 Gulden aus dem an die Kirche gefallenen Nachlass von Pfarrer Murr sowie 990 Gulden aus Spenden verschiedener Wohltäter und aus dem Verkauf des nicht mehr benötigten Gerüstmaterials. Nachzulesen ist dies auch in den Aufzeichnungen des Waldecker Ehrenbürgers und Heimatforschers Dr. Anton Reger sowie in der Kurzgeschichte der Pfarrei Waldeck des ehemaligen Waldecker Pfarrers Johann Baptist Pausch.

So sah die Kirche nach den Plänen des Baukommissars Dobmayr im Jahr 1794 aus.
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