27.01.2021 - 18:00 Uhr
WaldershofOberpfalz

Neue Träger für die Waldershofer Kindergärten

Für das Kinderhaus Sankt Sebastian, den Kindergarten Piccolino und den Waldkindergarten Fuchsbau stehen richtungsweisende Entscheidungen an. Denn die Stadt Waldershof will die Trägerschaft abgeben.

Rodelspaß am Gelände des Kinderhauses Sankt Sebastian mit Leiterin Silke Weinhold. Etwa 40 Kinder sind derzeit in der Notbetreuung.
von Oswald ZintlProfil

Die Organisation der Kinderbetreuung in den drei Einrichtungen steht seit 2018 in der Diskussion. Immer wieder gab es schwerwiegende, teilweise durchaus berechtigte Beschwerden und Kritik seitens der Eltern und Beschäftigten, die auch über die Medien ausgetragen wurden.

Seither versucht die Stadtverwaltung, in intensiver Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendamt Lösungen zu finden, um den Bedürfnissen von Beschäftigten, Eltern und Kindern optimal gerecht zu werden. Neben teilweise höchst herausfordernden baulichen Rahmenbedingungen sind hier vor allen Dingen die aufwendigen Verwaltungsaufgaben, die mit der Führung von drei Kindergärten an drei verschiedenen Standorten mit drei völlig unterschiedlichen pädagogischen Konzeptionen verbunden sind, zu bewältigen. „Immer wieder wird deutlich, dass eine kleine Stadtverwaltung hiermit an ihre natürlichen Grenzen stoßen muss“, so Bürgermeisterin Margit Bayer im Pressegespräch.

„Wir stehen aktuell mit zwei im Landkreis ansässigen Organisationen in Verbindung, die bereits ähnliche Projekte betreuen."

Bürgermeisterin Margit Bayer

Bürgermeisterin Margit Bayer

Zudem sei qualifiziertes Verwaltungspersonal knapp. Zahlreiche Stellen-Ausschreibungen der Stadt Waldershof haben hier nicht den gewünschten Erfolg gebracht. „Die vorhandenen Mitarbeiter sind mehr als ausgelastet mit vielfältigen Pflichtaufgaben, die in den kommenden Jahren weiter an Fahrt aufnehmen werden“, erklärt die Bürgermeisterin. Als Beispiele nennt sie die Innenstadtgestaltung und -belebung, umfangreiche Straßen-, Kanal- und Wasserleitungssanierungen, die Kernsanierung der Jobst-vom-Brandt-Schule, Neubauprojekte von Kindergärten und Feuerwehren, Ortsentwicklung sowie Wirtschaftsförderung.

Richtungsentscheidung

Um eine gelungene und für alle Seiten zufriedenstellende Verwaltung der Kindergärten zu garantieren, stehe nun eine elementare Richtungsentscheidung an, erklärt das Stadtoberhaupt. Zwei Fragen galt es dabei abzuwägen: „Bauen wir im Rathaus entsprechende Verwaltungsstrukturen auf, die die Trägerschaft in der erforderlichen Qualität gewährleisten können? Oder entscheiden wir uns dafür, bereits erprobte, spezialisierte Strukturen von erfahrenen, unabhängigen Trägern, die bereits höchst erfolgreich in Nachbarkommunen agieren und Kindergärten und Kinderkippen betreiben, zu nutzen?"

Intensive Gespräche

Vor diesen Hintergründen hat der Stadtrat bereits in einem Workshop im September vergangenen Jahres die einstimmige Entscheidung getroffen, sich mit der Übergabe der städtischen Kindergärten an unabhängige Träger von Kinderbetreuungseinrichtungen auseinanderzusetzen.

„Uns liegt sehr viel an einer vernünftigen, dauerhaften Lösung für unsere Kindergärten. Eltern, Kinder, wie auch Beschäftigte müssen sich gut aufgehoben fühlen."

Winfried Neubauer (FW)

Über viele Monate wurden laut Bayer intensive Gespräche und Verhandlungen, unter enger Einbeziehung der Stadtratsmitglieder und der Verwaltung, geführt. Es gab Fraktionssprechersitzungen, Vorstellungsrunden und Digitalkonferenzen zu diesem Thema. „Wir stehen aktuell mit zwei im Landkreis ansässigen Organisationen in Verbindung, die bereits ähnliche Projekte betreuen und sehr erfolgreich mit anderen Kommunen zusammenarbeiten“, berichtet die Bürgermeisterin.

„Uns ist es ein Anliegen, für unsere Waldershofer Eltern und Kinder ein optimal organisiertes, kompetentes und zuverlässiges Betreuungsangebot auf höchstem Niveau zu sichern.“

Maximilian Kastner (CSU/Wählerbund)

In der Februar-Sitzung soll es zu einer Grundsatzentscheidung im Stadtrat kommen. Die Stadt will die Trägerschaft für die drei Kindergärten an zwei unabhängige Träger abgeben. Ein Träger soll dabei das Kinderhaus Sankt Sebastian übernehmen und in den kommenden Jahren in Kooperation mit der Stadt den Neubau eines weiteren, dringend benötigten Kinderhauses realisieren. Der zweite Träger soll den Kindergarten Piccolino und den Waldkindergarten Fuchsbau führen, wobei auch in Poppenreuth in den kommenden Jahren große bauliche Maßnahmen anstehen werden, die die Stadt selbstverständlich eng begleiten werde.

