19.06.2019 - 16:02 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Seit Kindheit fasziniert von Kirche

Ein besonderes Jahr für Dekan und Stadtpfarrer Thomas Vogl: Er hat promoviert, wird im August 50 und feiert am Sonntag sein 25. Priesterjubiläum.

Pfarrer Thomas Vogl an seinem Arbeitsplatz am neuen Altar in der Stiftsbasilika.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Auf seinem Schreibtisch liegen die ersten Briefe, die an "Dr. Thomas Vogl" adressiert sind. Der Titel seiner Promotion lautet: "Homiletischer Text- und Klangraum - Stimmung, Atmosphäre, Predigt." Die Dissertation erscheint im Herbst im Echter Verlag Würzburg.

Pfarrer Vogl ist jetzt im 14. Jahr hier. Er weiß, dass es seitens der Diözese schon so sei, dass jemand, der 15 Jahre auf einer Stelle war, wechseln sollte. "Aktuell gibt es keine Versetzung", betont er. Er schließt nicht aus, dass ein Doktor-Titel bei solchen Erwägungen schon eine Rolle spielen könnte. Das müsse aber nicht sein. Habe man eine Qualifikation erreicht, könne man sie überall einbringen.

"Ich bin gerne in Waldsassen und nachdem die Promotion abgeschlossen ist, möchte ich mich jetzt mehr auf die Pfarrei konzentrieren." Als Dekan und Sekretär im Priesterrat gebe es aber immer noch genug Zusatzaufgaben. "Am 25. November 2005 bin ich im Pfarrhaus eingezogen. Es hat geschneit, was runterging", erinnert er sich an seinen ersten Tag in der Klosterstadt.

Halbes Leben Priester

Sein halbes Leben hat der Geistliche bisher als Priester verbracht, denn am 22. August wird er 50 Jahre alt. "Die Entscheidung, Pfarrer zu werden, war richtig und gut. Ich würde das genauso wieder machen." Geboren und aufgewachsen ist er in Neukirchen beim Heiligen Blut. Er besuchte dort die Grundschule, bevor er mit 10 Jahren ans bischöfliche Studienseminar St. Wolfgang in Straubing wechselte und dort das staatliche Johannes-Turmair-Gymnasium absolvierte, wo er 1988 Abitur machte.

"Pfarrer werden war schon mein Kindheitswunsch", erklärt Vogl, der, wie er selbst sagt, "aus einer normal christlichen Familie, aus einem Bauernhof stammt". Zur Familie gehören die Eltern Marianne und Josef, der 2014 verstorben ist, und die zwei älteren Brüder Gerhard und Josef. Ersterer bewirtschaftet den elterlichen Hof, der andere ist Geschäftsführer der Verwaltungsakademie Ostbayern in Regensburg. "Wir gingen jeden Sonntag in die Kirche. Eine Großtante war bei den Armen Schulschwestern und ein oder zwei weitere Ahnen waren Ordensschwestern", erzählt Thomas Vogl. "Ich sagte schon, dass ich Pfarrer werde, da ging ich nicht einmal noch zur Schule. Als ich mit den Eltern das erste Mal in die Kirche ging, war ich fasziniert von der Atmosphäre. Ich kann es nicht rational begründen, aber irgendetwas hat das in mir geweckt." Einzige mögliche Alternative wäre Kirchenmusiker gewesen.

Das Studienseminar sei für ihn prägend gewesen. "Einrichtungen dieser Art stehen ja im Moment unter Generalverdacht - Stichwort Missbrauchsskandal. Ich kann nur sagen, dort, wo ich war, war absolut gar nichts in dieser Richtung. Wir waren damals sogar das erste Internat, das eine Erzieherin beschäftigte." Marianne Hagl hieß die Sozialpädagogin, die heute in München als Religionslehrerin tätig ist und zu der Pfarrer Vogl noch immer Kontakt hat.

Nach dem Abi meldete er sich im Priesterseminar an. "Jetzt lasse ich mich darauf ein, gehe ich diesen, meinen Weg." Das dritte Studienjahr, ein Freijahr, in dem man nicht im Priesterseminar lebt, verbrachte er in Brixen in Südtirol. Dort engagierte er sich neben dem Studium stark in der Pfarrei, hat im Kirchenchor gewirkt und spielte die Orgel.

Er genoss das Skifahren in den Südtiroler Bergen, wohin er aus diesem Grund auch heute immer wieder fährt. Ansonsten geht der Pfarrer in seiner Freizeit gerne in die Oper und ins Theater und genießt die Basilikakonzerte. 1993 war das Studium zu Ende und Thomas Vogl Diplom-Theologe. Den Pastoralkurs als letzte Ausbildungsphase vor der Priesterweihe, mit Praktikum in einer Pfarrei und theoretischen Ausbildungsblöcken, absolvierte er in Straubing St. Jakob. Am 4. Dezember 1993 wurde er in seiner Heimatpfarrei zum Diakon geweiht. Die Priesterweihe erfolgte am 2. Juli 1994 im Dom zu Regensburg. Primiz war am 17. Juli in der Heimatpfarrei. Im September führte ihn die erste Kaplanstelle für zwei Jahre nach Dingolfing.

Stets überraschend

Anschließend kam er für drei Jahre als Kaplan nach St. Wolfgang in Regensburg. Er arbeitete in der Priesterausbildung mit, zuerst als Präfekt, später als Subregens. Alles Posten, die Organisationstalent voraussetzen. "Das kam immer alles sehr überraschend", resümiert Dekan Thomas Vogl. Genauso wie die Berufung nach Waldsassen, wo er von Anfang an mit der Generalsanierung der Basilika konfrontiert war. Dass in diesem Rahmen auch die neue Altarraumneugestaltung mit verwirklicht werden konnte, freut ihn besonders. Weniger Schönes habe er erfahren, als es um das Ende des Altenheims St. Maria ging. "Es ist sehr schwer gefallen, das Haus zu schließen", sagt Vogl.

Was ihm sauer aufstieß, war, wie schnell manche Leute über Zusammenhänge urteilten, die sehr komplex seien, und von außen betrachtet einfacher aussähen als sie in Wirklichkeit seien. Da kamen dann Vorwürfe, dass man alles Geld in die Basilika stecke und die alten Leute auf die Straße setze. "In solchen Dingen bin ich dann manchmal schon recht dünnhäutig", gesteht er.

Glaube und Kirche

Sein größter Zukunftswunsch sei der, dass die Menschen nach wie vor Glaube und Kirche als etwas Tragendes und Bereicherndes für ihr Leben erkennen und das auch durch die Mitfeier der Gottesdienste zum Ausdruck brächten. Als Pfarrer Vogl nach Waldsassen kam, zählte die Gemeinde über 5000 Mitglieder, aktuell seien es 4800. Kein dramatischer Einbruch, wenngleich auch hier immer wieder Austritte zu verzeichnen seien. Vogl schreibt das aber nicht nur der innerkirchlichen Situation zu, sondern sieht das auch als gesamtgesellschaftliches Problem.

Die Forderungen an die Kirche, sich stärker zu öffnen, sieht er ernüchtert. Gerade was die plakativen Erwartungen betreffe wie Frauen als Priester oder Abschaffung des Zölibats, werde man nicht groß weiterkommen. Zumindest kurzfristig werde von Kirchenseite her nicht viel geschehen.

Wenn es seine knapp bemessene Freizeit erlaubt, spielt Pfarrer Vogel auch gerne mal den großen Spieltisch der Orgel. Meistens in den späten Abendstunden, wenn Ruhe in der Basilika eingekehrt ist und niemand mehr stört.
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