Waldsassen
05.10.2018 - 18:07 Uhr

Fast 100 Prozent an der Urne

„Da sollten sich die Erwachsenen ein Beispiel nehmen“, sagt Stephan Drexler. Der Schulleiter der Realschule im Stiftland meint damit die Wahlbeteiligung zur U18 in seiner Schule. Die Wahlbeteiligung dreier Schulen lag bei 100 Prozent.

Die Qual der Wahl beim Weg zur Wahlkabine. Bild: ubb
Die Qual der Wahl beim Weg zur Wahlkabine.

An einer Klassenzimmertür in der Realschule im Stiftland stand am Freitag der Hinweis: "Bitte Ruhe im Wahllokal". Die Bildungsstätte war eines der U 18-Wahllokale im Landkreis. Wählen duften Schüler im Alter zwischen 13 und 17 Jahren. Die U 18-Wahlen, veranstaltet vom Bundesjugendring sowie dem Kinderhilfswerk und "Demokratie leben", gibt es seit 20 Jahren. Sie sollen zeigen, dass Jugendliche durchaus eine politische Meinung haben.

In Waldsassen nahmen die Klassen 8 bis 10 aus der Mädchenrealschule, der Realschule im Stiftland und der Mittelschule teil. Schulleiter Stefan Drexler und seinen Stellvertreter, Reiner Summer, sind sehr stolz über die Ernsthaftigkeit, mit der die Schüler an die Sache herangingen. "Nur ein einziger aus der 10. Klasse wollte nicht", erzählt Summer. Dies sei in Ordnung, denn die U 18 sei freiwillig. Gewählt wurde von 9 bis 11 Uhr.

Am Nachmittag stand dann das Wahllokal interessierten Jugendlichen und Jugendgruppen zur Verfügung. Bestens logistisch organisiert wurde die U 18 im Landkreis vom den Kreisjugendring, dem Netzwerk Inklusion und die Vereinigung "Demokratie leben". Drexler und Summer bedankten sich auch bei der Stadt Waldsassen für die Bereitstellung der Wahlurnen und -kabinen, was der Stimmabgabe richtig professionell machte. Dass im Schulwahllokal alles rasch über die Bühne geht, liegt nicht allein am jugendlichen Schwung. Die Schüler mussten sich auf dem Wahlzettel lediglich für eine Partei entscheiden.

Und von wegen "null Bock auf Politik": "Alle Klassen nahmen das wichtig", berichten Drexler und Summer. Da brauchte es den Hinweis "Bitte Ruhe im Wahllokal" eigentlich gar nicht: Diszipliniert holten die Schüler ihre Stimmzettel bei Wahlhelfer Reiner Summer ab. Mitunter gab es zwar kurze Wartezeiten, weil die sechs Wahlkabinen besetzt waren. Aber ins Stocken geriet die Aktion nicht.

Auch Andreas Weiß aus der Klasse 9 GTK ging zur Wahl. Der 14-jährige Mittelschüler hatte vorher "nichts am Hut mit Politik". Die Eltern hatten übrigens keinen Einfluss auf seine Entscheidung. Mit Freunden habe er vorher aber schon diskutiert. Was Andreas gewählt hat, verrät er nicht. Top Secret! So ist es richtig in einer Demokratie. Auch die 16-jährige Sidra Silo aus dem syrischen Aleppo weiß, worum es hier geht. Draußen vor dem Wahllokal wird nun sogar ein wenig politisiert. Leon Bogner, 13-jähriger Schüler aus der Mittelschule, hat Wünsche an die Politik. Er und einige seiner Mitschüler würden gerne früher als erst mit 18 wählen dürfen. Um mitreden zu können, sagen sie.

Gewählt wurde auch in der Lebenshilfeschule Mitterteich und im Stiftland-Gymnasium. Die Wahlergebnisse werden in Bayern online gestellt. Wer dennoch interessiert ist, kann auf der Homepage des bayerischen Jugendrings nachschauen, wie die bayerische Jugend wählen würde, wenn sie schon dürfte.

"Wahlhelfer", Lehrer Reiner Summer, händigt den sehr diszipliniert anstehenden jungen leuten die Wahlzettel. Bild: ubb
"Wahlhelfer", Lehrer Reiner Summer, händigt den sehr diszipliniert anstehenden jungen leuten die Wahlzettel.
Drei Wahlurnen stehen zur Verfügung. Diesmal aber wird eigentlich nur eine benötigt, denn die jungen Leute bekommen nur einen Wahlzettel mit den jweiligen Parteien. Bild: ubb
Drei Wahlurnen stehen zur Verfügung. Diesmal aber wird eigentlich nur eine benötigt, denn die jungen Leute bekommen nur einen Wahlzettel mit den jweiligen Parteien.
Schulleiter Stephan Drexler zeigt dem Schüler Andreas Weiß (v. li.), inwelche Urne er seinen ausgefüllten Wahlzettel werfen soll. Bild: ubb
Schulleiter Stephan Drexler zeigt dem Schüler Andreas Weiß (v. li.), inwelche Urne er seinen ausgefüllten Wahlzettel werfen soll.
Die 16-jährige Schülerin Sidra Silo stammt aus Syrien. Sie darf dennoch teilnehmen, da die U18 eine fiktive Wahl ist. Sidra wählte zielstrebig eine Partei aus. Bild: ubb
Die 16-jährige Schülerin Sidra Silo stammt aus Syrien. Sie darf dennoch teilnehmen, da die U18 eine fiktive Wahl ist. Sidra wählte zielstrebig eine Partei aus.
 
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