Die zuletzt noch verfügbaren Karten gingen binnen weniger Stunden weg. Das Sonderkonzert von "German Brass" am 12. März in der Aula der Grundschule, die seit der Sanierung und Erweiterung "Diepoldeum" heißt, ist restlos ausverkauft. "Das ist für Waldsassen schon ein besonderes Ereignis", findet Wolfgang Gaag.
Dass es dabei vor allem um ihn geht, um seinen 80. Geburtstag kurz zuvor und um seinen Abschied vom Ensemble – dies alles möchte er eigentlich gar nicht so in den Vordergrund gestellt wissen. "Es ist ein Benefizkonzert, alle spielen ohne Gage", unterstreicht der Musiker, dass der Erlös für kulturelle und soziale Zwecke in Waldsassen verwendet werden soll.
Nach gut 50 Jahren beendet Wolfgang Gaag in Waldsassen seine aktive Laufbahn als Musiker. Er war Solohornist unter anderem bei den Bamberger Symphonikern und den Münchener Philharmonikern. Der Professor für Horn unterrichtete bis vor 15 Jahren an der Musikhochschule in München. Sein Instrument mochte der Waldsassener aber damals noch nicht beiseite legen.
Treffen mit "Gorbi"
Dass er mit "German Brass" weltweit unterwegs war, erzählt der Hornist im Gespräch mit Oberpfalz-Medien und nennt etwa Peking und Shanghai. "Auch Moskau, aber schon einige Jahre nicht mehr", erinnert sich der Waldsassener auf Nachfrage. Putin hätten sie dort nicht getroffen, dafür aber Gorbatschow. Es werde halt immer so geschrieben und gesagt, gibt sich Gaag bescheiden über die Aussage, wonach "German Brass" das berühmteste und das weltbeste Blechbläserensemble sei. "Das ist keine Erfindung von mir."
Dabei begann alles ganz zwanglos. "Wir haben einmal ein Quintett gehört, aus Amerika", erinnert sich Gaag an seine Studienzeit, worauf die Freunde Lust bekamen, eine ähnliche Gruppe zu begründen.
1974 die erste Schallplatte
"Wir haben uns zusammengetan, sind miteinander in Urlaub gefahren und haben ein Konzert gespielt", erinnert sich Gaag: "Das hat die Leute so weggerissen vor Begeisterung, dass wir gesagt haben: Das können wir weiterverfolgen." 1973 war das. 1974 nahm das "Deutsche Blechbläserquintett" die erste Schallplatte auf. Später wurde die Besetzung erweitert.
Ortstermin im "Diepoldeum": Mit seiner Frau Trudi kommt Wolfgang Gaag aus München in die Heimat, um letzte Vorbereitungen für das Konzert zu treffen. Beide sind begeistert von dem Raum, der Erinnerungen weckt an die Einschulung. "Das ist die alte Stiege, wo wir fotografiert worden sind", erkennt Wolfgang Gaag den Platz wieder, auf denen früher unzählige Klassenfotos geschossen worden sind.
Mit drei Tönen zur Stadtkapelle
Auch die Buben des Jahrgangs 1942/43 standen einst dort, mit ihrem Lehrer Scheitler. "Bloß, dass die damals noch im Freien war", ergänzt Manfred Brunner über die Treppe aus Granit. Der Schwager von Wolfgang Gaag – beider Frauen sind Schwestern – war früher Rektor der Grundschule und erinnert daran, dass die Stufen in den Pausenhof führten.
"Das hat sich zufällig so ergeben", erzählt Gaag im Gespräch mit Oberpfalz-Medien vom Beginn seiner musikalischen Laufbahn als Hornist. Denn der Bub lernte einst Akkordeon, bei Heinrich Bornschlegl. Der leitete auch die Stadtkapelle. "Zu Fronleichnam wurde ein Waldhorn-Bläser gesucht", schätzt Gaag, dass dies um 1955 gewesen sein müsste. "Er hat mir einige Griffe gezeigt", so der Professor über die Schnelleinweisung durch den Musiklehrer und Dirigenten vor der musikalischen Gestaltung der Prozession in Waldsassen.
"Mit meinen drei Tönen wurde ich dann aufgenommen in die Stadtkapelle." Von den damals aktiven Musiker sei heute kaum jemand mehr dabei. Und die älteren Musiker in der Stadtkapelle heute seien früher in der Bergknappen-Kapelle aktiv gewesen. "Geprägt hat mich die Zeit bei Franz Ballon im Knabenchor", verweist Gaag darauf, dass er auch gerne singt und erinnert sich: "Das hat Spaß gemacht."





















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