Waldsassen
26.03.2019 - 13:36 Uhr

30. OP-Einsatz in 20 Jahren „Feuerkinder“

Bilanz einer großen Hilfsaktion: Dr. Annemarie Schraml hatte im Februar gleich zwei Jubiläen zu feiern. All dies ist aber auch den eifrigen Spendern der Region zu verdanken, die finanziellen Obolus leisten.

Dr. Annemarie Schraml ist sehr gerührt, als sie die ersten zwei Eier der HÜhner im neuen Haus geschenkt bekommt. Bild: exb
Dr. Annemarie Schraml ist sehr gerührt, als sie die ersten zwei Eier der HÜhner im neuen Haus geschenkt bekommt.

Das Jahr 2019 ist noch jung, dennoch war Dr. Annemarie Schraml bereits zweimal Tansania. Anfang Januar hat sie dort wegweisende Gespräche über die Zukunft der "Feuerkinder" geführt. "Die bürokratischen Anforderungen werden eher mehr als weniger", klagt Dr. Schraml. "Und das nach 20 Jahren wertvoller Arbeit für die Armen in Tansania." Sie müsse jetzt für jedes Teammitglied 250 Dollar für ein Business-Visum bezahlen. Immer mühsamer sei es, Medikamente einzuführen, die es in Tansania nicht gebe. "Aber sie sind für Operationen bei Kindern absolut erforderlich."

Schraml nutzte ihre Teilnahme an der feierlichen Amtseinführung des neuen Vizebischof E. Akyoo in der Meru-Diözese fürs Netzwerken. Sie ist glücklich, dass sie dort mit dem zuständigen District Commissioner über die erschwerten Einfuhrbedingungen sprechen konnte. "Wir sind so froh. Er unterstützte im Februar gleich die Freigabe der Medikamente am Flughafen."

Dann ging's in die Klinik, um Gipsverbände zu wechseln und Röntgenkontrollen durchzuführen. "Die 2018 angeschaffte digitale Röntgenanlage liefert sehr gute Aufnahmen, die auch über das Internet nach Deutschland gemailt werden können", erzählt sie. Die Stiftländerin ist dankbar für die moderne Technik. Dabei lässt die Waldsassener Ärztin die Armut in Tansania nicht mehr ruhig schlafen. Immer wieder versucht sie, wo es nur geht, die Not zu lindern, mittlerweile auch mit dem Bau von Häusern. "Im Januar erfolgte nun der Umzug einer Familie in ein solches Haus. Im Auto wurden neben wenigen Habseligkeiten zwei Hühner, ein Hahn und sechs Küken transportiert", berichtet Schraml. Was dann passierte, rührte Dr. Schraml zu Tränen. Die Hausfrau schenkte ihr zum Dank die ersten beiden Eier, welche die Hühner in ihrer neuen Bleibe legten.

Sie hat bereits drei Kinder aus der Familie operiert. Doch die Probleme hören nicht auf. Leider habe das Trinkwasser am Wohnort einen zu hohen Fluoridgehalt, spricht Schraml ein Problem Tansanias an. "Das führt zur Verbiegung der Knochen und Braunfärbung der Zähne." Inzwischen sei eine Filteranlage gespendet worden, was ein großer Segen sei.

Kaum daheim ging es für Dr. Schraml im Februar schon wieder nach Tansania, diesmal mit einem großen Team zum 30. Operationseinsatz im 20. Jahr des Hilfsprojektes. 70 Operationen, meist operative Korrekturen von Klumpfüßen und einige Achskorrekturen bei extremen O- und X-Beinen, habe das Team erledigen können, erzählt sie. "Teilweise kommen die Kinder zur OP aus bis zu 1500 Kilometer Entfernung zu uns", erzählt Schraml. Sie sieht darin ein Ergebnis der schlechten medizinische Versorgung in Tansania.

Gut läuft die von Schraml im Jahr 2004 aufgebaute orthopädische Werkstatt: Zwölf Patienten seien im Februar wieder mit orthopädischen Hilfsmitteln versorgt worden. Und noch einen schönen Erfolg kann Dr. Schraml nach 20 Jahren Hilfswerk melden: Nach ihren jahrelangen Bemühen habe Anfang 2019 Diakon Jonas Akyoo mit der Dorfarbeit begonnen. Er kümmere sich um bedürftige, operierte Patienten und ihre Familien. "Ein Motorrad, ein Handy und ein finanzieller Grundstock für die Bedürftigen wurden ihm von der Stiftung Hilfen für Tansania Rummelsberg und dem Projekt Feuerkinder zur Verfügung gestellt", erzählt Schraml vom bescheidenen Lohn des Diakons.

Während ihres 30. OP-Einsatzes konnte Dr. Schraml die Hospitation der nächsten vier Mitarbeiter des Nkoaranga-Krankenhauses in die Wege leiten. Diese absolvieren im April im Rahmen des Projekts "Klinikpartnerschaften" in Nürnberg ein Praktikum, wie es bereits Vorgänger getan haben. Die nächste gute Nachricht: "Ein Herz für Kinder" unterstützt den Bau eines neuen OP-Saals im Nkoaranga-Krankenhauses. Nachdem das Gebäude baufällig geworden sei, würden sich alle sehr freuen, so Annemarie Schraml, die ein Jahr vorher im TV bei "Ein Herz für Kinder" Hilfe zugesagt bekommen hat.

Schraml hofft, dass der Rohbau bis zum nächsten Einsatz Ende Juli fertig ist. "Wir vom Feuerkinder-Team bedanken uns für jede erbrachte und zukünftige Unterstützung", vergisst die engagierte Ärztin mit dem großen Herz für Afrikas Kinder nie all jene Spender und Förderer daheim, die ihr Projekt finanziell und ideell mitunterstützen. Wer spenden möchte, kann dies auf dem Konto "Projekt Aktion Feuerkinder", EB Kassel, IBAN: DE53 520 604 100 103 509 982 , BIC: GENODEF1EK1.

Auszug aus der alten Hütte: In derart kargen Holzbuden leben in Tansania die armen Menschen. Und das sind nicht wenige, ganze Städte sind mit solchenund noch schlechteren Behausungen "zusammengeschachtelt". Bild: exb
Auszug aus der alten Hütte: In derart kargen Holzbuden leben in Tansania die armen Menschen. Und das sind nicht wenige, ganze Städte sind mit solchenund noch schlechteren Behausungen "zusammengeschachtelt".
Eine glückliche Familie vor dem neuen Haus, in den endlich Platz ist für alle. Bild: ubb
Eine glückliche Familie vor dem neuen Haus, in den endlich Platz ist für alle.
Vor der Operation. Bild: ubb
Vor der Operation.
 
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