Sollte sich im Sommer eine Wespe ins Kunsthaus verirren, wird diese gewiss den Namen "Josefine" - französisch ausgesprochen "Tschosefin" - bekommen. Das klingt ein klein wenig absurd, hat aber einen höchst amüsanten wie wahren Hintergrund: "Josefine" ist die Protagonistin einer Kurzgeschichte, die Irmtraud Schicker am Samstag beim "Poetischen Abend" vortrug.
Die Schriftstellerin aus Tirschenreuth war eine von fünf Frauen, die gut 50 Zuhörer bestens mit ihren Werken unterhielten. Einfühlsamkeit, Gesellschaftskritik, das ewige Thema Liebe und "tierisch unernster" Humor fesselten über zwei Stunden lang. Manches Mal so sehr, dass im Kunsthaus eine heruntergefallene Stecknadel riesigen Lärm verursacht hätte. Derart still und aufmerksam hörte das Publikum zu. Hildegard Lauth aus Wiesau, als Erste ans Lesepult gebeten, hatte unter anderem "ihrer" Kohlmeise einen Text gewidmet. Der vorwitzige Vogel kommt, um Futter zu holen, frech direkt auf die Fensterbank.
Schritt für Schritt
Die Autorin beginnt ein Zwiegespräch mit der Kohlmeise. Doch die Moral von der Geschicht' betrifft den Menschen: "Schritt für Schritt" laufe der Alltag ab. Und das, so sagt es die weise Kohlmeise, sei eben "der Sinn des Lebens". Wie banal und unaufgeregt das auch klingen mag.
Vorurteile überwinden war die Botschaft in einer Geschichte über die beste Freundin Lisa, die plötzlich psychisch schwer erkrankt ist. "Tierisch" lustig wurde es, als Irmtraud Schicker von besagter Wespe erzählte. Josefine war ein zahmes Insekt, das in einem kleinen Laden im Saarland, an der Grenze zu Frankreich, von der Ladenbesitzerin geduldet wurde. Sie löst einen angeregten Diskurs über "Sein oder Nichtsein" einer Wespe im Süßigkeitenregal eines Ladens aus. Bis die arme Josefine am Ende mit einem Croissant in eine Tüte der Erzählerin gerät. Bevor diese die Wespe zurückbringen kann in den Laden, entwischt Josefine aus dem Autofenster. Draußen ist es bitterkalt. Aus die Maus für Josefine, die herzlich belacht wurde. Jetzt durfte sich das Publikum ein weiteres Mal ausruhen vom Zuhören, mit selbstgemachter Musik der beiden Musiker Werner Müller und Wolfgang Kunz.
Als Dritte im Bunde las die Tirschenreutherin Gudrun Müller aus ihrem Buch "Maggies Schatz" vor. Gut 15 Minuten lauschte das Publikum der urigen Begegnung von Maggie aus München und Hulda, einer schrulligen alten Frau im Mittelalterpark Bärnau. Als "Schamanentrank" hat sogar der Zoigl eine wichtige Rolle in Müllers Novelle.
Weiter ging es nach der Pause mit etwas "schwerer" Kost in Form von Lyrik. Für Nachwuchs-Autorin Julia Birkner aus Tirschenreuth war dies eine Premiere. Erstmals las die 22-Jährige Gedichte vor, mit Bravour. Birkners Zeilen über den Klimawandel, ein Lächeln am Morgen oder eine gescheiterte Liebe wurden mit anerkennendem Applaus belohnt.
Comeback in Abständen
Mit vorgelesenen Gedichten und Texten einiger Waldsassener Kunsthaus-Mitglieder, die extra zu den Gemälden der Tirschenreuther Künstler geschrieben worden sind, sowie einigen Werken von Ulla Britta Baumer endete der "Poetische Abend". Dem Publikum hat's gut gefallen, Fördervereins-Vorsitzender Wolfgang Horn und Markus Braun überreichten begeistert kleine Geschenke. Und die Autorinnen versprachen ein Comeback in passenden Abständen.
Noch nicht zu Ende ist die Kunstausstellung, in deren Rahmen der Poetenabend stattgefunden hat. Sie kann bis 3. März (Finissage mit Kaffee und Kuchen) jeweils am Samstag und Sonntag von 15 bis 18 Uhr besichtigt werden.















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