Einmal über den Tellerrand schauen wollten die Mitglieder des Vereins Kunsthaus Waldsassen. Deshalb stieß der Vorschlag von Hannes Franz, die Berufsfachschule für Produktdesign in Selb zu besuchen, auf großes Interesse. Zwei Stunden nahmen sich die Dozenten Jürgen Heinl und Bernd Rößler Zeit, den 15 Waldsassenern diese außergewöhnliche Einrichtung vorzustellen.
Heinl, der hier selbst einmal Schüler gewesen ist, erzählte von der Gründung und dem Zweck der Schule, die einst Porzellanmaler und Modelleure ausgebildet hat. Heute bekommen hier Produktdesigner für die Wirtschaft, vor allem in der Autoindustrie, ihr Rüstzeug. Der in Ottengrün lebende Lehrer zeigte den Gästen eine hochmoderne Lehrstätte, wo Werkstücke über moderne Technik wie 3-D-Drucker hergestellt werden und jeder Schüler jederzeit auch als Künstler Karriere machen könne.
Viele der Gäste wussten nicht, dass die Einrichtung mit ihrem Lehrprogramm einmalig in ganz Europa ist. "Deshalb interessieren sich viele ausländische Schüler für uns, sogar weltweit", sagte Heinl. Die Aufnahmekriterien seien streng, großes kreatives Talent sei erforderlich. Besonders spannend fanden die Künstler die Werkstätten, wo die Schüler nicht am PC, sondern noch per Handarbeit eindrucksvolle Werke nach Vorgaben oder freischaffend designen. Heinl stellte seinen Schüler, den 25-jährigen Manuel Sevilla, als hochbegabten jungen Mann vor. Seine kunstvollen Plastiken aus Gips nahmen die Kunsthaus-Mitglieder ausgiebig unter die Lupe.
Wer Vorkenntnisse mitbringe, könne die vierjährige Ausbildung um ein Jahr verkürzen, erklärte Heinl. Glücklich berichtete er, dass Ministerpräsident Markus Söder kürzlich die Genehmigung für einen Schulneubau mit einer Investitionssumme von 15 Millionen Euro vorbeigebracht habe. Heinl rechnet mit einer Planungs- und Bauzeit von fünf Jahren. Dann könne man die Schülerzahl von 200 auf 240 erhöhen und es werde eine Hochschule angegliedert. Der Schüler Sebastian Scharnagl zeigte im nächsten Werkraum die Planung und den Bau eines Bobbycars. Die 21-jährige Franziska Gretsch arbeitete an einer Plastik aus zwei Komponenten, wofür sich der Keramik-Künstler Hans-Georg Schulze aus Tirschenreuth besonders interessierte. Im oberen Stockwerk übernahm Lehrer Bernd Rößler die Führung. Den Großteil ihres Berufslebens würden die Schüler später freilich am Computer verbringen, sagte er. Er thematisierte auch die wirtschaftliche Seite und stellte Überlegungen an, wie die Selber Fachlehrwerkstätte im weltweiten Wettbewerb zukünftig bestehen könne.
Bei so vielen Neuigkeiten aus der kreativen Branche vergingen die zwei Besichtigungsstunden wie im Flug. Organisator Hannes Franz bedankte sich mit Geschenken bei den Fachdozenten. Bevor sich die Gäste verabschiedeten, lud Sebastian Scharnagl noch zum Tag der offenen Tür am 28. März ein.


















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