„Uns ist es ein Anliegen, für unsere Waldershofer Eltern und Kinder ein optimal organisiertes, kompetentes und zuverlässiges Betreuungsangebot auf höchstem Niveau zu sichern“, betont Maximilian Kastner, Fraktionssprecher der CSU-/Wählerbund-Fraktion im Stadtrat. „Uns liegt sehr viel an einer vernünftigen, dauerhaften Lösung für unsere Kindergärten. Eltern, Kinder, wie auch Beschäftigte müssen sich gut aufgehoben fühlen. An diesem Anspruch muss sich die Entscheidung hinsichtlich eines möglichen Trägers dann auch orientieren,“ stellt Winfried Neubauer, Sprecher der Freien-Wähler-Fraktion, deutlich heraus.

"Wir werden bei der Auswahl der zukünftigen Träger das Wohl der Kinder und die Arbeits-, Vertrags- und Übernahmebedingungen unseres qualifizierten Betreuungspersonals besonders im Auge behalten."

Jürgen Ranft (SPD)

Aufgrund der angespannten Personalsituation im Rathaus, der schwierigen Gewinnung von qualifizierten Mitarbeitern für die Stadtverwaltung und des momentanen Wachstums der Stadt musste der Stadtratsbeschluss zur Übernahme der drei Kindergärten aus der letzten Amtsperiode komplett neu betrachtet und evaluiert werden, so Jürgen Ranft für die SPD-Fraktion. "Nach umfassender Bestandsaufnahme sind zukünftige Änderungen aus unserer Sicht unumgänglich. Wir haben uns unsere Entscheidungsfindung nicht leicht gemacht und werden bei der Auswahl der zukünftigen Träger das Wohl der Kinder und die Arbeits-, Vertrags- und Übernahmebedingungen unseres qualifizierten Betreuungspersonals besonders im Auge behalten. Zusätzlich sollen in Zukunft aufgrund der aktuellen Pandemiesituation auch neue Kommunikationswege von den ausgewählten Trägern eingeführt werden, die die geforderte Flexibilität der Eltern wesentlich erleichtern sollen“, führt Jürgen Ranft weiter aus.

„Auch ganz persönlich ist mir daran gelegen, dass es auf jeden Fall zu einer spürbaren Verbesserung vor allem für unsere Kleinen kommen wird, schließlich besucht auch meine eigene Tochter den Kindergarten in Waldershof. Ich bin mir daher der Sorgen und Anliegen der Eltern, Kinder und Beschäftigten aus erster Hand bewusst“, so die Bürgermeisterin abschließend.

Hintergrund:

Kündigungsschutz und Einfluss

Die Beschäftigten der Kindergärten werden zu unveränderten Arbeitskonditionen übernommen und von der verbesserten Organisationsstruktur erheblich profitieren, versichert Bürgermeisterin Margit Bayer.

  • Arbeitsverträge: Der neue Träger wird in vollem Umfang in die bestehenden Arbeitsverträge eintreten. Unbefristete Verträge bleiben unbefristet und der Kündigungsschutz für langjährige Beschäftigung bleibt erhalten. „Es ist eine absolute Bestandssicherung auf Dauer, Änderungskündigungen sind ausgeschlossen“, erklärt die Bürgermeisterin. „Mir ist es ein ganz besonderes Anliegen, hier klar zu stellen, dass wir unser hervorragend arbeitendes pädagogisches Personal unbedingt halten möchten und in bald folgenden Mitarbeitergesprächen alle Ängste und Verunsicherungen, die mit der Übergabe einhergehen könnten, ausräumen werden.“ Bei Neueinstellungen werde der Tarifvertrag des jeweiligen Trägers zur Anwendung kommen.
  • Qualität: Über eine vertragliche Absicherung des Defizits werde die Stadt weiterhin entscheidenden Einfluss auf die Betreuungsschlüssel und die Qualität der pädagogischen Arbeit behalten.
  • Erfahrungen: Die Stadtverwaltung habe in der Vergangenheit schon gute Erfahrungen mit einem unabhängigen Träger gemacht. Dazu verweist Bürgermeisterin Margit Bayer auf die erfolgreiche und produktive Zusammenarbeit im Bereich Kinderbetreuung im offenen Ganztag der Jobst-vom-Brandt-Schule.
  • Kosten: Die Stadt wird nach Aussage von Bürgermeisterin Margit Bayer weiterhin Sachaufwandsträger aller Gebäude bleiben und hier in den kommenden Jahren erhebliche Investitionen tätigen. Mittels klarer Vereinbarungen und vertraglich zugesicherter Finanzausstattung durch die Kommune für alle drei Einrichtungen werde die Qualität der Betreuung mit hervorragendem Personal auf einem hohen Niveau gehalten und weiter ausgebaut. „Auch die enge Vernetzung und unterstützende Beratung durch das Kreisjugendamt wird uns hier weiterhin gute Dienste leisten“, ist das Stadtoberhaupt überzeugt.

Um Platz zu schaffen, wurden beim Kinderhaus Sankt Sebastian Container aufgestellt

Waldershof

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.