Waldsassen
04.12.2025 - 14:17 Uhr
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Fassungslosigkeit über Gewalttat in Waldsassen

In Waldsassen ist seit Donnerstag am Morgen nichts mehr so wie früher: In einem Wohnhaus in der Innenstadt kam es zu einem Tötungsdelikt.

Ein Polizeifahrzeug mit blinkendem Blaulicht, das am Vormittag an der großen Straßenkreuzung in der Innenstadt steht, lässt vermuten: Das ist kein Donnerstag wie jeder andere. Keine zwei Stunden zuvor hat ein 67-jähriger Waldsassener einen 64-Jährigen mit einer Schusswaffe getötet. Beide Männer wohnen im selben Haus – der Getötete in der Wohnung unterm Dach, der mutmaßliche Täter im Erdgeschoss.

Nach der Veröffentlichung der Mitteilung der Kripo Weiden im Onetz herrscht Fassungslosigkeit in Waldsassen: "Wie kann sowas hier in Waldsassen passieren?", hinterfragen die Leute und sind erschüttert über die Gewalttat. Den Angaben zufolge hatte am Donnerstag gegen 8 Uhr der Ältere der beiden Mieter in dem Wohnhaus den Jüngeren erschossen. Wenig später begab sich der mutmaßliche Täter laut Mitteilung selbst zur Polizeidienststelle und stellte sich dort den Beamten. Sie nahmen den Waldsassener vorläufig fest.

"Das Motiv ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen", heißt es in der Mitteilung der Kripo und der Staatsanwaltschaft. Am Ort des Geschehens weist am späten Vormittag nur mehr wenig auf die Gewalttat hin – abgesehen von einigen Einsatzkräften der Polizei, die sich vor dem Eingang des Hauses aufhalten. Auf Anfragen von Oberpfalz-Medien halten sich die Einsatzkräfte bedeckt, verweisen auf die Polizei-Pressestelle.

Anwohner bemerken nichts

Polizeibeamtinnen und -beamte mit Schutzhüllen über den Schuhen kommen aus dem Haus, gehen hinüber zum Bus der Polizei, der wenige Meter entfernt geparkt ist. Aus einem Fenster des Hauses, in dem die Tat begangen worden sein soll, schimmert Licht durch den Vorhang.

Nachbarn beschreiben im Gespräch mit Oberpfalz-Medien den mutmaßlichen Täter als eher unangenehmen Zeitgenossen. "Der war mit jedem über Kreuz", erklärt ein Mann, der nur einige Häuser weiter entfernt wohnt. Von dem Vorfall direkt habe er nichts mitbekommen. "Kurz nach 8 Uhr ging der Radau los." Von beiden Seiten seien die Polizeiautos in der Straße aufgetaucht, mit Blaulicht und Martinshorn. "Ich habe Schallschutzfenster, aber das hört man doch." Ein Rettungswagen sei nicht mehr vor Ort gewesen.

"Ich habe ihm viel zugetraut, aber dass er derartig ausflippt – das hätte ich niemals gedacht", sagt der Nachbar über den Mann einige Häuser weiter. Kontakt hatte er keinen mit ihm, sagt der Anwohner und schildert unangenehme Erinnerungen bei Begegnungen mit dem 67-Jährigen. "Der hat dich nur angeschnauzt, wenn man zu ihm etwas gesagt hat." Sein Auto, das am Fahrbahnrand geparkt war, habe ständig Ölflecken hinterlassen. Als der Nachbar ihn darauf aufmerksam gemacht habe, sei er "aufgegangen wie ein Narrischer" und ihm entgegengebrüllt: "Ich hau' dir gleich eine rein."

Gewalt vor der Haustür

Die Bewohner des Nachbarhauses direkt gegenüber beschreiben den Getöteten als friedliebenden Menschen, der eigentlich am liebsten seine Ruhe haben wollte. "Er war freundlich, ging aber nicht viel außer Haus", beschreibt die Frau von Gegenüber den Mann, der direkt unterm Dach wohnte. "Ein besonderer Fall" sei dagegen der mutmaßliche Täter: Er sei immer recht aggressiv aufgetreten und die Hemmschwelle für das Gewaltpotenzial niedrig.

"Ich war schockiert", beschreibt im Gespräch mit Oberpfalz-Medien Bürgermeister Bernd Sommer seine Gedanken, als er von der Gewalttat erfuhr: "Das kann es doch bei uns nicht geben." Waldsassens Pfarrer Dr. Thomas Vogl, der erst durch den Anruf von Oberpfalz-Medien über das Tötungsdelikt erfuhr, reagierte ebenfalls erschüttert auf die Nachricht. Täglich werde in den Medien über derartige Meldungen berichtet. "Aber um so bedrückender ist es, wenn es so nahe kommt", so der Seelsorger. "Man rechnet nicht damit, dass das auch vor der Haustür geschieht."

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