06.01.2019 - 11:26 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Kachelofen des Bildhauers Willy Russ bleibt in Eger

Der einzigartige Kachelofen des Bildhauers Willy Russ, mit seinen Darstellungen über die Zeit, als noch Deutsche im Egerland wohnten, befindet sich seit 1982 in Cheb (Eger). Trotz einer Klage bleibt das weiterhin so.

Der einzigartige Kachelofen des Bildhauers Willy Russ bleibt in der Egerer Burg.
von Autor GJBProfil

Mit juristischen Mitteln wollte die Stadt Loket (Elbogen) die Rückgabe des Kunstwerkes, das sich von 1943 bis 1982 dort befunden hatte, erzwingen. "Das Bezirksgericht von Karlovy Vary (Karlsbad) hat nach fast zwei Jahren die Klage der Stadt Loket verworfen", berichtete kürzlich die Zeitung "DNES".

Das Gericht entschied, dass der volkskundliche Kachelofen dem Egerer Museum gehört. Der Vorsitzende des Bezirksgerichts, Oldřich Umlauf, führte an, dass der Besitzanspruch von Loket nicht überzeugend ist und entschied: "Aus der erstellten Argumentation ging nicht hervor, dass der Ankläger objektiv am 31. Dezember 1949 Eigentümer geworden wäre."

1938 wurde der Kachelofen für eine volkskundliche Ausstellung des Egerer Museums bei dem Bildhauer Willy Russ in Auftrag gegeben. Als das Kunstwerk 1943 fertiggestellt war, konnte es aber nicht gleich nach Eger ausgeliefert werden, da der Transport wegen des Zweiten Weltkriegs als zu gefährlich erschien. Stattdessen wurde der Kachelofen aus der Werkstatt in Schönfeld (Krásno nad Teplou) in die nahe gelegene Burg Elbogen gebracht, um ihn hier vor den Bombardierungen zu schützen.

Nach dem Krieg baute man den Kachelofen im Elbogener Porzellanmuseum auf. Er ist ein außergewöhnliches Kunstwerk und auch ein geschichtliches Dokument über die deutsche Vergangenheit des Egerlandes. Deshalb bezeichneten ihn die kommunistischen Machthaber 1965 als "ideologisch unerträglich" - und man verbannte ihn in den Keller. Das Egerer Museum (Chebské Muzeum) konnte ihn von dort im Jahre 1982 an seinen Bestimmungsort bringen. 1995 wurde der Kachelofen in der Egerer Burg aufgebaut.

Der Rechtsanwalt von Loket, Petr Kiss, hatte den Besitzanspruch vor allem damit begründet, dass der Kachelofen bis1982 zum Inventar der staatlichen Burg gehörte, in die er in den Jahren 1945 bis 1949 gelangte. Beata Burianová, Vertreterin des Bezirks Karlovy Vary, lehnte aber alle seine Begründungen ab: "Ich meine, dass der Eigentumsanspruch von Loket nicht nachgewiesen wurde." Die Stadt Loket hat die Gerichtskosten zu übernehmen. Nach Bürgermeister Petr Adamec wird sich der Stadtrat mit diesem Urteil befassen. Erst dort fällt die Entscheidung, ob dagegen Berufung eingelegt wird. Der Wert des außergewöhnlichen Kachelofens wird auf 5,5 Millionen Kronen (rund 220.000 Euro) geschätzt. Er ist 3 Meter breit, 1,5 Meter tief und 3 Meter hoch.

Auf dem liebevoll gestalteten Kunstwerk sind 76 Stadt- und Gemeindewappen des Egerlandes zu finden. Besonders beeindruckend sind die Reliefdarstellungen von Volksbräuchen. Außerdem sind darauf 63 Egerländer Volkssprüche und Redensarten zu lesen. Einer davon lautet: "Bessa schlicht'n wöi richt'n." (Besser schlichten, als richten.)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.