19.11.2019 - 12:35 Uhr
WaldsassenOberpfalz

„Grenzen müssen weiter offen bleiben“

Bei der Gedenkfeier am Mahnmal für die Opfer des Eisernen Vorhangs zeigt sich, dass die gewonnene Freundschaft nicht selbstverständlich ist. Und dass es sich lohnt, um deren Erhalt zu kämpfen.

Bürgermeister Sommer (rechts) und Egers Oberbürgermeister Antonin Jalovec sprachen am Samstagvormittag am Mahnmal und gedachten der Opfer des Eisernen Vorhangs, links eine Dolmetscherin.
von Josef RosnerProfil

Waldsassens Nachbarstadt Cheb erinnerte an das Ende der kommunistischen Herrschaft in Tschechien vor 30 Jahren. Wer vor dem Fall des Eisernen Vorhangs versuchte, in den Westen zu fliehen, musste dies unter Umständen mit dem Leben bezahlen. An diese Opfer wurde am Mahnmal des Eisernen Vorhangs an der Straße zwischen Waldsassen und Cheb bei Svatý Kríž (Heiligenkreuz) mit einer Gedenkfeier erinnert. Vertreter der Nachbarstädte und -gemeinden gedachten gemeinsam der Toten und mahnten die nachfolgenden Generationen. Der Oberbürgermeister von Cheb, Antonin Jalovec, erinnerte an die Menschen, die kurz vor der damaligen bayerisch-tschechoslowakischen Grenze ums Leben kamen. "Sie wurden Opfer des kommunistischen Systems", sagte Jalovec. Seit 30 Jahren seien die Grenzen offen, freute sich der Oberbürgermeister und sprach von einem positiven Zeichen. Gleichzeitig bedauerte das Stadtoberhaupt Bestrebungen in beiden Nachbarländer, wieder mehr zu kontrollieren oder die Grenze wieder zu schließen. Jalovec nannte es traurig, dass solche Gedanken 30 Jahre nach der Grenzöffnung wieder aufkämen. Weiter bedauerte er, dass die Regierung in Prag nach dem Fall des Kommunismus jetzt wieder mit den Kommunisten gemeinsame Sache mache. "Wir müssen für die Freiheit kämpfen, wir wollen weiter in einem vereinten Europa leben. Wir dürfen es nicht zulassen, dass die Grenzen wieder geschlossen werden", sagte Jalovec abschließend. Waldsassens Bürgermeister Bernd Sommer erinnerte an seine Herfahrt von deutscher Seite aus. "Es ist ganz selbstverständlich geworden, dass wir über die Grenze fahren. Wir denken uns dabei gar nichts mehr." Sommer betonte, dass sich viele Menschen, vor allem die jüngere Generation, eine Grenze gar nicht mehr vorstellen könnten.

"Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass wir heute Freundschaft pflegen." Auch der Waldsassener Bürgermeister bedauerte den aufkommenden Nationalismus in vielen Ländern Europas. Dabei sollte der Schwerpunkt mehr auf das Gemeinsame in Europa gelegt werden. "Solche Treffen wie hier am Denkmal sind wichtig. Ich bin überzeugt, die Mehrheit aller Menschen will weiter in Freundschaft zusammenleben."

Umso mehr freute sich Sommer, dass die Gedenkstunde zum Fall des Eisernen Vorhangs gemeinsam begangen werden kann. "Wir treffen uns, sprechen miteinander und feiern gemeinsam", sagte Sommer. Der Bürgermeister wünschte sich, das öfter solche Treffen mit Menschen beider Nachbarländer möglich sind. "Wir alle wollen in Frieden zusammenleben", sprach Sommer ein "Hoch auf Europa" aus.

Oberbürgermeister Antonin Jalovec öffnete eine Flasche Sekt: Gemeinsam stießen die anwesenden Bürgermeister auf eine friedliche Zukunft mit offenen Grenzen an.

Zahlreiche Gäste und Besucher waren aus Waldsassen und Eger zum Mahnmal gekommen.
Egers Oberbürgermeister Antonin Jalovec legte am Mahnmal ein Blumengebinde nieder und gedachte der Toten, die im Kampf um Freiheit ihr Leben lassen mussten.
Die Bürgermeister (von links) Bernd Sommer (Waldsassen), Antonin Jalovec (Eger), Karin Fleischer (Schirnding) und Klaus Meyer (Neualbenreuth) stießen auf eine friedliche Zukunft mit offenen Grenzen in einem Vereinten Europa an.
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