18.11.2018 - 11:42 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Kain und Abel aus der Oberpfalz

Gänsehaut in der Stadtbücherei Waldsassen: Krimiautor Thomas Bäumler beschreibt in seinem neuen Buch einen Mord derart detailliert, dass sich der Leser fühlt, als sei er selbst dabei.

Die Plastikschürzen und die Stiefel sollen die Spannung steigern: So lautet die schmunzelnde Erklärung von Thomas Bäumler (vorne, dahinter Wolfgang Herzer) zur etwas ungewöhnlichen Kleidung während der Lesung.
von Ulla Britta BaumerProfil

Sind Kain und Abel wie du und ich? Diese Frage stellt sich der Zuhörer mehrmals, wenn er dem Krimibuchautor Thomas Bäumler lauscht. Der Neustädter Frauenarzt, der in seiner Freizeit mit der Feder "mordet", stellt am Freitagabend in der Stadtbücherei seinen vierten Krimi "Kain. Abel. Oberpfalz." vor.

"Gertis 4. Fall" ist äußerst mysteriös und lässt zwischen den 1940er-Jahren und der Jetzt-Zeit keine historische Lücke offen. Dabei stellt sich die Zuhörer die zweite Frage, wie es Bäumler schafft, zum vierten Mal hintereinander jedes Jahr ein Buch zu schreiben. Wie auch immer er das bewerkstelligen mag, jedes neue Werk ist eine Freude für seine Fangemeinde, die er von Anfang an für sich gewonnen hat.

Verstärkung im Schlepptau

"Kain. Abel. Oberpfalz." füllt 228 Seiten und setzt sich im Hochformat von den ersten drei Veröffentlichungen deutlich ab. Auch an schriftstellerischer Qualität hat das neue Werk erheblich dazugewonnen. Der Neustädter Autor wagt sich diesmal an Gedankensprünge im chronologischen Ablauf und lässt die Protagonisten zweigleisig agieren, was dem Zuhörer viel Aufmerksamkeit abverlangt. Um es seinem Publikum leichter zu machen bei dieser, wie auf dem Cover des Buchs steht, "nicht leichten Kost", hat sich Bäumler für die Lesung in der Bücherei Verstärkung mitgebracht.

Die Rolle des Mörders liest Wolfgang Herzer aus Weiden. Herzer ist Künstler und hat eine außergewöhnliche Vorlesestimme. Wie ein Psychopath erzählt er mit monotonem Tonfall ohne jegliche emotionale Regungen einen derart detaillierten Mord inklusive der nachfolgenden "Entsorgung" der Leiche, dass sich der Zuhörer direkt im Geschehen "wiederfindet". Schaurig-schönes Gruselkabinett am Freitagabend.

Scheußliche Sache

Während diese grausame Sache über die (Vorlese-)Bühne geht, erklärt der Mörder ausführlich, warum er töten musste. Seine Beweggründe für einen Brudermord klingen plausibel, so dass man beinahe Partei für ihn ergreifen möchte. Sind Mordgedanken nicht alltäglich? Und Eberhard ist aber auch wirklich ein Ekel von Kindesbeinen an. Er mobbt und quält den Bruder, bis dieser nur noch morden kann.

Wie aber ist es dazu gekommen? Diesen Part übernimmt der Autor selbst. Bäumler beginnt mit der Gegenwart. Journalistin Gerti Zimmermann soll über einen Leichenfund im Süßenloher Weiher bei Altenstadt an der Waldnaab berichten. Eine scheußliche Angelegenheit, denn es handelt sich um einen verwesten Menschenkopf in einer Tüte. Danach kommt die Hauptprotagonistin Gerti nicht mehr zum Zug, außer dass sie jetzt für den "Oberpfälzer Heimatspiegel" schreibt. Bäumler lässt ihre Rolle im Mord diesmal außen vor und geht lieber zurück bis in die 1940er-Jahre, wo eine Hochzeit gefeiert wird. Wenig später wird Eberhard unter großen Schmerzen geboren. Details dazu sollten einem Frauenarzt nicht schwer fallen.

Schmerzreich ist die Geburt aber auch für den Hausherrn, denn Eberhard ist nicht sein Kind. Gertis 4. Fall ist ungemein ausgefuchst und bedient mehrere historische wie menschliche Ebenen gleichermaßen. Das Besondere: Nicht alles dreht sich um den Mord. Bäumler hat ein Familiendrama geschrieben, das bis in die Gegenwart reicht, den Widerstand gegen die WAA Wackersdorf einbezieht, ganz klassisch wie in alten Heimatromanen eine deftige Wirtshausrauferei beschreibt und vieles mehr. Es ist alles drin im Oberpfalzkrimi "Kain. Abel. Oberpfalz.", was sich ein Krimifreund an Spannung wünschen kann.

Die Zuhörer in der Stadtbücherei sind sehr zufrieden mit der Lesung von Thomas Bäumler und Wolfgang Herzer. Einige sind sogar traurig über das Ende und sagen, sie hätten gerne länger zugehört. Dafür wird bei der Autogrammstunde gerne zugegriffen, um des Dramas Schluss daheim selbst fertiglesen zu können. Weil das vorherige Buch "Liebe, Tod und Zoigl" in einer Auflage von 1500 Exemplaren vergriffen ist, hat Bäumler diesmal die Auflage auf 2000 Stück gesteigert. "Kain. Abel. Oberpfalz." ist im Verlag "Rauch & Feuer" erschienen und über die ISBN 978-3-9818725-1-4 im Buchhandel und im Internet erhältlich.

Nach der Lesung ließen sich die Fans Bäumlers Bücher signieren.

Die Zuhörer lauschten sehr aufmerksam und gespannt den Auszügen aus dem neuen Buch "Kain.Abel. Oberpfalz."

Krimistunde in der Bücherei: Zahlreiche Zuhörer sind der Einladung von Krimiautor Thomas Bäumler (vorne rechts mit Wolfgang Herzer) zur Vorstellung seines neuen Buches gefolgt.

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