14.07.2021 - 16:49 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Bundesstraße zum Grenzübergang Waldsassen: Bauarbeiten im Zeitplan

Langsam rollt der schwere Maschinenzug Richtung Westen. Dahinter Walzen, die ständig vor- und rückwärts fahren und den Asphalt verdichten. Was nicht groß erkennbar ist: Die Aktion auf der Bundesstraße ist eine logistische Herausforderung.

Gerhard Kederer und Markus Weiß vom Staatlichen Bauamt und Markgraf-Bauleiter Stefan Schiedlofsky (von rechts) am Mittwochvormittag an der Bundesstraße 299 beim Einbau der zusätzlichen Tragschicht.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Seit 5. Juli ist der Grenzübergang bei Hundsbach für den überregionalen Verkehr komplett gesperrt. Erneuert wird der 2,8 Kilometer lange Abschnitt der Bundesstraße 299 von der Grenze bis zur Einmündung in die Staatsstraße 2178. Auf der gesamten Breite von 7,50 Metern wird eine neue Deckschicht eingebaut, zuvor wird die Fahrbahn mit einer zusätzlichen Tragschicht verstärkt. Diese ist wegen des erhöhten Verkehrsaufkommens und der aktuell gültigen Vorgaben nötig. In den vergangenen Tagen war der alte Asphaltbelag der Hauptstrecke abgefräst worden.

"Die wird jetzt acht Zentimeter höher", informiert Markus Weiß vom Sachgebiet Straßenverwaltung im Bereich der Straßenmeisterei Tirschenreuth am Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach über das künftige Niveau der Fahrbahn. Die letzte Deckschicht ist dann nochmals drei Zentimeter dick. Deshalb müsse alles angepasst werden – die Bankette entlang der Straße, die Übergänge auf den Brücken. "Alles Arbeiten, wo man ganz schön dranhängt", so Weiß im Hinblick auf den zeitlichen Aufwand.

Fahrbahn ziemlich rissig

Nach dem Abfräsen des alten Belags mussten zunächst Durchbrüche in den Fahrbahnschichten, verursacht durch den ständigen Verkehr in und aus Richtung Tschechien, speziell bearbeitet werden. "Dass die Zwischendecke gefehlt hat, war an der Straße zu sehen", erklärt Markus Weiß. Die Fahrbahn sei schon ziemlich rissig gewesen. Angehoben werden noch die Kanaldeckel in der Fahrbahn. Die zusätzlichen Betonringe, die später eingesetzt werden, liegen schon am Straßenrand.

Zuletzt müssen die Leitplanken wieder montiert und die Fahrbahn markiert werden, ehe Ende Juli die Straße wieder freigegeben werden kann. "Das sind alles Arbeiten, die man am besten macht, wenn der Verkehr draußen ist", erklärt Baudirektor Gerhard Kederer, Bereichsleiter Straßenbau beim Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach im Gespräch mit Oberpfalz-Medien auf der Baustelle vor Ort.

Wetter gefährdet Aktion

„Am Freitag ist Halbzeit“, informiert Weiß über den Zeitplan. Dieser werde von der ausführenden Firma, dem Bauunternehmen Markgraf, perfekt eingehalten. Der Mittwoch war für den Einbau der zusätzlichen Tragschicht vorgesehen: Beinahe hätte das Wetter die Aktion gefährdet. Doch die konnte wie geplant beginnen, nachdem sich am Vormittag die dunklen Wolken verzogen hatten. Kederer: „Wenn es so weitergeregnet hätte, wäre der Einbau nicht möglich gewesen.“

Das Wasser der letzten Regenfälle steht auf der Fahrbahnschicht, die nach dem Abfräsen des alten Asphaltbelags freigelegt ist. Die Oberfläche schimmert schwarz: Die Straßenbauer haben Bindemittel versprüht. Das Bitumengemisch sorgt für eine feste Verbindung zwischen der alten Asphaltschicht mit der neuen, informiert Weiß.

4200 Tonnen Mischgut

Dass der Einbau der Fahrbahnschichten eine besondere Herausforderung bedeutet, erläutert Bauleiter Stefan Schiedlofsky von der Firma Markgraf: 4200 Tonnen sind für die Aktion am Mittwoch nötig, für die abschließende Deckschicht nochmals 2200 Tonnen. „Das sind heute 30 Sattelzüge im Pendelverkehr“, erläutert Schiedlofsky und erzählt nebenbei, dass jedes Fahrzeug 27 Tonnen in der Mulde geladen hat.

