18.05.2020 - 15:42 Uhr
WaldershofOberpfalz

Neustart in Sachen Kindergärten

Bürgermeisterin Margit Bayer kippt die Pläne für die Container-Krippe auf dem Schulgelände. Der Waldershofer Stadtrat soll nun ein stimmiges Gesamtkonzept erarbeiten.

So sah die Entwurfsplanung für die Container-Krippe auf dem Schulgelände aus. Damit war Schulleiterin Petra Andritzky aber ganz und gar nicht einverstanden. Die Pläne sind nun vom Tisch.
von Autor FPHProfil

Kindersegen in der Kösseinestadt: Der Bedarf an Kindergarten- und Krippenplätzen für das neue Kindergartenjahr ab September steigt. Was an und für sich eine erfreuliche Entwicklung ist, bringt die Stadt Waldershof aber in eine Zwickmühle: Denn die Kindergärten Sankt Sebastian in Waldershof und Piccolino in Poppenreuth, deren Träger die Stadt ist, platzen schon jetzt aus allen Nähten. In der Februar-Sitzung schien eine Lösung gefunden: und zwar mit dauerhaften Containern für drei Krippengruppen auf dem Schulgelände. Als sie einige Tage später die Entwurfsplanung dafür sah, protestierte allerdings Schulleiterin Petra Andritzky, da der Containerblock den Hauptspielbereich der Schule zu sehr beschneide.

Die neue Bürgermeisterin Margit Bayer erklärte nun in der konstituierenden Sitzung des neuen Stadtrats, dass die Container-Lösung in dieser Form vom Tisch sei. Nach längerer Diskussion im Gremium einigte man sich darauf, dass der Stadtrat in einem Workshop ein stimmiges Gesamtkonzept erarbeiten solle - für die Kindergärten und die Schule. Mit einem provisorischen Container für die Krippenkinder soll die Zeit bis zu einer besseren Lösung überbrückt werden. Das Provisorium soll auf dem Gelände des alten Schwesternwohnheims entstehen, das demnächst abgerissen wird. Bürgermeisterin Bayer versprach: "Wir werden im September kein Kind auf der Straße stehen lassen."

Die Fraktionen von CSU/Wählerbund und SPD hatten beantragt, dass das Krippen-Thema erneut auf die Tagesordnung kommt. Grund: Die von der Stadtverwaltung im Februar gegebenen Informationen hätten sich als nicht richtig herausgestellt. Somit habe sich die Situation grundlegend geändert. Winfried Neubauer, Sprecher der Freien Wähler, kritisierte jetzt den im Raum stehenden Vorwurf, dass Christoph Haberkorn, der Geschäftsleiter der Stadt, etwas Falsches gesagt habe. "Das glaube ich nicht." Neubauer plädierte dafür, beim Beschluss vom Februar, der einstimmig gefallen sei, zu bleiben. Auch wenn die Schulleiterin sage, dass ihr die Pläne nicht gefallen würden - ein Mitbestimmungsrecht habe sie nicht.

Kommunikationsprobleme

Die Container-Pläne seien mit der Schulleiterin abgesprochen, hatte es in der Februar-Sitzung vonseiten der Verwaltung geheißen. Petra Andritzky zufolge - sie war ebenso wie die Kindergartenleiterin Silke Weinhold in der konstituierenden Sitzung anwesend - habe es vor der Februar-Sitzung zwar ein kurzes Gespräch gegeben, das Vorhaben in seiner ganzen Tragweite sei ihr aber erst Anfang März offenbar geworden, als sie von Geschäftsleiter Christoph Haberkorn eine E-Mail mit der Entwurfsplanung erhielt. Bürgermeisterin Margit Bayer löste die Sache diplomatisch: Offensichtlich habe es Kommunikationsprobleme gegeben.

