04.10.2019 - 15:51 Uhr
WaldershofOberpfalz

Erinnerung an Willkür und Mauer

An die turbulenten Ereignisse im Herbst 1989, an die großen Proteste in der DDR und die vielen bewegenden Momente erinnerte am Tag der Deutschen Einheit die CSU Waldershof.

Zu einer Einheitsfeier lud die CSU Waldershof unter Federführung von Margit Bayer (Neunte von rechts) und Mario Rabenbauer (Vierter von rechts) ins Kösseinbad ein. Referenten waren Werner Erhardt (Fünfter von rechts) und Ruth Rohn (Dritte von rechts).
von Autor ABIProfil

Etwa drei Dutzend Besucher kamen am Donnerstagvormittag zur Einheitsfeier - organisiert von Bürgermeisterkandidatin Margit Bayer und CSU-Ortsvorsitzendem Mario Rabenbauer - ins Kösseinebad. Beim Denkmal "Drei Bäume für die Einheit" ließ Werner Erhardt die Entstehung dieses bedeutsamen Punktes im hinteren Bereich des Kösseinebades noch einmal Revue passieren.

Der Wunsiedler war seinerzeit Ideengeber des deutschlandweiten Projekts und hatte im Rahmen des Zukunftsdialogs 2012 bei Bundeskanzlerin Angela Merkel angeregt, dass alle deutschen Städte und Gemeinden ein Wiedervereinigungsdenkmal pflanzen sollten. "Das lebende Denkmal ist als gleichseitiges Dreieck ausgelegt, mit je zehn Metern Seitenlänge. Im Westen steht eine Buche, im Osten eine Kiefer und im Norden eine Eiche - als Zeichen für das wiedervereinigte Deutschland. Das Wachsen der Bäume und die Ausdehnung der Kronen dokumentieren den Aufschwung und das Zusammenwachsen des ehemals geteilten Landes und den steten Wandel", erklärte Werner Erhardt. Er ist stolz darauf, dass bereits 300 dieser Einheits-Symbole verwirklicht wurden.

Bewegende Worte

Mit dabei bei der Einheitsfeier war das Ehepaar Ruth und Werner Rohn aus Blankenstein, Zeitzeugen des DDR-Regimes und der Wiedervereinigung. Ruth Rohn erzählte in bewegenden Worten, was sie seit ihrer Geburt im Jahr 1950 in Ostdeutschland ertragen musste: "1959 habe ich miterleben müssen, wie man meinen Vater abgeholt und zu vier Jahren Gefängnis verurteilt hat. 1961 wurde unsere Familie zwangsumgesiedelt. Wir mussten innerhalb von fünf Stunden unsere Wohnung räumen." Ihr Leben in der DDR war voller Repressalien und von der Gängelei durch Behörden geprägt, so Ruth Rohn. Erst im Januar 1989 wurde der Ausreiseantrag nach langer Wartezeit genehmigt. "Dieser Staat war voller Willkür, Mangelwirtschaft und Unfreiheit. Ich verstehe es nicht, wenn sich jemand hinstellt und sagt, es gab auch Gutes im Osten. Denn mir fällt hier nichts dazu ein." Rohn kritisierte auch die derzeit zu beobachtende Unzufriedenheit und Negativstimmung in den neuen Bundesländern.

"Oft sind die dunkelsten Zeiten der Nährboden für das größte Wachstum. Nichts auf der Erde ist ohne Sinn, es geht immer dem Licht entgegen", kommentierte Margit Bayer den Vortrag. "Vor 30 Jahren fiel die Mauer, Deutschland hat in einer friedlichen Revolution gezeigt, wie machtvoll das gemeinsame Streben nach Frieden sein kann." Mitterteichs Bürgermeister und Landratskandidat Roland Grillmeier lobte die Veranstaltung im Kösseinebad: "Man begeht diesen Tag oftmals so achtlos, deshalb ist diese Feier so lobenswert. Diese Idee mit dem Denkmal in Form von drei Bäumen ist aktueller denn je."

Toni Dutz, Bezirksrat und Bürgermeister von Wiesau, berichtete von seinen Erlebnissen in Bezug auf den Fall der Mauer und den damaligen Begegnungen mit den Bürgern. "Die DDR war nichts anderes als die Fortsetzung des Nationalsozialismus, nur mit anderen Mitteln. Die Staatsführung war das beste Beispiel dafür, wie man Wasser predigt und Wein trinkt", lautete sein Urteil über den "Arbeiter- und Bauernstaat". Mit dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne und einem Weißwurstfrühstück ging die Einheitsfeier in den gemütlichen Teil über.

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