07.04.2021 - 14:14 Uhr
WaldershofOberpfalz

"Creapolis"-Award für Unternehmen Schmelzer

Mit Forschern der Hochschule Coburg hat das mittelständische Unternehmen Schmelzer einen begehrten Preis erhalten. Geschäftsführer Helmut Keck erläutert die Innovation und den praktischen Nutzen in der Landwirtschaft.

Schmelzer-Geschäftsführer Helmut Keck und Ingenieur Dominik Wild beschäftigen sich bei der Firma Ambros Schmelzer damit, wie Rohrsysteme kontinuierlich und automatisch überwacht werden können - und fanden gemeinsam mit der Hochschule Coburg eine Hightech-Lösung.
von Externer BeitragProfil

Wenn das Rohr aber nun ein Loch hat: Ein Problem, das in Getreide-Förderanlagen häufig auftritt, löste das mittelständische Unternehmen Schmelzer aus Waldershof mit Forschern der Hochschule Coburg. Für das Hightech-Projekt gibt es jetzt eine besondere Auszeichnung, den "Creapolis"-Award.

„Wir sind nicht Siemens oder irgendein Großkonzern“, wird in einer Pressemitteilung des Unternehmens Geschäftsführer Helmut Keck zitiert. „Aber wir haben diesen Preis bekommen.“ Den verleiht die Hochschule Coburg einmal im Jahr an herausragende Projekte. Die Zusammenarbeit zwischen ISAT, dem Institut für Sensor- und Aktortechnik der Hochschule, und dem mittelständischen Unternehmen Schmelzer hat die Jury diesmal als Best-Practice-Beispiel gewertet.

Schmelzer wurde vor über 100 Jahren als Spenglerbetrieb in Waldershof (Kreis Tirschenreuth) gegründet und hat sich unter anderem auf Anlagenbau und Landtechnik spezialisiert. Getreide wird heute meist mit Korngebläseanlagen oder Elevatoren über Rohre in die Silos gefüllt – und das mit einer Geschwindigkeit von bis zu 18 Stundenkilometern. „Das ist wie Sandpapier“, erklärt Keck. Irgendwann ist das Metall durchgeschmirgelt.

„Das ist wie Sandpapier.“

Helmut Keck über den Verschleißeffekt an Getreide-Förderanlagen

Damit es nicht während der hektischen Erntezeit zu Ausfällen kommt, werden die Rohre regelmäßig inspiziert und vorsorglich ausgetauscht. "Ein enormer Aufwand", heißt es in der Pressemitteilung dazu. Schmelzer suchte einen neuen, innovativen Ansatz. Helmut Keck, der in den 1980er Jahren selbst in Coburg studiert hat, wandte sich mit dem Problem an seine alte Hochschule, und das ISAT-Leitungsteam aus Prof. Dr. Klaus Stefan Drese und Prof. Dr. Thorsten Uphues nahm es gerne an.

Veränderungen im Rohr

Entscheidend war die Frage, wie sich Veränderungen in so einem Rohr wahrnehmen lassen. „Immer dann, wenn Standardtechniken nicht mehr ausreichend sind, kommen geführte Schallwellen zum Einsatz“, erklärt Drese. Schallwellen bringen die Oberfläche des Rohres zum Schwingen. Verändert sich die Dicke des Materials, verändert sich auch die Schwingung – das erfasst ein Sensor lange bevor ein Loch entsteht. So lässt sich das Rohrsystem kontinuierlich und automatisch überwachen. Nötige Wartungsarbeiten werden für einen passenden Zeitpunkt eingeplant und nur das ausgetauscht, was wirklich verschlissen ist.

Das Unternehmen ist angetan von der praxisorientierten Zusammenarbeit – erst im Sommer 2020 war die Kooperation gestartet, nach verschiedenen Experimenten im ISAT und der Auswertung der Daten werden nun noch Details entwickelt. Aber die Grundlagen für ein konkretes Produkt stehen.

Forschen für die Gesellschaft

Prof. Dr. Christiane Fritze, Präsidentin der Hochschule Coburg, würdigte die Arbeit der Beteiligten: „Das Projekt zeigt hervorragend die Transferstärke an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften und die Bedeutung der angewandten Forschung für die regionale Wirtschaft“, sagt sie der Pressemitteilung zufolge und übergab zumindest symbolisch in einer Videokonferenz den Preis an Schmelzer und das Institut.

An Hochschulen entstünden oft Innovationen, die auf solchen Forschungsleistungen basieren und dem Wohl der Gesellschaft dienen. „Aber nur selten werden sie so sichtbar wie durch den ,Creapolis'-Award.“ Auch Siegmar Schnabel, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Coburg, lobte den „unmittelbaren Wirtschaftsbezug und die direkte Verwertbarkeit der Ergebnisse“. Für direkten Technologietransfer in den Mittelstand hat die Jury sogar drei Zusatzpunkte vergeben.

Schmelzer-Azubis sind fleißig wie die Bienen

Waldershof
Preisverleihung in Corona-Zeiten: Prof. Dr. Christiane Fritze und die Gewinner feiern den "Creapolis"-Award in einer Videokonferenz.
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