Herbstkonzert unterstreicht Bedeutung der Pfarrei Waldsassen als Kirchenmusik-Leuchtturm

Waldsassen
07.11.2022 - 11:35 Uhr

Nach dem letzten Takt verharrte das Publikum einige Augenblicke in andächtiger Stille. Danach gab es langen und dankbaren Applaus für die anrührende Aufführung in der Basilika. Ein Besucher in der ersten Reihe war besonders beeindruckt.

Mit einer gelungenen und imposanten Aufführung ist am Sonntag in der Stiftsbasilika Waldsassen an die Tradition der Großen Herbstkonzerte angeknüpft worden. Der Chor der Basilika, der befreundete Partnerchor "Rastislav" aus Blansko/CZ in der Nähe von Brünn und das Orchester "Czech Virtuosi" aus Brünn musizierten unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter zuerst von Wolfgang Amadeus Mozart Exsultate, jubilate (KV 165) und das Ave verum corpus (KV 618).

Mit der Messe in C op. 86 von Ludwig van Beethoven im Anschluss sollte nachträglich der 250. Geburtstag des Komponisten gewürdigt werden. Solisten waren Jana Šrejma Kačírková (Sopran), Václava Krejčí Housková (Alt), Tomáš Kořínek (Tenor) und David Szendiuch (Bass). Die beiden Laienchöre hatten das Programm unabhängig voneinander einstudiert – der Basilikachor mit Andreas Sagstetter, der Chor "Rastislav" mit seinem Leiter Jaroslav Martinásek. Vor der Aufführung gab es lediglich zwei gemeinsame Proben – am Samstagabend in der Basilika und am Sonntagvormittag in der Aula des Klosters.

Treue Musikliebhaber

Zur ersten Veranstaltung nach einer zweijährigen durch Corona bedingten Pause war auch Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer nach Waldsassen gekommen – zum dritten Mal in diesem Jahr. "So oft bin ich in anderen Pfarreien nicht", sagte der Gast aus Regensburg nach dem Konzert gegenüber Oberpfalz-Medien: Der Bischof war bereits Ende Juni beim Open Air mit Beethovens Neunter zu Gast, außerdem Anfang August beim Heilige-Leiber-Fest in der Basilika.

Stadtpfarrer Dr. Thomas Vogl brachte zu Beginn des Konzerts seine Freude über die Treue und Verbundenheit der Musikliebhaber aus der Region zum Ausdruck: "Sie können sich nicht vorstellen, wie groß für uns die Freude ist, Sie nach zwei Jahren wieder zu einem Großen Herbstkonzert zu begrüßen." Bis auf Restplätze in den hinteren Bankreihen und bei den Seitenaltären war die Basilika ausverkauft. Den Gastchor und das Orchester sowie die Solisten aus Tschechien begrüßte der Stadtpfarrer traditionsgemäß in ihrer Heimatsprache: Den Text hatte sich Vogl von Günther Juba übersetzen lassen.

Bischof "tief erfüllt"

"Es ist ein außerordentliches Konzert gewesen", sagte Bischof Voderholzer bei einem Empfang nach dem Konzert in der Aula des Klosters. "Ich bin tief erfüllt." Glücklich über den gelungenen Neustart war auch Stadtpfarrer Dr. Thomas Vogl. "Gottseidank, dass es wieder möglich war, in dieser Form und mit diesem Genuss", so Vogl beim Empfang in Anbetracht der Einschränkungen in der Vergangenheit und sagte über das Konzert: "Das war schon bewegend."

Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien lobte Voderholzer die außerordentliche und großartige Interpretation unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter. "Das sind außerordentliche Klassiker, die hat man ja im Ohr", fand der Bischof über die bekannten Mozart-Werke. Über die Beethoven-Messe sagte der Bischof: "Sie stellt den Text und die Botschaft in den Mittelpunkt. Jedes Credo und jedes Gloria ist eine Predigt." Die Pfarrei Waldsassen mit ihrer Konzertreihe sei ein "ganz wichtiger Kontrapunkt zu Regensburg, ein sehr positiver", so der Bischof. Hier werde vorbildlich Kirchenmusik gepflegt, diese strahle aus in die ganze Region.

Sänger aus Marcoussis

Beim Empfang nach dem Konzert überreichte Stadtpfarrer Vogl Blumengebinde an Andreas Sagstetter und an Jaroslav Martinásek sowie an die Solisten. Außerdem tauschten die Verantwortlichen der beiden Chöre, die nun schon seit 2009 regelmäßig gemeinsam musizieren, "flüssige" Geschenke aus.

Neben den Gästen aus Tschechien war im großen Gemeinschaftschor – ebenfalls zum wiederholten Male – auch ein Sänger aus Marcoussis dabei, der französischen Partnerstadt Waldsassens: Jean-Philippe Hoh, den seit Jahrzehnten freundschaftliche Kontakte nach Waldsassen verbinden, reiste mit Tochter Géraldine des Konzerts wegen am Freitag aus Marcoussis an und verstärkte mit seiner Bass-Stimme den Chor.

 
 

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