Von Matthias Bäumler
In den vergangenen Monaten ist es ruhig um das geplante 36 Meter hohe Hochregallager geworden. Sind die Pläne ins Stocken geraten?
Marcus Pürner: Am liebsten würden wir sofort beginnen, der Bauantrag ist gestellt. Wie lange es bis zur Genehmigung unseres Vorhabens noch dauert, wissen wir leider nicht. Im schlimmsten Fall bekommen wir sie nie. Aber seien Sie sicher: Sobald die Genehmigung vorliegt, werden wir umgehend beginnen.
Bleibt es bei den bekannten Planungen mit der Silhouette der Kösseine samt der 36 Meter hohen Kletterwand?
Die Planungen sind entsprechend den Veröffentlichungen unserer Seite unverändert. Nach wie vor sehen wir die Kletterwand als elementaren Bestandteil des Vorhabens und wollen diese auch bauen.
Das sind ambitionierte Projekte angesichts der Entwicklungen auf dem Fahrradmarkt. Ist die Branche gesättigt?
Der gesamte Fahrradmarkt hat sich stark verändert. Nach Zeiten mit hoher Nachfrage und gleichzeitig starken Lieferproblemen haben wir nun eine deutliche Beruhigung. Dies hat mehrere Gründe: Zum einen wurden in den vergangenen Jahren Käufe vorgezogen, die jetzt eben nicht stattfinden, und zum anderen hat ein allgemeiner Rückgang in der Konsumneigung dazu geführt, dass die Verkaufszahlen sinken. Eine grundsätzliche Marktsättigung sehen wir nicht. Das Fahrrad ist tendenziell weiter im Aufwind und wichtiger Bestandteil der Mobilitätswende.
Mal ehrlich, haben Sie es je bereut, ihr Unternehmen in Deutschland zu führen? Wie sehen Sie die Rahmenbedingungen für Unternehmer in Deutschland?
Nein, bereut habe ich es definitiv nie, ein Unternehmen in Deutschland zu führen. Viel mehr freue ich mich darüber, dass wir einen Baustein am Wirtschaftsstandort Deutschland bilden und einen Beitrag dazu leisten, das Land und die Region am Laufen zu halten, schließlich bin ich hier geboren und möchte auch weiterhin hier leben. Die Rahmenbedingungen für den Standort Deutschland haben sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Es wird zunehmend schwerer, hier wirtschaftlich erfolgreich zu agieren. Unternehmen wie das unsere stehen im internationalen Wettbewerb.
Unsere großen Mitbewerber produzieren zumeist im Ausland, oft in Osteuropa oder Asien. Vergleicht man nun ein paar Kennzahlen, wird schnell klar, dass es hier signifikante Unterschiede gibt. Wir zahlen hier für den Strom teils das Zehnfache, bei den Lohnkosten sieht es nicht anders aus. Und was Bürokratie und Vorschriften betrifft, sind wir ohnehin Weltmeister. Mögen Lieferkettengesetz und Co. auch sinnhaft sein, so doch bitte nur, wenn diese für alle gelten. Lokale Regelungen führen am Ende dazu, dass Industrien dort hinziehen, wo es diese Regeln nicht gibt – und das wäre für Deutschland schlecht. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann Wirtschaftspolitik, die von Leuten gemacht wird, die in diesem Bereich Erfahrung haben.
Was ist der Vorteil des Standorts Waldershof/Marktredwitz?
Hier ist meine Heimat, hier fühle ich mich wohl. Die Städte sind von überschaubarer Größe und man hat in der Verwaltung auch auf Kreisebene kurze Wege. Als Unternehmen mittlerer Größe werden wir hier ernst genommen und unsere Anliegen finden Gehör. Man unterstützt uns zum Beispiel bei der Suche von Grundstücken oder versucht, bei auftretenden Herausforderungen mit uns zusammen eine für alle Beteiligten passende Lösung zu finden. Dies ist nicht selbstverständlich, und ich habe von Unternehmern gehört, dass dies in anderen Städten, Gemeinden und Landkreisen oft nicht so ist.
Wie schafft es Ihr Unternehmen, immer wieder Fachkräfte und Spezialisten aus Ballungsräumen in das Fichtelgebirge zu lotsen?
