28.06.2019 - 18:12 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Krankenhaus Waldsassen: Ende der akutstationären Versorgung

Für Waldsassen und die Region ist es ein harter Einschnitt: Die akutstationäre Versorgung in der Klosterstadt ist Geschichte.

Ab Montag gibt es am Gesundheitszentrum Waldsassen keinen akutstationären Bereich mehr. Die Türen des Standorts werden aber nicht geschlossen, denn die Orthopädische Rehabilitation bleibt erhalten. Das betonen Krankenhausleiterin Claudia Kost (links) und Michaela Helm, Pflegerische Zentrumsleitung.
von Martin Maier Kontakt Profil

Offiziell legt die Kliniken Nordoberpfalz AG den akutstationären Bereich in Waldsassen am Montag, 1. Juli, still. Allerdings wurden schon seit Mittwoch keine neuen Patienten mehr aufgenommen. Am Freitag waren noch 5 Patienten auf der 45-Betten-Station. "Die werden heute noch entlassen oder auf ein anderes Haus verlegt", erklärt Krankenhausleiterin Claudia Kost. Bis einschließlich Sonntag gibt es noch eine Notbesetzung.

Keine Notfallversorgung

"Ab Montag ist in Waldsassen keine Notfallversorgung mehr möglich", macht Kost deutlich. Patienten aus dem Einzugsgebiet der Klosterstadt würden künftig akutstationär schwerpunktmäßig im Krankenhaus Tirschenreuth oder anderen Einrichtungen der Kliniken Nordoberpfalz AG versorgt. Ganz wichtig ist Kost der Hinweis, "dass das Gesundheitszentrum Waldsassen nicht geschlossen ist. Es gibt weiterhin die Orthopädische Rehabilitation". Auch bleibt das Mammografie-Screening.

Betroffen von den Veränderungen sind über 40 Mitarbeiter. "Alle bleiben bei der Kliniken AG. Es war uns sehr wichtig, dass wir keinen verlieren", freut sich Kost. Ihre Kollegin Michaela Helm, Pflegerische Zentrumsleitung, verweist darauf, dass das etwa 20-köpfige Pflegepersonal komplett nach Tirschenreuth wechselt und größtenteils in seinen eingespielten Teams weiter zusammenarbeitet. "Das war ein Wunsch der Mitarbeiter, und es ist uns bei fast jedem gelungen", erklärt Kost. Alle Anliegen der über 40 Mitarbeiter seien zu 100 Prozent erfüllt worden.

Die Krankenhausleiterin gibt aber zu, dass es Tränen gegeben hat. Allerdings hätten alle sehr konstruktiv nach passenden Lösungen gesucht. "Uns war wichtig, den Mitarbeitern entgegenzukommen. Ein Großteil ist schon seit Jahrzehnten dabei", erklärt Helm, die seit 1989 in Waldsassen tätig ist.

Leitender Arzt MUDr. Josef Pova ist zukünftig auch in der Kreisstadt als Leitender Oberarzt der Inneren Medizin aktiv. "Unsere Patienten haben somit auch in Tirschenreuth weiterhin ihre gewohnten Ansprechpartner", fasst Kost zusammen. Sie macht zudem darauf aufmerksam, dass Pova eine Weiterbildung im Bereich Geriatrie absolviert. Denn die Verantwortlichen wollen die Akutgeriatrie in Tirschenreuth ausbauen. "Dieses Thema ist bei uns in der Region noch nicht abgebildet", weiß die Krankenhausleiterin.

"Haus ist nicht tot"

Die bisherigen Belegabteilungen für Gynäkologie und Orthopädie befinden sich nun auch in der Kreisstadt. Die OP-Säle in Waldsassen wurden schon seit April nicht mehr genutzt. Sie werden aber nicht zurückgebaut. Abgebaut und nicht mehr betrieben wird aber das CT-Gerät.

Ziel ist, dass in Waldsassen anstatt des akutstationären Bereichs ein Intersektorales Gesundheitszentrum (IGZ) entsteht (Hintergrund). Einen konkreten Zeitplan gibt es laut Kost dafür aber noch nicht. "Da ist viel in Arbeit. Es laufen sehr viele Gespräche." Parallel gebe es Bemühungen, niedergelassene Ärzte zu gewinnen, die ihre Praxen in das Gesundheitszentrum verlegen. "Wir sind bestrebt, auch Fach- und Hausärzte zu uns ins Haus zu holen. Die entsprechenden Räumlichkeiten können wir anbieten beziehungsweise umbauen." Zudem werde geprüft, die Orthopädische Rehabilitation mit ihren 50 Betten auszubauen. "Das Haus in Waldsassen ist nicht tot", stellt Kost klar.

Hintergrund:

Intersektorales Gesundheitszentrum

Die Kliniken Nordoberpfalz AG hatte im Februar beschlossen, die akutstationäre Versorgung am Gesundheitszentrum Waldsassen stillzulegen. Als Gründe gaben die Verantwortlichen immer wieder finanzielle und personelle Engpässe sowie die politischen Rahmenbedingungen an. Zukünftig soll in Waldsassen ein Intersektorales Gesundheitszentrum (IGZ) mit bis zu 20 Betten entstehen. Dies ist eine Versorgungsform, die von der Uni Bayreuth mit der kassenärztlichen Vereinigung und der Beraterfirma Oberender entwickelt wurde.

Unter IGZ verstehen Experten ein ambulantes Zentrum mit Allgemeinmedizinern und einer erweiterten ambulanten Versorgung. Patienten mit Krankheitsbildern, die nicht zwangsläufig einen stationären Aufenthalt benötigen, können damit für wenige Tage im Haus übernachten und werden pflegerisch betreut. Dies trifft laut Josef Götz, Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz AG, auf bis zu 70 Prozent der bisher in Waldsassen behandelten Patienten zu. Derzeit würden in enger Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege sowie den Kostenträgern verschiedene Umsetzungsszenarien geprüft. Bisher fehle noch die juristische Grundlage für dieses Modell, das es so in Deutschland noch nicht gebe.

„Wir haben positive Signale, die darauf hindeuten, dass sich eine für alle Parteien rechtssichere Lösung finden lässt“, erklärt Götz. Eine Einigung sei jedoch noch nicht erzielt, so dass ein Restrisiko bestehe, dass die Realisierung noch scheitern könne. (rti)

Im Februar fällt der Aufsichtsrat die Entscheidung, dass es am Standort Waldsassen künftig keine akutstationäre Abteilung mehr geben wird.

Waldsassen

Gutachten zum Intersektoralen Gesundheitszentrum.

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