16.02.2020 - 08:27 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Stürmische Lady agiert eher verhalten

"Sabine" versetzte die Republik in Aufruhr, der Deutsche Wetterdienst sagte einen Orkan mit Schadpotenzial voraus. Schulen wurden geschlossen, der Bahn- und Flugverkehr wurde eingestellt. Es kam aber weit weniger schlimm als befürchtet.

Forstunternehmer Stefan Kraus vom gleichnamigen Forstbetrieb aus Poppenreuth räumt im Revier Hatzenreuth mit dem Harvester auf.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Wer bei Stürmen immer Bauchgrummeln hat, sind die Förster. Denn Wälder sind bei Windspitzen jenseits der 120-Stundenkilometer-Marke immer potenziell gefährdet, zumal der hiesige Wald durch zwei trockene Sommer und die daraus resultierende Käferinvasionen ziemlich geschwächt ist.

Zumindest das Sturmtief "Sabine" hat die düsteren Erwartungen diesmal nicht erfüllt. "Aus unserer Sicht agierte die stürmische Lady eher verhalten", sagt der Leiter des Forstbetriebs Waldsassen, Norbert Zintl. "Wir haben im gesamten Betriebsbereich nur etwa 5000 bis 6000 Festmeter Schadholz zu verzeichnen, das sind zwei bis drei Prozent des Jahreseinschnitts."

Noch fliegen die Borkenkäfer nicht. Deshalb seien die Chancen nicht schlecht, die Sturmschäden aufzuarbeiten, bevor die Temperaturen auf 15 Grad plus ansteigen und die erste Generation der gefährlichen Krabbler aus ihrem Winterschlaf erwacht. Auch deshalb hoffen die Förster auf ein eher nasses Frühjahr. Allerdings glaubt Zintl an letzteres nicht so recht. Die beiden vorausgegangenen extrem trockenen Jahre bereiteten schon Sorgen, daraus zeichne sich möglicherweise ein Trend ab. Angesichts der angekündigten Windgeschwindigkeiten seien die Schäden aber eher gering. Es handle sich überwiegend um Einzelwürfe, so Zintl. Der Schwerpunkt habe wieder auf den bereits vorgeschädigten Beständen im Mitterteicher Basaltgebiet gelegen.

Glimpflich davongekommen

Die gesamte Fläche des Forstbetriebs Waldsassen beträgt rund 23 000 Hektar, 22 000 davon sind Bestände mit Holzbestockung. Im Vergleich zu den Stürmen "Vivien" und "Wibke" 1990, die in Deutschland rund 60 Millionen Festmeter an Bäumen umlegten, und Sturm "Kyrill", der 2007 landesweit rund 37 Millionen Festmeter Nutzholz vernichtete, sei man diesmal wirklich glimpflich davongekommen.

Bringen wenigstens die Niederschläge, die "Sabine" mit sich im Gepäck führte, einen Vorteil für die ausgetrockneten Böden? "Damit das Reservoir entsprechend aufgefüllt werden könnte, müsste es schon mal zwei Monate am Stück regnen", verneint Zintl die Frage. "Auch eine geschlossene 1,5 bis 2 Meter hohe Schneedecke hätte hier durchaus eine positive Wirkung. Weil nach "Sabine" zwei weitere, wenn auch weniger starke Stürme im Anmarsch seien, rät Zintl Joggern und Spaziergängern, in den nächsten Wochen ihre gewohnten Wege durch die Wälder eher zu meiden. Es könnte sein, dass dicke abgebrochene oder angeknackste Äste noch in den Baumwipfeln hängen und bei der nächsten Windböe zu Boden krachen. Auch dürfe die Gefahr durch angeknackste Bäume nicht unterschätzt werden. Man sollte nicht direkt unter einem Baum stehenbleiben. Bei Wind rät Zintl zu ganz besonderer Vorsicht: "Am besten gar nicht in den Wald gehen."

Vorsicht bei der Waldarbeit

Auch Privatwaldbesitzer sollten jetzt erhöhte Vorsicht bei der Waldarbeit walten lassen. Wenn sie in ihren Wäldern umgeknickte Bäume entdecken, sollten sie nicht selbst Hand anlegen, so Zintl. Oft stünden diese unter enormer Spannung und seien wirklich sehr gefährlich. "Wer solche Windnester hat, sollte Profis ranlassen", rät der Forstbetriebsleiter. Entsprechende Informationen dazu liefern die Forstbetriebsgemeinschaften. "Und auf keinen Fall allein zur Waldarbeit gehen", empfiehlt Zintl.

Der Forstbetrieb Waldsassen hat nach dem "Stürmchen" zwar keinerlei Bereiche im Wald gesperrt. Man müsse aber schon damit rechnen, dass der eine oder andere Baum noch umfällt und dann über einer Forststraße liegt.

Der Leiter des Forstbetriebs Waldsassen, Norbert Zintl, schaut sich die Schadflächen auf der Karte an.
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