Glücklicherweise sind wir in einer Branche, mit der sich viele – vor allem jüngere Menschen – identifizieren können. Fahrrad ist für viele unserer Ingenieure, Designer und Entwickler ein Herzensthema. Und es hat so manchen dazu veranlasst, den Wohnort zu wechseln und bei uns viele hundert Kilometer entfernt ein neues Leben zu beginnen.
Wie schwierig ist es, Mitarbeiter für die Produktion zu finden?
In unseren Räumen in Waldershof sind rund 1000 Menschen im Bereich Produktion und Logistik tätig. Alleine aus dem Umfeld von Waldershof und Marktredwitz ist es nicht möglich, diese Zahl an Mitarbeitern zu finden. Aus diesem Grund müssen wir viel Aufwand betreiben, Leute von weiter her, auch aus dem benachbarten Ausland, zu uns in die Firma zu bringen.
Jedes Jahr bringt die Branche neue Innovationen. Welche technischen Trends sehen Sie in Zukunft? Oder ist die Technik irgendwann ausgereizt?
Die Entwicklung ist etwas, das nie stehen bleibt. Die Schritte werden möglicherweise kleiner, aber es geht immer weiter. Im E-Bike-Segment beispielsweise haben wir ähnliche Anforderungen wie beim E-Auto. Die Fahrzeuge sollen leichter werden, die Reichweiten größer und die Batterien kleiner, um besser integriert werden zu können.
Thema Mobilität: Kann das Fahrrad die Erwartungen erfüllen, eine echte Alternative für immer mehr Menschen zum Auto zu werden?
Man kann jetzt schon feststellen, dass das Fahrrad für viele Menschen eine Alternative zum Auto geworden ist. Sie sehen es unter anderem daran, dass vor allem in den Ballungsräumen mehr und mehr junge Menschen gar kein Interesse mehr daran haben, überhaupt einen Führerschein zu machen. Gleichzeitig muss aber auch klar sein, dass zum Überwinden von größeren Distanzen das Rad an seine Grenzen stößt. Dennoch, das Thema Fahrrad wächst weiter, weil es Gesundheit, Freizeit, Umweltfreundlichkeit und Spaß in einzigartiger Weise miteinander verbindet.
Das Lastenfahrrad hat den Touch, nur etwas für sogenannte Ökos oder Grüne zu sein? Wie schafft Cube es, das Image für eine breitere Käuferschicht zu verbessern.
Ich sehe es nicht so wie Sie, dass Lastenräder nur etwas für Ökos oder Grüne sind. Lastenräder werden von einer breiten Gruppe von Menschen genutzt. Im Handwerk ersetzt es teilweise das Auto, Transportdienstleister benutzen es in Fußgängerzonen und Eltern, um ihre Kinder in den Kindergarten zu fahren oder damit einkaufen zu gehen. Auch dieses Segment wird weiter wachsen. Und wir werden unseren Beitrag dazu leisten, indem wir moderne und funktionale Produkte anbieten.
Ihr Unternehmen gehört in Europa bereits zu den größten. Sehen sie weiteres Wachstum?
Sicherlich haben wir uns in den letzten 32 Jahren – so lange gibt es Cube schon – eine gewisse Marktposition erarbeitet, aber ausruhen können wir uns leider nicht. Wir sehen eine immer stärker werdende Konzentration am Fahrradmarkt. Dies heißt, dass unsere Mitbewerber durch den Zukauf von anderen Unternehmen immer größer werden und wir aufpassen müssen, dadurch nicht ins Hintertreffen zu geraten. In Ländern wie China oder den USA werden einheimische Unternehmen massiv gefördert, um international erfolgreich zu sein und so die heimische Industrie zu stärken. Bei uns in Deutschland gibt es das nicht, jedenfalls nicht für uns. Wir müssen weiter hart daran arbeiten, Marktanteile zu gewinnen und zu wachsen, um langfristig überlebensfähig zu sein.
Eine persönliche Frage: Sie waren wegen eines Zeckenbisses einige Zeit außer Gefecht gesetzt. Wie läuft die Genesung? Und wie haben Sie sich die Zecke eingefangen?
Danke der Nachfrage. Ich war tatsächlich einige Monate nicht in der Lage, meiner Arbeit – so wie ich es mir gewünscht hätte – nachzugehen. Wie genau ich mir die Zecke eingefangen habe, weiß ich auch nicht, aber das Wichtigste für mich ist, dass ich mich wieder gesund fühle und dass es so bleibt.
























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