Maximilian Kastner (CSU/Wählerbund) empfahl, die ganze Angelegenheit neu zu bewerten. Jürgen Ranft (SPD) gestand ein, dass man im Februar vielleicht zu schnell abgestimmt habe. "Wir müssen neu diskutieren und eine optimale Lösung finden, mit der alle leben können." Winfried Neubauer (FW) sprach sich grundsätzlich für eine Lösung auf dem Schulgelände aus. Und er forderte, dass die Eltern gehört werden - insbesondere auch wegen des Kinderhorts. Hier ist angedacht, ihn vom Kindergarten Sankt Sebastian auszulagern, um dort Platz zu schaffen, und ihn in die Offene Ganztagsbetreuung an der Schule zu integrieren.

Schulsanierung

Schulleiterin Andritzky drängte darauf, auch die vielen ungeklärten Dinge an der Jobst-vom-Brandt-Schule auf die Reihe zu bringen - wie die Verkehrssituation mit der Sackgasse vor der Schule, die alte Turnhalle oder die nötige Schulsanierung. Sie forderte ein sinnvolles Gesamtkonzept für Schule und Kindergarten. Sie sei nicht grundsätzlich gegen eine Krippe auf dem Schulgelände - aber gegen Schnellschüsse. Kindergartenleiterin Silke Weinhold erinnerte noch einmal eindringlich an die Platznöte in Sankt Sebastian: "Wir haben keinen Turnraum mehr und keinen Intensivraum." Die Kinderbetreuung in Zeiten von Corona werde künftig noch mehr Platz brauchen - das Problem werde also noch größer.

Wann und in welcher Form der Stadtrats-Workshop zwecks Gesamtlösung für Kindergarten, Krippe und Schule stattfindet, steht noch nicht fest. Für das Krippen-Provisorium ist der Weg bald frei: Der Abriss des Schwesternwohnheims soll Anfang Juni beginnen. Der Auftrag ist bereits vergeben - an die Firma Ebersbach in Höhe von 78.266 Euro.

Hintergrund:

"Ein unglaublicher Verwaltungsaufwand"

Margit Bayer, die neue Waldershofer Rathauschefin, sagte zu Beginn der Diskussion über die Krippen-Pläne einige grundsätzliche Worte über die Kindergärten der Stadt. Es sei ein "enorm komplexes Thema" mit den verschiedenen Standorten und Konzeptionen. Wie sie in ihren ersten Tagen im Amt feststellen musste, werde dadurch extrem viel Arbeitskraft im Rathaus gebunden, "ein unglaublicher Verwaltungsaufwand" sei zu bewältigen. Es gebe fortwährend Probleme im Bereich Personal, viele Konflikte und viel Konkurrenzdenken zwischen den einzelnen Einrichtungen. Viel sei in der Vergangenheit getan worden, um die Probleme in den Griff zu kriegen: So wurde ein externer Berater hinzugezogen, es wurde eine Gesamtleitung für die Kindergärten eingeführt - nichts habe gefruchtet. Ganz im Gegenteil: Das Ganze habe sich immer weiter verkompliziert. Dazu kämen noch - mit Ausnahme des Waldkindergartens - die baulichen Probleme und eine sehr beengte räumliche Situation. Deswegen sei man in intensiven Gesprächen mit dem Kreisjugendamt. Es gelte nun, eine handfeste und dauerhafte Lösung zu finden. Die aktuelle Diskussion über das Krippen-Domizil müsse ein Schritt zu dieser Lösung sein. Für den Bau - wo auch immer das sein werde - sieht Bayer zwei Möglichkeiten: einen Massivbau "Stein auf Stein", der aber lange - zwei bis drei Jahre - dauern würde; oder aber einen von ihr favorisierten Massivbau in Holz-Modulbauweise, der in einem halben Jahr zur realisieren sei. „Das wäre eine moderne Art zu bauen.“

Kurz notiert:

Michaela Härtl und Angela Burger

Entgegen dem ursprünglichen Konzept für die Referenten der Stadt Waldershof hat es eine Änderung gegeben: Das Referat Veranstaltungsmanagement, Tourismus und Kultur betreut Angela Burger (CSU) nicht alleine, sondern zusammen mit Michaela Härtl (Freie Wähler).

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