Auf die Folgen einer Neustrukturierung der Notarztstandorte in Bayern für die Menschen in der Region hat am Montag in der Sitzung des Stadtrats Dr. Wolfgang Fortelny hingewiesen. Nach dem Vortrag verabschiedete der Stadtrat geschlossen eine Resolution, wonach die Empfehlung in der Notarztstudie missbilligt wird: „Die Stadt Waldsassen besteht darauf, den Standort zu halten“, formulierte Bürgermeister Bernd Sommer den Beschlussvorschlag.
"Das muss mir jemand erklären, wie das ein Tele-Notarzt auffangen kann", so der Bürgermeister zu Beginn. Die Umsetzung der Studie bedeute eine Verschlechterung. Konkret ist die Schließung des Notarztstandorts Waldsassen vorgesehen. "Im Innenministerium sollte das aufhorchen lassen, wenn wir davor warnen", sagte Sommer aus Waldsassener Sicht und meinte die Verlegung des Rettungsdienst-Standorts vor einigen Jahren.
Zudem verwies Sommer auf die Stellung Waldsassens im Landesentwicklungsplan. "Wir sind Oberzentrum." Gewisse Einrichtungen seien vorzuhalten. Nun aber verstoße der Staat gegen die von ihm vorgegebenen Regeln. "Wir suchen uns dann auch das aus, wie es uns passt und regeln es selbst", kündigte Sommer an, sprichwörtlich den Spieß umzudrehen. Er appellierte an das Innenministerium, die selbst gestellten Vorgaben einzuhalten.
"Rettet die Notfallpatienten"
"Ende nächsten Jahres funktioniert das Tele-Notarztsystem", erklärte Dr. Wolfgang Fortelny in seinem Kurzvortrag. "Ich fürchte, dass es nach der Wahl aufgestellt wird." Der Arzt erinnerte an die Petition unter dem Motto "Rettet die Bienen" und die Resonanz darauf. Nun müsse das Motto heißen: "Rettet die Notfallpatienten."
Fortelny sagte, er sei nicht generell gegen einen Tele-Notarzt. "Aber es kann nicht sein, dass der einen normalen Arzt ersetzt", so der Mediziner, worauf er Beifall bekam. Die Resolution, so der Arzt, sollten auch andere Kommunen unterstützen. Denn es könne nicht sein, dass ein funktionierendes System "von oben" zerschlagen werde. Dagegen werde man weiterkämpfen.
"Es geht um die Kosten", so Fortelny auf die Frage von CSU-Fraktionssprecher Andreas Riedl, warum solche Veränderungen verursacht würden. Helmut Zeitler (SPD) sprach einen "deutlichen Dank" aus, "dass wir uns damit befassen und ein Zeichen setzen". Er fürchte sich nicht vor seiner Arbeit, sagte Zeitler. Aber er begegne ihr mit Respekt, so der hauptberufliche Rettungssanitäter.
In Anbetracht der Planungen werde ihm „schwummrig“, sagte Zeitler und nannte ein konkretes Beispiel – etwa wenn er „nachts draußen in Bad Neualbenreuth“ im Rettungswagen einem Patienten helfen solle. „Dann sagt mir der Tele-Notarzt: ,Versuchen Sie mal, einen Luftröhrenschnitt zu machen‘.“ Dies sei aber für ihn „kritisch“, so der Sanitäter über den Eingriff, den er vorher noch nie gemacht habe.
Nicht der richtige Weg
Nicht nachvollziehbar sei die Studie, meinte Bernhard Lux. Leute aus der Region seien nicht zur Situation vor Ort befragt worden. „Man will uns total entblößen, was die medizinische Versorgung angeht.“ Die Auflösung des Notarztstandorts sei nicht der richtige Weg. Der Freie Wähler wünschte sich ein „klares Signal“, dass es nicht dazu kommt. „Wir sind gerne bereit, über einen Tele-Notarzt zu sprechen“, so Bürgermeister Bernd Sommer zur Diskussion und ergänzte im Hinblick auf die medizinische Fachkompetenz via Bildschirm: „Wenn das in München funktioniert, brauchen wir auch hier keinen mehr.“ Irgendwo, erzürnte sich Sommer, reiche es dann auch, wenn ein gewisser Punkt erreicht sei. „Und der Notarzt ist dieser Punkt.“
"Übermenschlich"
Mehrere Stadtratsmitglieder meldeten sich noch zu Wort, teils in emotionalen Beiträgen. „Das muss verhindert werden. Da steht die Gesundheit auf dem Spiel“, äußerte sich Allgemeinarzt Tobias Kunz (CSU) über die Planungen. Der Einsatz des Tele-Notarztes könne lediglich eine Ergänzung sein. „Gruselig“, so Kunz, sei die Vorstellung, dass Rettungssanitäter medizinische Eingriffe zu verantworten hätten. Kunz dankte Fortelny für dessen engagierten Einsatz für den Erhalt der bestehenden Strukturen und als Notfallmediziner. Dies alles sei schon beinahe „übermenschlich“, sagte Kunz, worauf es zum zweiten Mal an diesem Abend starken Applaus im Saal gab.




















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