20.08.2018 - 14:42 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Mit der Lehmbauplatte auf Kurs

Kommunalpolitiker besichtigen die Hart Keramik AG in Schirnding. Dabei interessiert sie besonders die Produktion der neuen Lehmbauplatte.

Anton W. und Elisabeth Hart, Karl Döhler, Sebastian und Lea Hart mit Marlien, Martin Schöffel und Karin Fleischer (von links) in der Produktionshalle der Lehmbauplatte.

(fppp) Mit der Produktion von Steinzeugflaschen für den Versand von Mineralwasser fing die Unternehmergeschichte der Familie Hart vor rund 300 Jahren im Egerer Land an. Mit Ziegeln, Schornsteinrohren und vielen weiteren Produkten für die Bauindustrie wuchs das Unternehmen stark. Ursprünglich im böhmischen Kinsberg beheimatet, konnte Anton J. Hart nach der Enteignung und Vertreibung 1945 dann in Waldsassen Fuß fassen. Die Ziegelwerke Waldsassen AG wurde zum Ausgangspunkt der jüngeren Erfolgsgeschichte.

Über diese lange Zeit, so sagte der jetzige Vorstandsvorsitzende und Gesellschafter der Hart Keramik AG, Anton W. Hart, bei seiner Begrüßung, stellten sich immer wieder die gleichen Fragen: Welche alten Zöpfe müssen wir abschneiden? Und was machen wir künftig? So auch im Jahr 2010: Hart entschied sich, die Produktion komplett in Schirnding zu konzentrieren und das Werk in Waldsassen zu schließen. Die Regierung von Oberfranken, das Landratsamt Wunsiedel und die Marktgemeinde Schirnding haben die Erweiterung begleitet. Seitdem treffen sich Landtagsabgeordneter Martin Schöffel, Landrat Karl Döhler und Bürgermeisterin Karin Fleischer alle zwei bis drei Jahre mit der Unternehmensleitung, um sich über die aktuelle Entwicklung der Keramikwerke zu informieren.

In den vergangenen Jahren gab es zwei große Investitionen. Zum einen wurde eine automatische Formgebungsanlage für Kaminrohre errichtet. Zum anderen wurde die Fertigung der neuen Lehmbauplatte auf eine industrielle Produktion umgestellt. Dafür wurden insgesamt knapp vier Millionen Euro investiert. Mit der Lehmbauplatte soll eine für das Unternehmen neue ökologische Nische erobert werden. Es war sehr aufwendig, die passende Materialmischung hinzubekommen und die notwendige Temperatur und Zeit für die Trocknung herauszufinden. Und um alle Prüfungen für die "natureplus"-Zertifizierung vorzubereiten und zu bestehen, war Lea Hart ein halbes Jahr lang beschäftigt, war beim Besuch der Lokalpolitiker zu erfahren.

Auch wenn das Unternehmen mittlerweile eine Aktiengesellschaft mit 125 Mitarbeitern ist, ist es im Kern doch ein Familienunternehmen geblieben: Mit Anton W. Hart und seiner Frau Elisabeth steht bereits die achte Generation in der Verantwortung. Sohn Sebastian und seine Frau Lea arbeiten ebenfalls im Unternehmen, beide sind Diplom-Ingenieure für Werkstofftechnik, Glas und Keramik. Deren fünfjährige Tochter Marlien bereicherte die Betriebsführung mit eigenen Anmerkungen und nahm liebevoll Tonmehl oder Abfallstücke der Produktion in ihre kleinen Hände: Der Fortbestand des Unternehmens in der Familie scheint also langfristig gesichert.

Um sich die Dimensionen des industriellen Betriebs besser vorstellen zu können, wurden zwei Beispiele genannt: Das Betriebsgelände in Schirnding nimmt eine Fläche von 40 Hektar ein, das entspricht rund 50 Fußballplätzen. Der Tunnelofen für den Keramikbrand ist 120 Meter lang, hat eine Betriebstemperatur von 1160 Grad Celsius und die Keramikrohre werden ungefähr 30 Stunden lang gebrannt.

Die Besucher waren jedenfalls von den Ausmaßen der Werke und den Zukunftsaussichten des Unternehmens beeindruckt. Martin Schöffel würdigte den großen Beitrag, den Anton J. Hart in den 1990er-Jahren zum Wiederaufbau der Wallfahrtskirche Maria Loreto in seiner Heimatstadt Altkinsberg geleistet hat: "Er hat damit als Heimatvertriebener viel für die Versöhnung von Deutschen und Tschechen getan."

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