11.02.2019 - 18:01 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Rehaklinik und Ambulanz-Zentrum

Landrat Wolfgang Lippert formuliert es salopp. "Der Schüssel wird nicht umgedreht", erklärt der Aufsichtsratsvorsitzende der Kliniken Nordoberpfalz AG, dass das Haus "nicht zugesperrt wird". Veränderungen gibt es aber.

Die Kliniken AG Nordoberpfalz hält am Standort Waldsassen fest. Allerdings wird es an der Egerer Straße künftig keine akutstationäre Abteilung mehr geben.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Am Standort Waldsassen wird es künftig keine akutstationäre Abteilung mehr geben. Dafür wird das Haus umgewandelt zum "Intersektoralen Gesundheitszentrum" (IGZ). "Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben", erklärte Josef Götz, Vorstandsvorsitzender der Kliniken AG - auch in Anbetracht der Ängste des Personals im Vorfeld. "Wir wollen alle Mitarbeiter im Unternehmen halten." Die Entwicklung sei ausschließlich den politischen Rahmenbedingungen geschuldet und habe nichts mit den Leistungen der Beschäftigten vor Ort zu tun.

Zusammen mit den Vertretern des Aufsichtsrats - Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, Tirschenreuths Landrat Wolfgang Lippert und dem Neustädter Landrat Andreas Meier - präsentierte Götz am Montag im Klinikum das Ergebnis der Klausurtagung am Wochenende. Die Mitarbeiter waren zeitgleich bei Betriebsversammlungen informiert worden. Im Restaurant "Seenario" in Tirschenreuth war das "Zukunftskonzept 2020" diskutiert und beschlossen worden - einstimmig, wie es heißt. Götz freute sich, dass vor dem Hintergrund der gesundheitspolitischen Zwänge Lösungen auf den Weg gebracht wurden. Diese seien "zukunftsorientiert" und "wirtschaftlich abbildbar". Außerdem orientierten sich die Maßnahmen am Bedarf der Bürger. Medizin- und Kommunikationstechnik entwickelten sich weiter, so Götz. Dem müsse Rechnung getragen werden. "Am Althergebrachten festzuhalten und ein ,Weiter so' hätte uns wirtschaftlich Schritt für Schritt näher an den Abgrund gebracht."

15 bis 20 Betten

Die größte Veränderung in Waldsassen: Der akutstationäre Bereich wird nicht in der bisherigen Form weitergeführt. Das künftige Intersektorale Gesundheitszentrum mit 15 bis 20 Betten ist eine Versorgungsform, die von der Universität Bayreuth zusammen mit der kassenärztlichen Vereinigung und der Beraterfirma Oberender entwickelt wurde. Darunter verstehen Experten ein ambulantes Zentrum mit Allgemeinmedizinern und einer erweiterten ambulanten Versorgung.

"Patienten können unter ärztlicher Betreuung im Haus übernachten." Bis zu fünf Tage könnten Patienten bleiben - so lange, bis abgeklärt ist, ob sie wieder nach Hause können oder in ein anderes Krankenhaus verlegt werden müssen. Dies trifft laut Götz auf 60 bis 70 Prozent der bisher im Haus Waldsassen behandelten Patienten zu; diese könnten auch weiterhin aufgenommen werden. "Wir können das infrastrukturell und baulich gut abbilden."

Von der Neustrukturierung "aktuell nicht betroffen" ist laut Götz die Orthopädische Rehaklinik. Auch diese verursache ein Defizit. Weil die Klinik nicht zur medizinischen Grundversorgung gehört, übernimmt für eine gewisse Zeit den Fehlbetrag der Landkreis Tirschenreuth. Außerdem springt der Landkreis Neustadt/WN mit 125 000 Euro ein. Götz will künftig Versorgungsverträge mit Rentenversicherungsträgern schließen. Dies sei bisher wegen der akutstationären Abteilung im Haus nicht möglich gewesen. "Das gibt uns jetzt Chancen, die Reha zu entwickeln."

Die Vertreter der Gebietskörperschaften beschworen beim Pressetermin am Montag Geschlossenheit. Das „konstruktive Miteinander“ bei den Gesprächen unterstrich Aufsichtsratsvorsitzender Landrat Wolfgang Lippert; auch OB Kurt Seggewiß bekannte sich klar zur Trägerschaft der Kliniken AG in der jetzigen Form. Landrat Andreas Meier stellte heraus, „dass wir das alles gemeinsam tragen“ – auch wenn sein Landkreis von den Möglichkeiten der Einflussnahme her im Hinblick auf Strukturen und Mehrheitsverhältnisse der „kleinste Bruder“ sei. Damit ging Meier auf Versuche im Vorfeld ein, die Träger „auseinanderzudividieren“. Meier: „Wir sind eine Einheit geblieben und werden das auch weiterhin sein.“ Es sei der klare Auftrag aller Gebietskörperschaften, die Gesundheitsvorsorge in der nördlichen Oberpfalz sicherzustellen.

Der Zuschuss für die Deckung des durch die Reha verursachten Defizits sei eine solidarische und freiwillige Leistung – auch vor dem Hintergrund, dass Tirschenreuth vor Jahren, als das Krankenhaus Eschenbach in schwerem Fahrwasser gewesen sei, einen freiwilligen Zuschuss in gleicher Höhe gegeben habe. Meier wertet es als deutliches Zeichen von Neustädter Seite, „die Gräben wieder zuzuschütten, die versucht worden sind aufzureißen“.

Landrat Lippert wünschte sich, dass Bevölkerung und Mitarbeiter den Neuerungen positiv und aufgeschlossen gegenüberstehen. Es sei ein großes Ganzes geschaffen worden. Es sei normal, dass Neues Ängste verursache. "Aber Veränderungen sollten nicht von Anfang an schlecht geredet werden."

Infobox:

„Wir sind froh, dass wir die Reha erhalten konnten. Das ist eine tolle Einrichtung“, so Bernd Sommer über die anstehenden Veränderungen im Haus Waldsassen der Kliniken-AG. „Wir müssen jetzt sehen, was dabei herauskommt.“ Die gesundheitspolitischen Vorgaben seien für kleine Häuser nicht mehr aufzufangen. Herzinfarkt- und Schlaganfall-Patienten seien in Weiden am besten versorgt, bei geplanten Eingriffen wären die jeweiligen Fachkliniken zuständig. „Die Frage ist, was brauchen wir in Waldsassen“, so Sommer über die künftige Bedeutung des Hauses an der Egerer Straße. Ärzte und Fachärzte müssten nun eingebunden werden; dabei sei auch der Bedarf zu berücksichtigen. Dabei nennt Sommer die Kurzzeitpflege oder die Tagespflege für Demenz-Patienten. Waldsassen habe nun ein Mini-Krankenhaus – eben ohne die große Technik. Dafür müsse jetzt das Tirschenreuther Haus in Fahrt kommen Es sei „das erste Haus für normale Wehwehchen“, so Sommer. In Waldsassen gehe eine Tradition zu Ende. Aber das Haus müsse fit gemacht werden für das 21. Jahrhundert. „Es muss klar sein, dass nicht in jedem Ort ein Krankenhaus zur Verfügung stehen kann.“ Sommer spricht von einem guten Kompromiss: Nun liege es aber an den Verantwortlichen selbst, „dass ein Schuh daraus wird“. Dabei denkt Sommer and die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten und Fachärzten. Dann könne sich punktuell sogar eine Verbesserung gegenüber der jetzigen Situation ergeben.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.