24.05.2019 - 12:09 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Standort Waldsassen: Stilllegung der akutstationären Versorgung

Der Zeitplan für die Stilllegung der akutstationären Versorgung am Krankenhaus Waldsassen steht. Es sind Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung geplant und soll keine betriebsbedingten Kündigungen geben.

Am Krankenhaus Waldsassen kommt es ab 1. Juli zu einer großen Veränderung: die Stilllegung des akutstationären Bereichs.
von Externer BeitragProfil

Die Kliniken Nordoberpfalz AG gibt in einer Pressemitteilung bekannt, wie die mit Wirkung zum 1. Juli 2019 beschlossene Stilllegung des akutstationären Bereichs in Waldsassen ablaufen soll. Die betroffenen Mitarbeiter sollen demnach ab diesem Zeitpunkt an "von ihnen frei wählbaren anderen Standorten der Kliniken Nordoberpfalz AG" eingesetzt werden. "Betriebsbedingte Kündigungen wird es nicht geben", wird versichert.

Die Stilllegung sei Teil der im erweiterten Zukunftskonzept 2020 festgesetzten Stabilisierungsmaßnahmen, mit denen die Wirtschaftlichkeit verbessert und unter Erhalt der kommunalen Trägerschaft ein bedarfsgerechtes, hochwertiges medizinisches Versorgungsangebot in der Region gewährleistet werde. Das Konzept sehe zudem die Umwandlung in ein Intersektorales Gesundheitszentrum (IGZ) vor.

"Notwendiger Schritt"

"Die Stilllegung des akutstationären Bereichs ist ein notwendiger Schritt. Damit können wir die personellen Ressourcen bündeln, um die stationäre Versorgung im Raum Tirschenreuth und Waldsassen aufrechtzuerhalten", sagt Vorstand Josef Götz. Die seit Jahren bestehenden finanziellen Defizite und die immer enger werdende Verfügbarkeit von Fachkräften vor allem in ländlichen Gebieten machten eine Kompensation mit den bisherigen Strukturen unmöglich. Stationär zu behandelnde Patienten aus dem Einzugsgebiet Waldsassen würden akutstationär künftig schwerpunktmäßig im Krankenhaus Tirschenreuth oder anderen Einrichtungen der Kliniken Nordoberpfalz AG versorgt. Als Anlaufstelle für die ambulante Versorgung bleibe das MVZ erhalten.

Auch der Tirschenreuther Landrat Wolfgang Lippert, derzeit Vorsitzender des Aufsichtsrats der Kliniken Nordoberpfalz AG, wird zitiert: "Die Stilllegung der akutstationären Versorgung stellt zweifelsohne einen schmerzhaften, aber den negativen Vorgaben folgend, unausweichlichen Einschnitt dar. Unser Dank gilt den Ärzten und dem Pflegepersonal, die sich mit großem Einsatz und Zusammenhalt der Patienten angenommen haben. Zumindest hat die Stilllegung der akutstationären Versorgung keine betriebsbedingten Kündigungen zur Folge."

Ganz im Gegenteil sei es erklärtes Ziel der Klinikleitung, die an den anderen Standorten dringend benötigten, gut qualifizierten Mitarbeiter im Unternehmen zu halten. Daher habe die Klinikleitung in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat und den Gewerkschaften umfassende Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung erarbeitet. So erhalte jeder Betroffene die Möglichkeit, seinen neuen Arbeitsplatz innerhalb der Kliniken AG frei zu wählen.

Ausgleichszahlungen

Das Unternehmen kommt nach eigenen Angaben mit Ausgleichszahlungen für den Mehraufwand an Fahrtkosten zum neuen Arbeitsplatz auf. Wer bereits vorab von diesem Wahlrecht Gebrauch gemacht und sich für eine freiwillige Versetzung eingetragen habe, erhalte zudem eine monatliche Prämie von 100 Euro für ein Jahr. Auch zwischenmenschliche Aspekte möchte die Klinikleitung berücksichtigen: "Wir wissen, dass die Qualität der Arbeit und auch die Mitarbeiterzufriedenheit stark von den gut aufeinander eingespielten Teams abhängt", sagt Götz. "Solche Teams möchten wir nach Möglichkeit als Ganzes versetzen." Außerdem bestehe die Möglichkeit der Altersteilzeit.

Das geplante IGZ solle unter Einhaltung des Facharztstandards auch in Zukunft die regionale Grundversorgung mit Schwerpunkt auf allgemeinärztlichen, internistischen und weiteren Angeboten sowie einer erweiterten ambulanten Versorgung sicherstellen. Die Klinikleitung prüft nach eigenen Angaben mit dem Staatsministerium für Gesundheit und Pflege und den Kostenträgern mögliche Umsetzungsszenarien. "Es gibt positive Signale, die darauf hindeuten, dass sich eine für alle Parteien rechtssichere Lösung finden lässt", sagt Götz. Parallel versuche man weiterhin, niedergelassene Ärzte zu gewinnen, die ihre Praxen in das Gesundheitszentrum verlegen.

Fest stehe bereits, dass die orthopädische Rehabilitation in Waldsassen mit finanzieller Unterstützung des Landkreises erhalten bleibe. "Derzeit laufen die internen Prüfungen, ob die Strukturanforderungen der Rentenversicherungsträger erfüllt werden können. Ist dies der Fall, können die Verhandlungen zur Schaffung eines Versorgungsauftrags aufgenommen werden. Verlaufen diese Gespräche erfolgreich, ist es möglich, die Kapazitäten der Orthopädischen Rehabilitation zu erweitern", so die Kliniken Nordoberpfalz.

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