17.09.2018 - 14:27 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Sternwallfahrt zum Werkzeug des Friedens

Einem deutschen Polizeibeamten ist es 1951 zu verdanken: Die Christusfigur, der ein tschechischer Soldat die Arme abgerissen und die er danach ins Feuer geworfen hatte, hat längst einen geschmückten Platz in der Stiftsbasilika.

Begleitet wurden die Wallfahrer auch vom Konvent der Zisterzienserinnen aus der Klosterstadt.
von Werner RoblProfil

Das versöhnliche Sinnbild aus der ehemaligen Wieskirche unweit der bayerisch-tschechischen Grenze ist seitdem zu einem Besinnungsort vieler Gläubiger geworden. Bereits zum 12. mal findet am Sonntag nach Kreuzerhöhung eine Sternwallfahrt statt. Bereits zuvor waren der KDFB, die Vita-Frauen im Frauenbund und die Kondrauer Landjugendbewegung am Kondrauer Quellenweg gestartet. An der Mammersreuther Straße hatte sich die Kolpingsfamilie versammelt. Wenige Minuten später setzte sich auch der KAB-Pilgerzug von der Chodauer Straße aus, begleitet von Fahnen und vielen Auswärtigen Richtung Basilika in Bewegung.

Erwartet wurden sie dort vom Apostolischen Nuntius und dem Vertreter des Vatikans Erzbischof Dr. Nicola Eterovic, Stadtpfarrer Thomas Vogl und einer großen Ministrantenschar. Der lange und feierliche Einzug war zugleich beeindruckendes Zeichen tiefer Frömmigkeit. Aus gutem Grund blieben die vordersten Kirchenbänke für die Pilger reserviert. Man hatte damit gerechnet, dass am Wallfahrts-Sonntag, an dem der „Geschändete Heiland“ im Mittelpunkt stehen sollte, nur wenige Plätze frei bleiben. Musikalischer Höhepunkt war die von Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter geleitete und von Joseph Haydn komponierte Paukenmesse „Missa in tempore belli“. Der musikalische Leiter hatte nicht nur das Orchester und den Chor auf den Vormittag gut eingestimmt. Für besondere Momente sorgten zudem die Stimmen der Solisten, die Orgel brachte Silvia Gmeiner zum erklingen.

„Das ganze Volk Gottes soll sich als Pilger begreifen“, sagte Stadtpfarrer Vogl und erinnerte an den Anlass der Wallfahrt zum „Heiland ohne Arme“. Den Besuch des Erzbischofs bezeichnete der Seelsorger, der zusammen mit Pfarrvikar Markus Hochheimer am Altar mitfeierte, als „große Ehre“.

Erzbischof Dr. Nicola Eterovic, seit 2013 apostolischer Nuntius des Vatikan, ist gebürtiger Kroate. 1977 wurde er zum Priester geweiht. Die Einladung in die Klosterstadt zu kommen habe er gerne angenommen, bekannte er. Zugleich übermittelte er auch die Grüße des Heiligen Vaters. „Danke, dass ich den Tag mit euch feiern darf“, so der Vertreter von Papst Franziskus in Deutschland.

In der Folge vertiefte er das vorangegangene Tagesevangelium. Auch ließ er Petrus‘ Glaubenszeugnis über den Messias anklingen. „Für wen halten mich die Menschen?“, habe Jesus seine Apostel gefragt. An die Gläubigen gewandt ergänzte der Redner: „Was würden wir darauf antworten?“ In drei wesentlichen Punkten fand der Gast darauf Antworten. Jesus habe sich für eine bessere Welt eingesetzt, erinnerte er an anderer Stelle. Den Einzelsegen mit der Kreuz-Reliquie spendeten Erzbischof und Stadtpfarrer am Gottesdienst-Ende gemeinsam.

Mit dem Eintrag in zwei Goldene Bücher – das Waldsassens und das des Klosters – in der Stiftsbibliothek mit einem kleinen Kreis geladener Gäste ging der Wallfahrtstag zu Ende. Ein Geschenk und Grußworte der Äbtissin Laetitia folgten. Bürgermeister Sommers Wunsch nach einem Papstbesuch im Festjahr 2019 – dem 50. Jahrestag der Ernennung zur Basilika ‒ nahm der Erzbischof mit einem Schmunzeln zur Kenntnis.

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand das geschmückte Bild des "Geschändeten Heilands" aus der ehemaligen Wieskirche.
Fahnenabordnungen und eine gut gefüllte Basilika waren Zeichen der tiefen Gläubigkeit am Wallfahrtssonntag.
Gast in Waldsassen war Dr. Nicola Eterovic.
Die Festansprache hielt der päpstliche Nuntius. Er ging der Frage nach: "Für wen halten die Menschen Christus?"
Am Altar standen der Erzbischof Dr. Nicola Eterovic, Stadtpfarrer Thomas Vogl (rechts) und Pfarrvikar Markus Hochheimer (links).
Am Ende des Gottesdienstes spendeten Dr. Eterovic und Stadtpfarrer Vogl den Einzelsegen mit der Kreuzreliquie.
Die Grüße des Konvents überbrachte die Waldsassener Äbtissin.
Mit einem Geschenk bedankte sich die Äbtissin beim Gast aus dem Vatikan.
Grußworte übermittelte auch Bürgermeister Bernd Sommer (links).
In seiner Schlussansprache dankte Dr. Nicola Eterovic für die Einladung, der er - wie er betonte - gerne gefolgt war.
Mit einem Gruppenbild ging der ereignisreiche Tag in der Klosterstadt, dem, ein gemeinsames Essen folgte, schließlich zu Ende.
Infobox:

Am 6. Februar 1951 reißt am „Eisernen Vorhang“ - unweit von Hundsbach - eine Gruppe von tschechischen Soldaten die Egerländer Wallfahrtskirche in der Ortschaft Wies nieder. Einer der Uniformierten entfernt aus der abgebrochenen Kirche eines der Kreuze, tritt mit dem Fuß darauf und reißt die Christusfigur mit der Hand ab, so dass die beiden Arme des Gekreuzigten zu Bruch gehen.

Die Holzteile samt Christuskorpus wirft er daraufhin in ein Feuer. Kurz darauf holt er die Figur wieder heraus und legt dem Rumpf eine Schlinge um den Hals. Danach hängt er sie zwischen zwei Baumstämmen auf, so dass sie wie an einem Galgen über der Brandstelle baumelt.

Ein bayrischer Polizeibeamter, der dies beobachtet hatte, bringt - nachdem die Soldaten weg sind - die Christusfigur auf die bayerische Seite. Er übergibt sie dem damaligen Stadtpfarrer. Dieser lässt sie in der Pfarrkirche zur Verehrung anbringen.

Seither wird der "Geschändete Heiland" als Gnadenbild verehrt. Viele Menschen finden vor diesem Bild Trost und Hilfe. Sie sehen darin auch ein Bild des gequälten Menschen und der Schöpfung. Auch nach der Zeit des sog. Eisernen Vorhangs mahnt der "Heiland ohne Arme" darum, stets für Vergebung und Versöhnung zu beten und mit ihm ein Werkzeug des Friedens für die Welt zu sein. (Überarbeitete Quelle: Pfarramt Waldsassen)

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