22.03.2020 - 13:18 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Harte Zeiten für die Gastronomie

Gastwirte im Landkreis klagten bereits vor den zum Wochenende weiter verschärften Beschränkungen über Umsatzeinbußen von bis zu 100 Prozent. Umso größer ist die Hoffnung auf die angekündigte Soforthilfe vom bayerischen Staat.

Gastwirt Klaus Pirkl aus Waldsassen steht in seinem gähnend leeren Lokal. Er schätzt, dass er zwei Monate ohne Gäste durchhalten könne, länger nicht. Er hofft beim Blick auf finanzielle Hilfsmaßnahmen auf eine gerechte Behandlung aller Hotel- und Gastronomiebetriebe.
von Ulla Britta BaumerProfil

Gespenstisch leere Marktplätze und Straßencafés, verlassene Gastzimmer und verzweifelte Wirte hinter dem Ausschank: Was wie nach einem Kinothriller klingt, ist Wirklichkeit geworden. Sämtliche Gastronomen erleben eine Krise ungeahnten Ausmaßes. Die Betreiber von Gaststätten, Hotels und Cafés rechnen über Wochen mit null Einnahmen.

Seit der Verschärfung der Regelungen sind auch jene betroffen, die zumindest einen Straßenverkauf anbieten wollten - wie etwa Renzo Daros von der Eisdiele Cortino am Oberen Markt in Tirschenreuth. Er denkt noch nicht an finanzielle Konsequenzen. "Ich hoffe, dass bald alles wieder besser wird für Tirschenreuth und die ganze Welt", wünscht sich der Italiener.

Gegenüber, in der Pizzeria "Francesco", unterhält sich Gastwirtin Alexandra Pandano mit zwei Frauen. Pandano erzählt von ihrer Oma in Italien, die nicht mehr nach draußen könne. "Milano ist ein Horrorfilm." Leider seien viele Italiener in ihre Ferienhäuser in den Süden geflüchtet und hätten das Virus auch dort eingeschleppt. Über ihre eigene Situation in Tirschenreuth will sie aber nicht reden.

Klaus Pirkl vom Hotel "Zum ehemaligen Königlich-Bayerischen Forsthaus" in Waldsassen sagt, er habe seine Mitarbeiter nach Hause geschickt. Er müsse nun mit seiner Frau Stania und seinem Sohn in der Küche alleine weitermachen. Pirkl lebt vom Tourismus in der Klosterstadt. Alle Gäste hätten storniert, darunter Musiker der Kirchenkonzerte, die üblicherweise in seinem Haus übernachten. Ausflüge von Busgesellschaften, Familienfeiern, Vereinstreffen - alles sei gestrichen. Klaus Pirkl spricht von 80 Prozent Umsatzeinbußen auf einen Schlag. Zwei Monate könne er vielleicht durchhalten, mehr nicht. "Jetzt hatte ich das Glück, keinen Krieg erleben zu müssen", sagt der 68-jährige Gastwirt. "Dann so was." Es sei für ihn der absolute Tiefpunkt. Aber er werde "ruhig und besonnen" bleiben. Denn was wolle man anderes machen? Nicht äußern zu dem Thema will sich der Zweite Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) im Landkreis, Josef Kormann aus Kemnath. "Für so was habe ich jetzt keinen Nerv", sagt Kormann auf eine Anfrage von Oberpfalz-Medien. Korman vertritt die Verbandsvorsitzende Gabriele Hofmann.

Harald Bruischütz, Hoteldirektor vom Hotel Aribo in Erbendorf, lobt die Dehoga-Verbandsspitzen in Regensburg und München, von wo die Wirte bestens informiert würden und es auch Hilfestellung beim Beantragen von Fördermöglichkeiten gegeben habe. Im Hotel Aribo ist der Umsatz laut Bruischütz um 100 Prozent eingebrochen. Aber die Schutzmaßnahmen seien wichtig und richtig. Auch im Aribo-Hotel seien Stornierungen im Sekundentakt eingelaufen. "Viele Gäste sind nicht gekommen, viele haben storniert, viele sind vorzeitig abgereist." Es sei eine existenzbedrohende Situation. Im Hotel Aribo stehen 40 Betten, 6 Tagungsräume und der Wellnessbereich leer. Kurzarbeit sei nicht der Weisheit letzter Schluss, denkt Bruischütz nun an die soziale Verantwortung den 30 Mitarbeitern gegenüber.

Hotelier und Gastwirt Johann Lemberger von der "Altmugler Sonne" erzählt, dass er auch ganz persönlich gefährdet sei, denn er leide seit seiner Kindheit an Asthma. Mit 60 Prozent habe er eine gute Auslastung verzeichnet, dann hätten Anfang März die Stornierungen begonnen. "Traditionell sind Januar und Februar schwache Monate für die Gastronomie." Aber man wisse, dass es bis März reiche. "Aber jetzt ist mein Buchungsplan für März komplett leer", so Lemberger. Sein Umsatz stehe auf Null.

Der Altmugler Hotelier begrüßt die Soforthilfe für Selbstständige und Gastronomen vonseiten des bayerischen Staates, die nun unkompliziert ausgezahlt werden soll. Eine gute Hilfe wäre auch die angekündigte Bürgschaftsübernahme. Von Bankkrediten hält Lemberger nichts: "Die geben nur den großen Firmen Geld." Von einer Durststrecke sei bis Ende April auszugehen. Weil es überall so still sei, fühle es sich derzeit an wie in einem apokalyptischen Kinofilm.

Eisdielen-Besitzer Renzo Davos konnte bis vor kurzem noch auf den Straßenverkauf hoffen, doch auch das ist jetzt untersagt. Ihm bleibt die Hoffnung auf die Hauptsaison im Sommer.
Hoteldirektor Harald Bruischütz vom Hotel Aribo sorgt sich um seine 30 Mitarbeiter.
Johann Lemberger vom Hotel „Altmugler Sonne“ will die Zeit ohne Gäste nutzen, um sein Haus innen und außen auf Vordermann zu bringen. Er begrüßt die unbürokratische finanzielle Überbrückungshilfe durch den Freistaat.

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