Als der Verein Kunsthaus Waldsassen zur ersten Vernissage einlud, war das Kunsthaus noch Baustelle: Die Gemälde hingen auf rohen Wänden, die Stühle der Gäste waren auf blankem, grauem Betonfußboden aufgereiht. Niemand wusste zu diesem Zeitpunkt, was "Kunsthaus" überhaupt sein soll und was darauf wird. 2018 stellen 28 Künstler der etwa 100 kreativen Mitglieder in einem kleinen, feinen Domizil aus, das weit über die Grenzen des Stiftlands bis Hamburg, Norwegen oder London hoch gelobt wird.
Von dort nämlich kommen Künstler und Musiker, die vom Konzept und der Philosophie des Kunsthauses ebenso begeistert sind wie von der Architektur. Bis nach Weiden und sogar München hat sich das herumgesprochen. Nur schade, dass die Kunstausstellung von den Stiftländern selbst fast ein wenig zu wenig beachtet werden. Das kann nur daran liegen, dass sich die Landkreisbewohner nicht als Kunstkenner sehen.
Dabei ist eine Annäherung an die schönen Künste immer und zu jedem Zeitpunkt eine Bereicherung. Allein schon die Bandbreite der Darstellungsformen hält offen, was gefällt und nicht. Denn so ist das mit der Kunst: Sie darf, soll sogar kritisch betrachtet werden und hält durchaus ein "Nein, das gefällt mir nicht" aus. Mit der jüngsten Ausstellung, die bis 17. Juni gezeigt wird, ist diese Bandbreite und Kreativität besonders eindrucksvoll dargestellt. Gezeigt werden Gemälde in Acryl, Bleistift oder Öl ebenso wie Skulpturen aus Holz oder Metall. Fotografien ergänzen die Vielfalt ebenso wie Schiefer-Glas-Kunst und anderes. Nicht weniger kreativ ist die Vielfalt unter den Ausstellern selbst. Sie sind im Alter von 18 bis 72 Jahren, einige frönen ihrem Hobby während der Freizeit. Es sind aber auch hochdotierte Meister wie Jeff Beer, Tom Brankovic oder Jeff Beer darunter. Sie haben die Kunst zu ihrem Lebensziel gewählt, als ihre einzig möglich Daseinsform.
Das setzt keineswegs Unterschiede, höchstens Akzente: Jedes einzelne Exponat gibt intimsten Einblick in die Emotionen eines Menschen, der sein Werk geschaffen hat aus einer Laune heraus, aufgrund einer schwierigen oder schönen Stimmungslage oder weil wieder einmal der Freigeist in ihm durchbricht, der ihm auf Papier, Leinwand und anderem Material seine individuelle Ausdrucksweise "aufzwingt". Die sehenswerte, weil reichhaltige Ausstellung kann jeweils sonntags von 15 bis 18 Uhr besichtigt werden.
Die Aussteller
Inge Posorski, Regina Zrenner, Carsten Dick, Levi Dick, Inge Dick, Moses Dick, Siegbert Bauer, Hans-Günther Pietschmann, Tom Brankovic, Sarah Weise, Anita Seitz, Verena Rothaler, Margret Seer, Jürgen Klein, Robin Seur, Thomas Sporrer, Walter J. Pilsak, Horst Setzer, Christine Böhm, Robert Christ, Monika Dillenkofer, Herbert Schlittenbauer, Hans-Georg Schulze, Anton Eichinger, Dominik Franke, Werner Müller, Wolfgang Horn und Gabi Neppl.






















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