Für Waldsassen und die umliegenden Orte ist es eine gute Nachricht: Ein neuer Allgemeinarzt bietet ab Oktober seine Dienste an. MUDr. David Karaba, der in Prag Medizin studiert hat, arbeitet schon seit 2014 in Deutschland. Oberpfalz-Medien hat mit ihm über seinen Werdegang und seine Ziele gesprochen. "Ich wollte schon als Kind Arzt werden", verrät er.
In den letzten Tagen vor der Eröffnung haben noch die Handwerker das Sagen in den Räumen einer früheren Zahnarztpraxis an der Prinz-Ludwig-Straße. Eifrig wird geschraubt und gebohrt, werden Möbel ausgepackt und Geräte angeschlossen. David Karaba, der mit seiner Frau und drei Söhnen (11 und 8 Jahre sowie ein Baby) in Cheb (Eger) wohnt, hat nur eine viertelstündige Anfahrt zu seinem neuen Arbeitsplatz. Zuletzt war er in Elternzeit, zuvor in zwei Praxen in Mitterteich angestellt.
Wurzeln auch in Bolivien
Den Schritt in die Selbstständigkeit wagt der Tscheche nach reiflicher Überlegung. Eigentlich war die Gefäßchirurgie sein Berufswunsch, blickt Karaba zurück. Diese Fachrichtung schlug er am Krankenhaus in Viechtach ein, seinem ersten Einsatzort in Bayern. "Mit dem Oberarzt konnte ich Tschechisch sprechen, mit dem Chefarzt aus Kolumbien Spanisch", sagt der 38-Jährige, der einen Teil seiner Kindheit in Bolivien im Herkunftsland seiner Mutter verbracht hat.
"Die Krankenschwestern auf der Station haben mir dann Deutsch beigebracht", berichtet er aus seiner chirurgischen Ausbildungszeit im Bayerischen Wald. Der Familiengründung in Cheb folgte dann eine heimatnähere Anstellung am Krankenhaus in Kemnath. Die Nachtdienste mit auch internistischer Verantwortung fürs ganze Haus erweiterten die Erfahrung des Chirurgen, der nach einem Jahr ans Klinikum nach Marktredwitz an die Innere Abteilung wechselte.
Facharztausbildung in Mitterteich
Bis 2019 war er dort tätig, suchte schließlich eine neue Stelle mit weniger Schichtdienstbelastung. Bei Dr. Achim Nemsow absolvierte David Karaba die Ausbildung zum Facharzt der Allgemeinmedizin. Als Hausarzt war er bis 2024 dort angestellt. Zuletzt arbeitete er in der Praxis von Jana Wiesnerova in Mitterteich. Als Vater von drei Kindern macht er sich nun in Waldsassen, noch ein Stück näher an seinem Heimatort, selbstständig.
Er sei wohl weit und breit der einzige Hausarzt mit indianischen Wurzeln, lächelt David Karaba mit Stolz auf seine Herkunft. Seine bolivianische Mutter, eine Indigene aus Oruro, und sein tschechischer Vater, der in Moskau studierte, hätten sich dort beim Schach kennengelernt, erzählt er. Dieses Hobby, das er mit seinen Eltern teilt, spielte übrigens auch eine Rolle dabei, dass der Doktor aus Tschechien in Mitterteich gelandet ist.
Beim Schachspielen mit dem damals schon pensionierten Waldsassener Arzt Dr. Manfred Müller kam über dessen Frau der Kontakt zu Dr. Wolfgang Fortelny zustande, der David Karaba prompt an seinen Kollegen Nemsow vermittelte. Das berichtet der 38-Jährige, der sich jetzt in Waldsassen selbstständig macht. "Wir wollen es Familienpraxis nennen", gibt der Mediziner die Richtung vor. Er wolle seine Patienten generationsübergreifend begleiten. "Ich bin kein Kinderarzt, aber auch Kinder sind willkommen." Im Rahmen der Möglichkeiten möchte er auch kleinere chirurgische Eingriffe mit lokaler Betäubung anbieten.
"Manchmal auch Psychologe"
"Ich dachte früher, Hausarzt ist langweilig. Aber die Leute kommen mit den vielfältigsten Problemen. Manchmal muss man auch Prediger oder Psychologe sein", sagt der 38-Jährige, der sich vor dem Medizinstudium kurz in Theologie versucht hat: "Ich wollte ein bisschen wie Albert Schweitzer werden", scherzt er. "Es hängt nicht alles mit dem Körper, sondern auch mit der Seele zusammen."
Der Arzt ist katholisch aufgewachsen, schätzt Bauwerke wie die Münchenreuther Kappl und die Waldsassener Basilika nach eigenem Bekunden sehr. "Die Landschaft ist super und Eger ist ganz nah", freut sich David Karaba auf seinen neuen Dienstort. Außerhalb von Familie und Arbeit hat er momentan wenig Zeit für Hobbys, berichtet der sprachbegeisterte Mann, der neben Tschechisch und Deutsch auch Englisch und Spanisch beherrscht. "Vielleicht lerne ich demnächst Italienisch."
Noch ein Arztsitz frei
Und wie sieht die Stadt die Neubesetzung eines Hausarztsitzes durch Dr. Karaba? "Auf dem Papier sind wir dann recht gut, wenn auch nicht voll versorgt", kommentiert Bürgermeister Bernd Sommer. Sein "Aber" folgt auf dem Fuß, denn viele Ärzte in der Region Waldsassen hätten ihre Sprechzeiten am unteren Rand des gesetzlich geforderten Minimums angesiedelt, was den tatsächlichen Versorgungsgrad der Patienten relativiere.
Und Sommer betont: "Ein Arztsitz ist noch frei." Diesen hofft er, durch entsprechendes Personal im geplanten kommunalen Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) bald besetzen zu können. Wenn alles klappt, könne man Anfang oder Mitte 2026 in Betrieb gehen, spekuliert der Bürgermeister auf ein bald noch besseres Versorgungsangebot in Waldsassen: "Wir wollen mit den Öffnungszeiten an den oberen Rand gehen."
Zur Person: MUDr. David Karaba
- Geboren: Vor 38 Jahren in Moskau, aufgewachsen in Tschechien und Bolivien
- Studium: Humanmedizin in Prag
- Fachrichtungen: Chirurgie, Allgemeinmedizin
- Familie: Frau und drei Kinder
- Hobbys: Schach, Sprachen














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