23.09.2019 - 15:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Am Ende des Vortrags Schweigen und Betroffenheit

Vom Judenhass bis hin zu drei Konzentrationslagern und dem Todesmarsch an die Ostsee: Professor Alexander Fried hat all die Gräuel des Naziregimes am eigenen Leib erfahren und rief die Erlebnisse in Waldsassen in Erinnerung zurück.

Besuch von Prof. Alexander Fried an der Realschule im Stiftland. Als Zeitzeuge hat er den Schülerinnen und Schülern seine Erlebisse geschildert.
von Externer BeitragProfil

Vergangenen Donnerstag ließ er das Geschehene vor etwa 100 Schülerinnen und Schülern der Waldsassener Realschulen Revue passieren. "Ich war bestimmt mehr als 20 Mal dem Tode nahe", schildert er den Jugendlichen seinen bewegenden Lebensweg. Als Sohn zweier frommer Ostjuden und Restaurantbesitzer wuchs Nesanel Meir Abraham, so sein eigentlicher Name, in der Ukraine und später in der Slowakei auf.

Nur ein Hund der bellt

Seinen heutigen Namen Alexander verdanke er dem Hänseln seiner Mitschüler. "Der Rektor unserer Schule sagte damals zu meinem Vater, er soll mich doch einfach Alexander nennen, und so hieß ich dann." Die anfänglichen Übergriffe auf die jüdische Bevölkerung hat man mit beginnendem Nationalsozialismus noch nicht wahrhaben wollen. "Meine Mutter sagte immer, Hitler ist nur ein Hund der bellt", so Fried. Doch sie wurden eines Besseren belehrt. Fried schildert im Anschluss die Besetzung Prags, als er die Deportation vier seiner Freunde miterleben musste, welche er heute auf einem Bild in Form von vier Bäumen bei sich trägt. "Nur ich war nicht dabei, ich weiß bis heute nicht, warum", erzählt er mit erstickter Stimme. Ergreifend sind an diesem Vormittag besonders die persönlichen Details, etwa von einer Flucht, bei der Fried und sein Bruder die Mutter zurücklassen mussten, die wenig später in Auschwitz starb. Oder die Erzählungen über die Erlebnisse während seiner KZ-Aufenthalte - Hunger, Prügel, Leichenberge. "Am Ende wog ich 35 Kilo und war am Aufgeben."

Liebevolle Unterstützung

Begleitet wurde der Vortrag von Frieds Frau Dorothea, die ihren Mann während seiner Erzählungen liebevoll unterstützt und ihm immer wieder hilft, die richtigen Worte zu finden. Am Ende des 90-minütigen Vortrags herrschen Schweigen und Betroffenheit.

Bereits am Vortag haben die Zehntklässer das ehemalige KZ Flossenbürg besucht. "Durch Frieds Schilderungen wurden die dortigen Eindrücke zu lebendigen Erfahrungen - Erfahrungen, die lange nachhallen", heißt es in der Pressemitteilung der Schule.

Besuch von Prof. Alexander Fried an der Realschule im Stiftland. Als Zeitzeuge hat er den Schülerinnen und Schülern seine Erlebisse geschildert.

 

 

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