04.11.2019 - 12:03 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Im Trialog mit Betrachter und Künstler

Ein außergewöhnliches Erlebnis bietet derzeit die Kunstgasse in Waldsassen. Der renommierte tschechische Künstler Jiri Jun aus der Partnerstadt Chodau/CZ zeigt auf allen drei Ebenen im Kunsthaus äußerst eindrucksvolle Federzeichnungen.

von Ulla Britta BaumerProfil

Eine der bisher besten Ausstellungen konnte am Samstag im Kunsthaus Waldsassen mit einer Vernissage eröffnet werden. Bürgermeister Bernd Sommer stellte gemeinsam mit seinem Kollegen aus der tschechischen Partnerstadt Chodov, Patrik Pizinger, den hochkarätigen Künstler Jiri Jun vor.

Die Werke des 77-jährigen Meisters der Federzeichnungen aus Chodov begeisterten derart, dass Wolfgang Horn als Vorsitzender des Vereins Kunsthaus Waldsassen es sich nicht nehmen ließ, den Künstler persönlich und ausführlich vorzustellen. Horn präsentierte den Gästen mit Jiri Jun einen interessanten Mann, der ein bewegtes Leben hinter sich hat.

Jiri Jun habe Kunst studieren wollen, dies sei ihm aber aus politischen Gründen verwehrt worden, berichtete Horn aus dessen Vita. Der gelernte Porzellanmaler sei in einer Kunstgewerbeschule zum Werbegrafiker ausgebildet worden. „Seine Kunstfertigkeit und Geduld steckte er in die unverwechselbare Zeichentechnik, die an Grafiktechniken alter Meister erinnert“, sagte Horn. Jiri Jun, der seine Arbeiten in über 30 Einzel- und 60 Gemeinschaftsausstellungen gezeigt habe, sei international unterwegs. Ausstellungen habe es von ihm in Tschechien, Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Ungarn, Norwegen, Polen, Österreich, Rumänien, Slowenien, in der Slowakai und in den USA gegeben. Jun habe für sein künstlerisches Schaffen zahlreiche Auszeichnungen und Preise erhalten, unter anderem den Best Quality Award Pilsen, so Horn.

Bürgermeister Bernd Sommer freute sich, einen Künstler aus Chodov begrüßen zu dürfen und mit ihm weitere Ehrengäste aus der Partnerstadt. Auch Sommer ist hellauf begeistert von Juns Werken, die ihn schon beim Aufbau im Kunsthaus gefesselt hätten. Beim Betrachten der Bilder habe er Freude verspürt und die Ruhe, die sie ausstrahlen. „Die Ausstellung ist ein Glanzlicht in der Serie der Kunstpräsentationen von Waldsassen“, betonte Sommer. Sehr zu seiner eigenen Freude sei Jiri Jun in Rathaus gekommen und habe angefragt, ob eine Ausstellung in Waldsassen möglich sei, berichtete Patrik Pizing, der Bürgermeister aus Chodov.

Pizinger erzählte einige Anekdoten aus dem bürgerlichen Leben des Künstlers in Chodov, wo er auch Stadtrat gewesen sei. Jiri Jun sei ein Mensch mit vielen gute Ideen, die er regelmäßig an die Stadt herantrage. Er habe Mut, Dinge auszusprechen und sei ein Mensch der Ehrlichkeit, des Humors und des Engagements. Die Bürgermeister und der Künstler bedankten sich bei den Organisatoren beider Ländern für die Hilfe zur Ausstellung und bei Gitarrenspielerin Melina Schedl sowie Kreismusikschulleiter Tobias Böhm für den musikalischen Part. „Kunst ist nicht dazu da, um eine Wand hinter einer lila Couch zu verzieren“, betonte der Künstler, dessen Tochter Magdalena Junova als Dolmetscherin fungierte. Kunst sei eine Mitteilung über Raum und Zeit. Ihm ginge es um den Trialog. Sobald sich Künstler, Kunst und Betrachter irgendwo treffen, sei alles in Ordnung.

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Hundert Federn, drei Kartuschen

Jiri Jun malt pro Jahr etwa zwölf Werke. Für eine Zeichnung benötigt er 100 Federn und drei Kartuschen Tusche. Aus mehreren Tausend winzigen Tintenlinien entsteht ein Kunstwerk mit tiefem, geistigem Inhalt. Vor jeder großformatigen Zeichnung fertigt Jiri Jun eine kleine Studie, früher mit Zeichenkohle, heute am Computer. Dies ermöglicht ihm die Sicherung der einzelnen Denkphasen zum Werk. Jiri Jun stellt bis 8. Dezember im Kunsthaus Waldsassen aus. Geöffnet ist die äußerst sehenswerte Ausstellung jeweils Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr.

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