05.03.2020 - 18:39 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Botschafterinnen mit Selbstbewusstsein

Emily Fernandez-Diez von der Mittelschule Waldsassen und Veronika Zintl von der Mädchenrealschule Waldsassen sind Wertebotschafterinnen. Im Februar wurden sie in Tannenlohe dazu ausgebildet. Was dahinter steckt, verraten beide im Interview.

Wertebotschafterin an der Mädchenrealschule Waldsassen Veronika Zintl (links) und Lehrerin Astrid Krauß. Sie hängen ein Plakat zu „Werte machen Schule“ auf.
von Susanne Forster Kontakt Profil

Veronika Zintl von der Mädchenrealschule Waldsassen ist an ihrer Schule als Wertebotschafterin nun Ansprechpartnerin in Sachen Toleranz, Höflichkeit und Respekt. Unterstützt wird sie dabei von Lehrerin Astrid Krauß. Die 13-jährige aus Themenreuth sagt von sich selbst, dass sie sich traut, ihre Meinung zu sagen. Für dieses Schuljahr hat die Wertebotschafterin noch zwei Projekte geplant, sagt sie. Wie eines davon aussehen wird, was ihre neuen Aufgaben sind und was sie in Tannenlohe erlebt hat, verrät die Themenreutherin im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

ONETZ: Warum bist du als Wertebotschafterin ausgewählt worden?

Veronika Zintl: Ich wurde von der Betreuungslehrerin Astrid Krauß gefragt, ob ich es machen möchte. Nachdem am "SMV-Tag" (Schülermitverantwortung) alle Klassensprecher meiner Kandidatur zugestimmt haben, habe ich meine Bewerbung an das Kultusministerium geschrieben. Dort bin ich dann recht zügig angenommen worden. In die Bewerbung habe ich mit aufgenommen, dass ich Klassensprecherin und Dritte Schülersprecherin bin und dass ich immer aktiv mithelfe. Und auch, auf welche Werte ich schaue, habe ich mit hinein geschrieben.

ONETZ: Welche Werte sind dir besonders wichtig?

Veronika Zintl: Respekt voreinander, Höflichkeit, Hilfsbereitschaft und dass man Verantwortung übernehmen kann. Was auch wichtig für mich ist, dass man jeden toleriert. Das wurde auch während der einwöchigen Ausbildung in Tannenlohe oft angesprochen.

ONETZ: Was habt ihr in der Ausbildung zum Wertebotschafter gemacht?

Veronika Zintl: Wir haben darüber gesprochen, was Werte sind. Und wir haben uns einzelne Werte ausgesucht und in Teams darüber diskutiert und philosophiert. Es gab viel Meinungsaustausch und viele Gruppenaufgaben. Wir haben auch zwei Videos gedreht. In einem ging es um den Wert Zusammenhalt. Wir haben eine Szene gefilmt, in der ein Außenseiter zu einem Mitglied einer Gruppe wird.

ONETZ: Welche Aufgaben hat ein Wertebotschafter und welche Projekte planst du für deine Schule?

Veronika Zintl: Ich habe die Aufgabe, den Schülern zu vermitteln, was Werte sind und wie Werte verkörpert werden. Für die Schule geplant ist etwa das Projekt „Werte-Wichtel“: Auf Zetteln werden die Namen von Schülern notiert. Die Zettel jeder Klasse kommen in einen Korb. Mit ihm gehe ich dann in die Klassen und jeder Schüler darf einen Zettel ziehen. Demjenigen, den man gezogen hat, muss man dann eine gute Botschaft schreiben. Und weitere Projekte sind natürlich auch in Planung, sollen aber noch nicht verraten werden.

ONETZ: Was sagen deine Mitschüler dazu, dass du jetzt Wertebotschafterin bist?

Veronika Zintl: Die meisten fanden es ziemlich cool. Manche meinten aber auch, dass ich es gemacht habe, nur damit ich eine Woche nicht zur Schule gehen muss.

Der Bericht zur Wertebotschafter-Ausbildung in der Jugendherberge Tannenlohe:

Tannenlohe bei Falkenberg

Mittelschule Waldsassen

Die Wertebotschafterin an der Mittelschule Waldsassen Emily Fernandez-Diez (Mitte) mit Lehrerin Stefanie Heindl (links) und Jugendsozialarbeiterin Jenny Schlicht.

