16.05.2019 - 12:57 Uhr
Waldeck bei KemnathOberpfalz

Umfassendes Bild der Burg

Bernhard Weigl sprach beim Heimat- und Kulturverein Waldeck über etwas, das größtenteils nicht mehr vorhanden ist. Dennoch haben die Zuhörer nach seinem Vortrag eine genaue Vorstellung von der Burg Waldeck.

Der Manteler Heimatforscher Bernhard Weigl (stehend) berichtet von seinen Forschungen, die er in die Erstellung eines 3-D-Modells der Burg Waldeck um das Jahr 1660 hat einfließen lassen.
von Hans LukasProfil

Zum Vortrag von Bernhard Weigl über die digitale Rekonstruktion der Festung Waldeck hieß Georg Wagner zahlreiche Zuhörer im Alten Schulhaus willkommen. Besonders freute sich der Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins (HuK) über die Ergebnisse die Weigl präsentieren konnte. Der Manteler hatte anhand verfügbarer Quellen in akribischer Arbeit ein eindrucksvolles Gesamtbild der kurbayerischen Festung auf dem Schloßberg nachgezeichnet hat.

Weigl gab zunächst einen kurzen Abriss der Geschichte Waldecks, wobei er die Bedeutung der Burg und des Alten Marktes auf dem Schloßberg herausstellte. Seine Ausführungen gingen bis zum Jahr 1794, als eine Brandkatastrophe den Ort am Südhang des Berges vernichtet hatte. Über den Zustand und das Aussehen der Burg seien seit der ersten Nennung durch Gebhard I. von Leuchtenberg im Jahr 1124 über den Verkauf von Landgraf Friedrich II. von Leuchtenberg an Herzog Ludwig II. (der Strenge) 370 Jahre vergangen. 1494 tauche die erste Nennung von Bauvorhaben auf. Damals habe Kurfürst Philipp den Bau eines Brunnens oder einer Zisterne sowie Arbeiten am Viehhaus und am äußeren Tor veranlasst.

Der Heimatforscher zeigte nicht nur die Außenansicht der Burg auf, wobei er bei der Animation insbesondere auf das von ihm in München entdeckte, über 250 Jahre alte Holzmodell der Burg Waldeck Bezug nahm. Er zeigte auch vier historische Bilder der Veste aus den Jahren 1536 bis 1665, die ebenfalls, insbesondere was das Herrenhaus betrifft, die dreieckige Bauform aufweisen.

Weigl gewährte zudem einen Einblick in die Einrichtung der Räume in den wichtigsten Bauten. Dies war annähernd möglich, weil nach einem Brand in der Burganlage 1665 die danach nötigen Baupläne und Listen von Baumaterialien erstellt wurden, die in Archiven eingesehen werden können. So war im ersten Obergeschoss des Herrenhauses die Wohnung des Pflegers und im zweiten die des Burgherrn untergebracht. Sogar einzelne Möbel konnten dargestellt werden. An das Haus war ein Treppenturm mit rund 20 Metern Höhe und 36 Stufen angebaut.

Interessant ist laut dem Redner, dass die Schweden im Dreißigjährigen Krieg nach der Einnahme im Jahr 1648 die Burganlage nicht zerstört, sondern sogar ausbaut haben. In Bezug auf die Ägidius-Kapelle sei zu sagen, dass sie reich ausgestattet war. Darauf deute eine Beschreibung hin, in der das Inventar aufgeführt ist.

Die Obere Burg sei aufgrund der Ausstattung eher mit einem Schloss zu vergleichen gewesen. Die ruhmreiche Vergangenheit endete zunächst 1704/05, als im Zuge des spanischen Erbfolgekrieges die Demolierung der Festung angeordnet und von Fränkischen Truppen auch vollzogen wurde. Zu den von ihnen mitgenommen Beutestücken gehörten auch zwei Fahnen, die Weigl inzwischen im Fichtelgebirgsmuseum in Wunsiedel ausfindig gemacht hat. Er ist der Ansicht, dass dort noch weitere Entdeckungen zu erwarten sind. Er werde entsprechende Nachforschungen betreiben, versicherte er.

Zum Abschluss zeigte der Referent die von ihm angefertigte digitale Rekonstruktion der Festung Waldeck, die auch auf der Homepage des HuK angesehen werden kann. Georg Wagner dankte Weigl für seine sehr interessanten Ausführungen mit einer Flasche Waldecker Burgkräuter-Likör.

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