"Das Schönste wäre, wenn man morgens früh ansetzt und zum Feierabend auf der anderen Seite abstellt und der Einbau kontinuierlich läuft", sagt der Bauleiter. Am Mittwochvormittag funktioniert das super: Ständig liefern neue Lkw-Züge neues Mischgut von der firmeneigenen Anlage in Zinst bei Kemnath. Sie kippen ihre Ladung in den "Befüller". Die Maschine ist direkt an den Fertiger angedockt und stellt vor Ort kontinuierlichen Materialnachschub ohne Unterbrechung sicher.

Lastzüge mit GPS-Signal

Unter Kontrolle behält Schiedslofsky auch die Lieferung zur Baustelle. "Man sieht jetzt zwei Lkw", zeigt Schiedlofsky das Display seines Smartphones: Auf einer Karte sind zwei Punkte sichtbar – Lastzüge mit GPS-Signal, die zwischen Hundsbach und Zinst unterwegs sind. "Das hört sich recht tragend an", spricht Schiedlofsky von einem ausgefeilten Logistikkonzept. "Wichtig ist, dass das kontinuierlich läuft. Das ist das ganze Hexenwerk."

"Das sind gefragte Leute", sagt Schiedlofsky über die Männer in den Walzen: Deren Job ist es, die frisch eingebaute und nach dem Verlegen rund 180 Grad heiße Asphaltschicht innerhalb eines bestimmten "Temperaturfensters", wie der Bauleiter sagt, zu verdichten. Dabei spielen die äußeren Bedingungen eine große Rolle: "Wenn es extrem warm ist, haben wir lange Auskühlzeiten." Dann müssten die Walzen größeren Abstand zum Asphaltfertiger halten. "Sonst fängt das Material zu schieben an."

Für die Asphaltschicht gefährlich sei auch starker Wind. "Der kühlt die Oberflächen wieder zu schnell aus." Dann müssten sich Fertiger und Verdichter gut abstimmen, sagt der Bauleiter und meint damit die Männer auf der großen Maschine und auf den Walzen dahinter.

Im Juni hatte das Staatliche Hochbauamt die Sperrung des Grenzübergangs angekündigt

Waldsassen
Hintergrund:

Straßenbaumaßnahme benötigt ausreichend Vorlauf

Baudirektor Gerhard Kederer nimmt im Gespräch mit Oberpfalz-Medien zur Kritik aus der Bevölkerung Stellung, warum für die Baumaßnahme nicht die Zeit während der letztjährigen Schließung der Grenze im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie genutzt wurde.

  • Kederer erklärt: „Wenn wir letztes Jahr gewusst hätten, dass dieser Lockdown wieder kommt, dann hätten wir das natürlich auch machen können. Markus Weiß ergänzt im Hinblick auf den Zeitpunkt der Schließung im März 2020, dass diese Zeit ohnehin nicht günstig gewesen wäre für solche Arbeiten. „Selbst wenn der Lockdown im Sommer gewesen wäre, hätten wir das auf die Schnelle auch nicht zusammen gebracht“, unterstreicht Kederer. Derartige Projekte benötigten schon einen gewissen Vorlauf.
  • Die Umleitung des grenzüberschreitenden Verkehrs über Schirnding funktioniert offenbar sehr gut. Nur sehr vereinzelt, so Markgraf-Bauleiter Stefan Schiedlofsky, würden Pendler aus Richtung Tschechen versuchen, über Schleichwege die Grenze zu passieren.
  • Markus Weiß vom Bauamt unterstreicht die hervorragende Zusammenarbeit mit der zuständigen Straßenbaubehörde in Sokolov/CZ. Die Verständigung sei ganz gut in der deutschen Sprache und ansonsten mit Dolmetscher möglich.

"Wichtig ist, dass das kontinuierlich läuft. Das ist das ganze Hexenwerk."

Stefan Schiedlofsky

"Dass die Zwischendecke gefehlt hat, war an der Straße zu sehen."

Markus Weiß

"Wenn es so weitergeregnet hätten, wäre der Einbau nicht möglich gewesen."

Gerhard Kederer

 

 

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