Eine Sternstunde der Orgelmusik erlebte das Publikum des Konzertes am Sonntag in der Basilika Waldsassen. Mit Professor Wolfgang Seifen aus Kevelaer agierte am Orgelspieltisch vorm Volksaltar ein außergewöhnlicher Künstler. Er gilt in Fachkreisen als Kapazität der Improvisationskunst, was die Zuhörenden live erleben durften. "Komponieren ohne Radiergummi" sei die Improvisation, so Pfarrer Thomas Vogl. Er wünschte den Zuhörenden die Inspiration zur hohen Lebenskunst, zur Improvisation auch im Alltag, wenn es nicht so läuft wie geplant.
Aus dem Stegreif
Ein Blatt Papier mit handgeschriebenen Notizen, daneben die Rückseite des Programms, wie es in den Kirchenbänken lag. Mehr brauchte Professor Seifen nicht, um ein über 75-minütiges Konzerterlebnis zu gestalten. Einzig die Zeit-Epochen boten Orientierung, ansonsten musizierte Wolfgang Seifen alles aus dem Stegreif.
Präludium und Fuge zum Auftakt gestaltete der Künstler im deutschen Barockstil, zwei Charakterstücke im deutsch-romantischen Stil sowie im spätromantischen Stil die symphonische Phantasie und Doppelfuge und die "Tryptique Symphonieque". Wolfgang Seifen zog in seinem Improvisationskonzert im besten Wortsinn alle Register – aber nicht auf einmal, erklärte er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. "Die Vorbereitung besteht darin, dass man versucht, die Orgel kennenzulernen." Die schwierigste Aufgabe sei es, herauszufinden, wie sich die Register zueinander verhalten.
Abwechslungsreiche Musik schenkte der Künstler dem Publikum: Klänge in getragener Stimmung, schnell und temporeich oder heiter und beschwingt im Walzertakt – passend zu einem sonnigen Frühlingstag.
Passend zu sonnigem Frühlingstag
Vollen Körpereinsatz forderten die schnellen Passagen, wenn der Künstler beide Hände über den Manualen und beide Füße über dem Basspedal tanzen ließ. Für das Publikum gab es wiederholt Überraschungsmomente – Fanfaren, Glocken oder Zimbelstern oder die wechselseitigen Einsätze der Hauptorgel und der zwei Orgeln über dem Chorgestühl.
Die Zugabe – eine Improvisation auf das Stück "Segne du Maria" – endete mit einem besonderen Effekt: Vögel, die sich in die Basilika verirrt hatten bereicherten die Orgelklänge mit ihrem Gezwitscher, das witzigerweise perfekt zur Musik passte.



















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