18.04.2019 - 16:46 Uhr
Waldeck bei KemnathOberpfalz

Übung für die Weide

Obwohl sie als das Symbol für Ostern gelten, sind Schafe und Lämmer immer seltener in unserer Kulturlandschaft zu entdecken. Die Ausnahme ist in Waldeck zu finden: Hans Schrembs' Schafherde ist als Attraktion auf dem Schloßberg bei Wanderern und Spaziergängern sehr beliebt.

Noch stehen die Tiere allerdings auf der Weide hinter dem eigenen Gasthof. Das wird sich aber bald wieder ändern. "Das ist die Erziehungsphase für die Jungtiere", erklärt der Wirt des "Goldenen Engels" während er seinen Blick über die Weide schweifen lässt. Die zwölf Lämmer und sechs Zicklein sollen hier lernen, sich vom elektrischen Zaun fern zu halten, bevor es wieder auf die Weiden am Waldecker Schloßberg ins Sommerlager geht.

Über den Winter ist die Herde mit etwa 40 Tieren in einem Stall hinter dem Gasthof untergebracht und wird mit eigenem Bio-Heu gefüttert, erklärt Schrembs weiter. Jetzt müssen sich die Tiere erst langsam wieder an frisches Grünfutter und das Leben im Freien gewöhnen. Und gerade für die Jungtiere sei der Elektrozaun gefährlich. Jedoch nicht wegen des Stroms, sondern weil sie sich im Maschennetz verfangen könnten: "Hier kann ich beobachten, dass sie lernen, dass am Zaun Strom ist." Nur so sei er sich sicher, dass sie sich von diesem fernhalten, auch wenn er mal nicht unter Spannung steht. Denn neugierig sind die jungen Vierbeiner natürlich auch und manchmal wäre auch das Gras auf der anderen Seite des Zauns verlockender als es sein sollte.

Als er an der Weide kurz ruft, traben alle gemeinsam herbei und schnuppern und schauen, was es da Interessantes gibt. Schrembs hat einen Eimer voll trockenem Brot dabei, mit dem er sie belohnt. Sobald die Situation erkundet und die Leckereien verspeist sind, geht es aber sofort wieder zurück auf die Weide. In kleinen Gruppen werden die leckersten Grashalme gesucht oder die älteren Schafe mit Bocksprüngen geärgert.

Alles Natur

Kurz nach Ostern geht es dann für Jung und Alt auf die Sommerweiden rund um die Ruine. Dort erfüllen die Schafe eine landschaftspflegerische Aufgabe. Die Grünflächen sind geschützt und die Schafe, Lämmer und Ziegen sorgen dafür, dass dort "der ursprüngliche Bewuchs wieder durchkommt", erklärt der 60-Jährige. "Die meisten Flächen gehören zum Essbaren Wildpflanzenpark", so dass dort besondere Pflanzen und Kräuter wachsen, die auch den Tieren sehr gut schmecken. Auch sei auf den Flächen schon mindestens 40 oder 50 Jahre kein Kunstdünger mehr ausgebracht worden und daher böten diese biologisch ausgezeichnetes Futter. "Hier ist es schon paradiesisch", meint er entspannt, als er über die Weide in Richtung des Burgbergs blickt.

Für Schrembs sind die Tiere ein reines Hobby. Gewinn könne er damit keinen erwirtschaften. "Die Alten werden jetzt die nächsten Tage geschoren. Dann bleiben sie noch eine Woche daheim, damit das Fell gut anwächst und dann kommen sie auf die Weiden." Die Wolle lasse sich aber kaum noch verkaufen. Sein Schafscherer nimmt ihm diese zwar ab, allerdings müsse er trotzdem noch ein paar Euro je Tier draufzahlen. Der Arbeitsaufwand sei einfach sehr hoch.

Er möchte auch noch ein weit verbreitetes Missverständnis aufklären: "Die Leute glauben immer, wir würden zu Ostern gerade frisch geborene Lämmer schlachten. Das stimmt nicht. Was heute als Osterlamm auf den Tisch kommt, wurde im letzten Sommer oder Herbst geboren. Die dürfen und müssen ja auch erst wachsen."

Wolf kein Thema

Ein kleines finanzielles Plus könne er durch die Landschaftspflege auf dem Schloßberg erarbeiten. Aber auch hier gibt es viele Hindernisse und Probleme: "Ich bin seit 1999 bis jetzt in ständigem Streit und in Widerspruchsverfahren mit den Ämtern. Ich habe auch schon zwei Mal beim Verwaltungsgericht in Regensburg geklagt." Der Hintergrund seien bürokratische Anforderungen, die sich immer wieder ändern. Besonders die Definition darüber, was landwirtschaftliche Fläche und was Weide sei, ist in den Verfahren ein ständiger Streitpunkt. "Mein Feind ist nicht der Wolf, sondern das sind die Behörden und Beamten."

Die aktuelle Diskussion über die Rückkehr des Wolfes sieht der Hobbyschäfer entspannt: "Der wird schon nicht gleich alle umbringen und so passiert zwischendurch einem Tier ja auch mal was." Für seine Schafe seien die vielen Wanderer und Spaziergänger auf dem Schloßberg ein größeres Problem. Besonders die Hunde würden die Schafe immer wieder aufschrecken. Aber auch Erwachsene und Kinder, die unbedingt mal eines der Tiere streicheln wollten, brächten Unruhe und Stress in die Herde: "Der Mensch ist eigentlich die größere Gefahr als der Wolf - momentan."

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