26.04.2020 - 16:19 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Kunst geht auf die Straße

Das Kunsthaus ist geschlossen, Kultur findet nicht mehr statt. Das wollen die Mitglieder von "Kunsthaus Waldsassen e. V." nicht länger einfach hinnehmen - und gehen sie neue Wege.

Vorhang auf für die neu erschaffene Kunstszene während der Coronakrise: Inge, Carsten, Levi und Moses Dick (von links) sind die ersten, die ihre Werke in „der kleinen Ausstellung“ im KuWa-Schaufenster präsentieren. Eine Premiere aus der Not heraus, die vielleicht in Zukunft zur wieder normal gezeigten Kunst Schule macht
von Ulla Britta BaumerProfil

Die Coronakrise hat die Künstlergilde aus der Klosterstadt schwer getroffen. Die Stadt musste das kleine, aber feine Kulturzentrum vorübergehend "stilllegen". Jeder hatte Verständnis, aber in den Künstlerherzen brodelt die Kreativität ungestillt weiter. Anlass genug für Pressesprecherin Ulla Britta Baumer, aus der Not eine Tugend zu machen und die Idee von Fotograf und Mitglied Jürgen Klein zu einer bunten Fotocollage im KuWa-Fenster fortzuführen.

Kunst im Schaufenster

"Kunst geht auf die Straße" lautet der Titel für "die kleine Ausstellung", die im zweiwöchigen Rhythmus im Schaufenster von unterschiedlichen Künstlern gezeigt wird. Damit will der Verein darauf aufmerksam machen, dass Kunst auch noch da ist und die Künstler können sich trotz Ausstellungsverbot im kleinen Stil dennoch der Öffentlichkeit präsentieren.

Den Auftakt von "Kunst geht auf die Straße" macht die Familie Dick aus Mitterteich. Carsten, Inge, Levi und Moses Dick hatten kurz vor Corona im Porzellanmuseum Mitterteich eine große Ausstellung. Leider kann diese nicht mehr besichtigt werden, da Museen auch geschlossen sind. Acht Werke aus der Dick-Präsentation in Mitterteich werden nun im KuWa-Schaufenster in der Kunstgasse 1 in Waldsassen gezeigt. Inge Dick (48), Leiterin der Grundschule, studierte Kunst als Nebenfach studiert und zeigt ihre sehr emotionalen Werke seit vielen Jahren, allein oder mit ihrem Mann Carsten in Einzel- oder Gemeinschaftsausstellungen. Carsten Dick (49) ist Einrichtungsberater im Möbelhaus Gleißner und hat sich an der FOS sowie am Institut für Kunst und Design in Neustadt a. D. Waldnaab fortgebildet. Er möchte sich nicht festlegen in der Umsetzung seiner Techniken. Carsten Dick arbeitet mit nahezu allen verfügbaren Materialen. Die Söhne Moses und Levi sind in die Fußstapfen ihrer Eltern gestiegen. Moses Dick (21) widmet sich vornehmlich dem Naturmaterial Holz, entsprechend eindrucksvoll bearbeitet er Skulpturen. Levi Dick (20) widmet sich dem Zeichnen und Malen sowie der Fotografie. Er studiert an der Fachoberschule für Produktdesign Selb.

Die Mitglieder der Künstlerfamilie Dick sind die ersten, die im "KuWa-Schaufenster" ausstellen. Inge, Carsten, Levi und Moses Dick machten sich viele Gedanken zu dieser Premiere, die sie den Gedanken zur Coronakrisen widmen. "Skull" heißt das Werk von Levi Dick. "Der Tod begleitet uns in Zeiten von Corona noch bewusster. Dieses schreckliche Virus löscht weltweit viele Leben aus und sucht gerade unsere Region intensiv heim" sagt der junge Künstler. Er möchte mit seinen Arbeiten an die Opfer des Virus und deren Familien erinnern. "Give me hope" wünscht sich Inge Dick in einer ihrer Darstellung. Sie sagt, diese schweren Zeiten benötigen Hoffnung auf Heilung, auf einen Impfstoff und Kraft allgemein. "Die augenblickliche Krise schärft unser Bewusstsein über die Vergänglichkeit des Daseins", lautet Carsten Dicks Botschaft im Werk "Vergänglichkeit".

Mit "War" überschrieben ist ein weiteres Gemälde von Inge Dick, die das Virus als unsichtbaren Feind bezeichnet, gegen den die Menschen nun Krieg führen. Sie mahnt, sich gegenseitig zu schützen und die Maßnahmen ernst zu nehmen.

Anerkennung für Helfer

"Ohne Titel" will Moses Dick mit einer Skulptur den helfenden Helden der Coronakrise seine Anerkennung zollen. Mit "Streben nach mehr" mahnt der junge Künstler, dass das Leben selbst das wichtigste sei, was man nicht kaufen könne. "Lernen wir wieder, der Schöpfung und dem Leben mit mehr Demut zu begegnen", hofft Inge Dick unter anderem im Beitrag "Versuchung". Die Künstlerfamilie zeigt bis 8. Mai im KuWa-Schaufenster insgesamt acht Werke. Infos dazu gibt es auf der Homepage des Kunsthauses.

Carsten, Levi, Moses und Inge Dick dürfen kurzzeitig ins Kunsthaus, um ihre Ausstellung im Schaufenster aufzubauen. Die Familie muss auch nicht auf Abstand achten, denn alle vier leben in einem Haushalt miteinander.
Eindrucksvoll hat die Künstlerfamilie Dick ihre acht Kunstwerke im Schaufenster plaziert. Die Dicks wollen damit auf künstlerische Weise das Thema Weltkrise wegen Coronavirus aufarbeiten und damit Anregungen zum Nachdenken und Innehalten geben.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.