03.02.2019 - 14:30 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Einblick in kostbare Schätze

Die Zisterzienserinnen öffnen ihr Klosterarchiv. Die Aufzeichnungen und historischen Unterlagen sind wahre Schätze und nicht nur für Forscher interessant.

von Josef RosnerProfil

"Das Ziel lag uns vor Augen, aber es war ein langer Weg bis dahin", sagte Dr. Peter Pfister, der federführend die konkrete archivische Arbeit vorgenommen hatte. Dr. Pfister ist ehemaliger Direktor des Archives und der Bibliothek des Erzbistums München/Freising. Am Samstag wurde nun in Waldsassen im Rahmen eines Festaktes das Klosterarchiv geöffnet. Es kann künftig nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden. Zuständig für das Klosterarchiv ist Schwester Hanna-Maria. Erste Exemplare an Findbüchern erhielten Äbtissin Laetitia Fech, Dr. Maria Sagstetter (Staatsarchiv Amberg) sowie Bürgermeister Bernd Sommer.

Zeugnis des Glaubens

Äbtissin Laetitia Fech schilderte den Einstieg in die Neuordnung des Klosterarchivs: Nach mehrjährigen Planungen begann im vergangenen Jahr mit Dr. Peter Pfister die konkrete archivische Arbeit. Die Äbtissin machte deutlich, dass die kirchlichen Archive sehr wertvoll sind. "Wir haben Kulturgut von hoher Bedeutung. Dies beinhaltet geschichtliche Quellen und Aufzeichnungen von langer Kontinuität. Unser Archivgut ist ein Zeugnis gelebten Glaubens", versicherte die Äbtissin. Im Klosterarchiv lagerten viele wissenschaftliche Zusammenhänge von enormer Bedeutung. "Es ist ein Kulturgut von unwiederbringlichen Wert."

Das vorgefundene Archivgut wurde konservatorisch und bestandserhaltend aufbereitet und in säurefreien Archivkartons abgelegt. Alle Unterlagen sind zeitgemäß über ein Findbuch über eines der führenden Archivprogramme erschlossen. Die Äbtissin freute sich, dass das Klosterarchiv jetzt für die interessierte Bevölkerung geöffnet werden kann, allerdings nur auf Voranmeldung. Der Betrachter erkenne die enge Vernetzung des Klosters Waldsassen mit kirchlichen, staatlichen und kommunalen Behörden.

Dr. Peter Pfister, er ist seit über 37 Jahren Archivar, berichtete vom Beginn seiner Arbeit in Waldsassen bis zur Herstellung der Findbücher. Nahezu der gesamte Inhalt des Klosterarchivs wurde gesichtet und entsprechend eingeordnet. Dank galt den Schwestern des Klosters für die Unterstützung sowie den zahlreichen ehrenamtlichen Kräften. "Wer sich die Unterlagen genauestens anschaut, lernt den Alltag eines Klosters und dessen Gemeinschaft kennen."

Ausdrücklich betonte Pfister: "Wir Archivare arbeiten für die Ewigkeit." Bei der Sichtung der Unterlagen wurde kaum Schimmel gefunden. "Aber wir haben viel Staub geschluckt", sagte Dr. Peter Pfister, der auf die umfassende Verzeichnung hinwies. In einem Findbuch wurde alles zusammengetragen. Er machte deutlich, dass noch viel wissenschaftlich aufgearbeitet werden muss. Noch archiviert werden müssen die verschiedenen Einrichtungen des Klosters und deren Umfeld.

Tagebücher

Im Anschluss präsentierten Äbtissin Laetitia Fech und Dr. Peter Pfister den Gästen einige Unterlagen aus dem Klosterarchiv. Dabei waren Chroniken, Tagebücher, Schulunterlagen und viele persönliche Aufzeichnungen zu sehen. Niedergeschrieben in der Klosterchronik ist zum Beispiel ein Wunder im französischen Wallfahrtsort Lourdes oder die Einführung des elektrischen Lichts im Kloster Waldsassen im Jahr 1911. Wiedergefunden wurden Berichte aus den Jahren 1938 bis 1941, als das Kloster aufgrund der Zeit des Nationalsozialismus arg in Bedrängnis geriet, oder auch handschriftliche Aufzeichnungen über Lehrer aus dem Jahr 1950.

Aufbewahrt werden zudem Sammlungen über die vielfältige Frömmigkeit und Klosterspiritualität (geweihte Rita-Rosen und Wachsmedaillons). Zu sehen ist auch eine Landkarte, die zeigt, wie die Klöster weltweit vernetzt waren. Ein riesiger Fundus aus der Geschichte des Klosters Waldsassen.

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