ONETZ: Wie - und seit wann - bereiten sich zwei Chöre, die über 400 Kilometer voneinander entfernt sind, auf ein gemeinsames Konzert in dieser Qualität mit Orchesterbegleitung und Solisten vor?
Andreas Sagstetter: Wie in den letzten Jahren auch studieren die beiden Chöre getrennt voneinander – nach einer kurzen Absprache – die Werke mit ihren Chorleitern ein. Am Konzertwochenende werden die mitwirkenden Ensembles (Chöre, Orchester und die Solisten) zusammengeführt, bevor am Sonntagnachmittag um 16 Uhr das Konzert beginnt.
ONETZ: Was bedeutet für Sie das gemeinsame Musizieren mit den tschechischen Nachbarn – in Zeiten, wo es in Europa und in Nahost Krieg gibt?
Andreas Sagstetter: Krieg ist etwas Schreckliches! – „War is hell!“, das hat schon der große Leonard Bernstein im Jahr 1990 bei einer Einführung vor seinem legendären Konzert in der Basilika Waldsassen auf der Orgelempore gesagt. Sein Statement war ein begeisterter Aufruf für den Frieden, der heute, ca. 30 Jahre später, nicht aktueller sein könnte! Deshalb freut es mich, dass die Musikerinnen und Musiker heute und hier in Waldsassen die Grenzen, nach Tschechien und auch nach Frankreich – Jean-Philippe Hoh, ein Sänger aus der Partnerstadt Marcoussis, der uns wiederholt im Chor unterstützt! – überwinden und in Frieden und Verbundenheit ein gemeinsames Ziel verfolgen, nämlich Kirchenmusik zur Ehre Gottes und zum Wohl der zuhörenden Menschen zu machen.
ONETZ: Warum wurden für das Konzert in diesem Jahr ausgerechnet die beiden Werke ausgewählt und durch welche Besonderheiten zeichnen sie sich aus?
Andreas Sagstetter: Das "Lauda Sion" op. 73 von Felix Mendelssohn Bartholdy habe ich deshalb ausgewählt, da dieses Werk – meiner Meinung nach zu Unrecht – ein Schattendasein innerhalb des Gesamtwerkes von Mendelssohn einnimmt. Soviel ich weiß, ist es auch noch nie in unserer Basilika erklungen. Ich finde, die Zeit dafür ist nun gekommen. Franz Schuberts "Messe in Es-Dur" ist seine letzte Vertonung einer Messe. Sie ist in seinem Todesjahr entstanden und der Meinung seines Bruders Ferdinand nach „gewiß eines seiner tiefsten und vollendetsten Werke“. Diese Komposition geht musikalisch und emotional für einen 31-jährigen Komponisten so tief. Das beeindruckt mich sehr.
ONETZ: Welche Stelle des Konzerts sollte das Publikum besonders beachten und warum?
Andreas Sagstetter: Das Ende! Am Schluss des Konzertes steht das Agnus Dei mit der großen Bitte um den Frieden: „Dona nobis pacem“! Ich glaube, gerade in diesen Tagen müssen wir es besonders eindringlich musizieren. Aber es auch gut hören und es sich zu Herzen nehmen.
ONETZ: Wenn Sie einem der beiden Komponisten eine Frage stellen könnten: Welche Frage würden Sie wem stellen?
Andreas Sagstetter: Fragen stellen? Ich würde zuerst einmal zuhören! Die Komponisten sprechen durch ihre Musik zu uns. Da bekommt man so viel Schönes „erzählt“, das sollte man zuerst einmal genießen. Vieles erklärt sich dann von selbst.
Das Herbstkonzert in der Basilika Waldsassen
- Großes Herbstkonzert am Sonntag, 5. November 2023, 16 Uhr, Basilika Waldsassen, mit Lauda Sion op 73 von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) sowie von Franz Schubert (1797–1828) Messe Es-Dur D 950
- Tradition: Bereits in der Vergangenheit engagierten sich die Waldsassener für das Große Herbstkonzert jeweils Partnerchöre, seit 2009 gibt es eine beständige Kooperation mit dem Chor Rastislav in Blansko in der Nähe von Brünn/CZ
- Ausführende: Manuela Falk (Sopran), Jana Hrochova (Alt), Tomas Cerny (Tenor I), Ottmar Andritzky (Tenor II), David Szendiuch (Bass), Chor der Basilika Waldsassen
Chor Rastislav Blansko (Einstudierung: Jaroslav Martinásek und Ondrej Tajovsky), Orchester Czech Virtuosi - Gesamtleitung: Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter
- Karten: Im Vorverkauf auf www.nt-ticket.de, unter der Tickethotline 0961/85-550 oder 09621/306-230 sowie in allen Geschäftsstellen von Oberpfalz-Medien und den NT-Ticket-Vorverkaufsstellen. Karten gibt es im Vorverkauf auf www.nt-ticket.de, unter der Tickethotline 0961/85-550 oder 09621/306-230 sowie in allen Geschäftsstellen von Oberpfalz-Medien und den NT-Ticket-Vorverkaufsstellen.




















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