13.08.2018 - 14:36 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Dawanda-Schließung: Kerzendesignerin in Not

Maria Heinrich versteht die Welt nicht mehr. Die Künstlerin und Kerzendesignerin konnte viele Jahre von ihrer Kunst leben. Bis vor Kurzem ihre Verkaufsplattform im Internet ankündigte, offline zu gehen.

Mit viel Liebe zum Detail designt Maria Heinrich seit vielen Jahren Kerzen.
von Ulla Britta BaumerProfil

(ubb) "Wir kämpfen ums Überleben", sagt Maria Heinrich. Die 41-jährige Unternehmerin sitzt an ihrem Arbeitsplatz. Draußen hat es über 35 Grad. Das Wachs für die Kerzen schmilzt. Das ist es aber nicht, was die ausgebildete Designerin in arge Not bringt.

Maria Heinrich verkaufte ihre Produkte seit Jahren gut über das Internetverkaufsportal für Handgemachtes "Dawanda". Die Mutter von zwei Kindern hat davon gelebt. Dann wurde sie im Juni vor die Tatsache gestellt: "Dawanda" schließt zum 30. August dieses Jahres ihre Verkaufsplattform. Grund: Die Gründer sehen keine Möglichkeit, das Wachstum voranzutreiben. Bundesweit sind über 70 000 Verkäufer betroffen.

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Oberpfalz

Maria Heinrich ist nicht die einzige in der Region, die damit ihr Einkommen verliert. Eine Kunsthandwerkerin in Nagel sei ebenfalls betroffen. "Wir wussten lange von nichts. Bis mir ein Bekannter übers Handy die Nachricht schickte", erzählt die Waldsassenerin. Sie ist sehr aufgebracht, denn die Künstlerin beschäftigt vier Mitarbeiterinnen. Und es sei ihnen viel zu wenig Zeit gewährt worden, sich umzuorientieren.

Karriere als Kerzendesignerin begann mit Taufe des Sohns

Die Karriere als Kerzendesignerin begann für Maria Heinrich, die ihre Ausbildung an der Fachschule für Design in Selb gemacht hat, mit der Taufe ihres Sohnes. Eine Freundin wollte "auch so eine schöne Taufkerze". "Ich hatte nur noch Wachsreste. Also habe ich mich hingesetzt und ein Mosaikmuster gemacht." Die Freundin sei begeistert gewesen.

Wenig später flatterten fünf neue Aufträge, zuerst privater Natur, ins Haus. Für die junge Mutter war's ein Segen. Damit konnte sie bei ihren zwei Kindern daheim arbeiten. "Erst kürzlich habe ich mich entschlossen, mich nur noch um das Design zu kümmern. So gut lief das", erklärt Heinrich.

Was ihr "Dawanda" mit der Schließung antue, sei nicht in Worte zu fassen. Die Waldsassenerin berichtet von besten Kundenbewertungen, Statistiken und Textmaterial im Netz, das jetzt weg sei. "Wir versuchen, es mühsam herauszukopieren. Aber das ist nicht zu schaffen." Bis 30. August bleibt ihr Zeit, dann ist "Dawanda" offline.

Alternative "Etsy" kein Vergleich

Als Alternative habe man ihr die amerikanische Verkaufsplattform "Etsy" vorgeschlagen. Kein Vergleich. "Wir verkaufen dort unsere Kerzen in Euro und kriegen die Abrechnung in Dollar. Wer soll sich da auskennen?" In welcher Größenordnung sie betroffen ist, erklären Zahlen: "Arte-Maria", so heißt das Unternehmen von Heinrich, hat als Topseller bei "Dawanda" bisher 13 388 Produkte verkauft. 1184 Abonnementen nutzen das Portal regelmäßig, 4799 gute Bewertungen sind beste Werbung für den Internetvertrieb.

Zu Heinrichs Stammkunden gehört unter anderem die Paderborner Kinderhilfe "Bonifaziuswerk". Die hochwertigen Tauf-, Kommunion- und Hochzeitskerzen finden in ganz Europa und Brasilien ihre Abnehmer. Besonders die Österreicher seien ihr sehr treu, erzählt Heinrich. "Bisher hatten wir täglich fünf bis sechs Verkäufe. Jetzt nach der Umstellung seien es nur noch drei in drei Wochen." Täglich würden Kunden anrufen, was los sei.

"Ich habe nichts falsch gemacht und stehe vor dem Aus", klagt die Waldsassenerin. Der Plattform "Etsy" sei keine Alternative. "Da findet uns niemand mehr im Netz. Wir gehen sang- und klanglos unter." Sie berichtet von höheren Nutzungsgebühren, die auch "Dawanda" in den vergangenen zwei Jahren kräftig angehoben habe. Dabei habe sie erst in ihre aufwendige Werkstatt investieren müssen.

Optimismus nicht verloren

Ihren Optimismus hat Heinrich trotzdem nicht verloren. Sie verweist auf ein Bibelzitat. Markus 9.23, sei ihr Lebensmotto, sagt sie seufzend: "Alles ist möglich, dem, der da glaubt." Sie glaube daran, dass es weitergehe, denn sie versuche erst einmal über die eigene Homepage und andere Medien, die Kunden zu halten. Am Tisch liegt ein Schutzengel, ein neues Produktdesign. Solch einen Schutzengel hat Heinrich jetzt wohl selbst am Nötigsten.

Maria Heinrichs Kerzen sind in ganz Europa begehrt. Seit einiger Zeit macht sie auch Kreuze dazu.

Das Meisterstück.

Diese Kerze hat Maria Heinrich ihrer bereits verstorbenen Großmutter gewidmet.

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