Auch Emily Fernandez-Diez aus Rosenbühl bei Konnersreuth ließ sich zur Wertebotschafterin ausbilden. Die 14-Jährige ist Schülerin an der Mittelschule Waldsassen. Die Lehrerin Stefanie Heindl und Jugendsozialarbeiterin Jenny Schlicht unterstützen die Jugendliche bei ihrem neuen Amt. "Emily ist eine der selbstbewusstesten Schüler hier an der Schule", sagt Heindl. Aber nicht nur wegen ihres Selbstbewusstseins, auch wegen ihrem Engagement im Schulleben, sie ist etwa Trainerin der Schul-Garde, fiel die Wahl auf die Rosenbühlerin. Auch sie spricht im Interview mit Oberpfalz-Medien über die Erlebnisse in Tannenlohe und ihre Vorhaben für ihre Schule.

ONETZ: Warum bist du als Wertebotschafterin ausgewählt worden?

Emily Fernandez-Diez: Ich wurde von meiner Klassenlehrerin gefragt und habe gleich ja gesagt. Ich denke, ich bin ausgewählt worden, weil ich gut mit Menschen kann. Ich gehe offen auf Menschen zu und kann meinen Mitschülern Sachen leicht und auf spielerische Weise erklären. Ich kann aber wenn es nötig ist auch meine Meinung sagen.

ONETZ: Welche Werte sind dir besonders wichtig?

Emily Fernandez-Diez: Mir ist Ehrlichkeit sehr wichtig. Und ich lege großen Wert darauf, jeden zu akzeptieren, zu tolerieren und nichts böses zu jemandem zu sagen.

ONETZ: Was habt ihr in der Ausbildung zum Wertebotschafter gemacht?

Emily Fernandez-Diez: Wir haben viel über Werte und ihre Bedeutung philosophiert. Wenn wir gemeinsam diskutiert haben, gab es zu einer Sache immer viele verschiedene Ansichten. Das hat mich erstaunt. Und wir haben Spiele gespielt und auch selbst Spiele kreiert. Und gelernt, sachlich zu argumentieren. Etwa, dass man Fakten parat haben muss und nicht einfach dagegen reden darf. Ich habe während der Zeit in Tannenlohe auf jeden Fall meinen Horizont erweitern können.

ONETZ: Welche Aufgaben hat ein Wertebotschafter und welche Projekte planst du für deine Schule?

Emily Fernandez-Diez: Als Wertebotschafterin vermittle ich Respekt und Ehrlichkeit. Da ich in der Neunten Klasse bin, bin ich schon eine der Älteren. Die Jüngeren schauen vieles von mir ab. Ich sehe mich deshalb auch als gutes Vorbild und Mentorin für meine Mitschüler. Für die Schule ist das Projekt „Werte to go“ geplant. Das sind Papierstreifen, auf denen ein Wert steht. Auf der Rückseite der Streifen steht, wie man den Wert umsetzen kann. Jeder Schüler kann sich einen Streifen mitnehmen, denn sie hängen in der Schule aus. Für das nächste Schuljahr ist auch eine „Werte-AG“ geplant. Und im Hausaufgabenheft für das nächste Schuljahr wird es eine "Werte-Seite" geben. Das ist eine Heftseite, auf der verschiedene Werte abgedruckt sind.

ONETZ: Was sagen deine Mitschüler dazu, dass du jetzt Wertebotschafterin bist?

Emily Fernandez-Diez: Manche haben mich gefragt, was eine Wertebotschafterin eigentlich ist. Wir haben dann darüber philosophiert und darüber gesprochen. Meine Mitschüler sind sehr daran interessiert. Auch wenn einige meinten, ich hätte die Ausbildung gemacht, um die Schule zu schwänzen (lacht).

Hintergrund:

Ausbildung zu Wertebotschaftern

Bei der einwöchigen Ausbildung zu Wertebotschaftern in der Jugendherberge Tannenlohe waren Emily Fernandez-Diez und Veronika Zintl, beide aus dem Landkreis Tirschenreuth, mit dabei. Die Initiative "Werte machen Schule" des Bayerischen Kultusministeriums richtet die Ausbildung aus. Insgesamt 24 Wertebotschafter aus der ganzen Oberpfalz sind in der Jugendherberge ausgebildet worden. Die Schüler üben nun in diesem und im nächsten Schuljahr das Ehrenamt des Wertebotschafters an ihren Schulen aus. Im Lehrgang begleitet wurden die Jugendlichen von dem Regensburger Schulsozialpsychologen Christian Gabler und der Förderlehrerin an der Mittelschule in Neunburg vorm Wald, Christine Schießl (wir berichteten).

Gelehrt wurden etwa, wie Werte in Schulen vermittelt und erlebbar gemacht werden können. (sfo)

 

 

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