01.12.2019 - 09:30 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Verkehrschaos und Einbußen bei Handel und Tourismus

"Wir kämpfen weiter", so das Fazit am Ende der Informationsversammlung der Bürgeraktion "Mitmachen lohnt!" am Freitag in Waldsassen. "Wir sind erschüttert", so eine Zuhörerin nach dem Vortrag im Gasthof Schmid-Papierer.

Helmut Plommer (links) erläuterte Einzelzeiten aus dem Gutachten über die Beeinträchtigungen der Anwohner während der Bauzeit.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

"Wir kämpfen weiter", so das Fazit am Ende der Informationsversammlung der Bürgeraktion (BA) "Mitmachen lohnt!" am Freitag in Waldsassen. "Wir sind erschüttert", so eine Zuhörerin nach dem Vortrag im Gasthof Schmid-Papierer. Sechs Jahre soll die Errichtung der verlegten Bundesstraße 299 im Abschnitt Waldsassen-Kondrau auf der früheren Bahntrasse dauern. Was dies für Anwohner bedeutet, hatte das Bauamt Amberg-Sulzbach in einem Hunderte Seiten umfassenden Gutachten untersuchen lassen.

Helmut Plommer hatte den Inhalt der Tektur C des Planfeststellungsverfahrens mit dem Baulärmgutachten genau studiert. Der frühere Stadtrat und Beisitzer im BA-Vorstand erklärte, worauf sich die Waldsassener einstellen dürfen. Darüber, so Vorstandssprecher Horst Gesell zu Beginn, hätte eigentlich Bürgermeister Bernd Sommer die Bürger informieren wollen. Doch außer der Ankündigung sei nichts passiert.

Plommer, als Tiefbau-Experte im Ruhestand mit dem Metier bestens vertraut, schilderte detailliert die Auswirkungen auf Anwohner während der Bauzeit. Verkehrschaos und Einbußen der Einkaufsmärkte und im Tourismus prognostizierte der Sprecher. Er sah in der Planung und deren Umsetzung außerdem viele Ungereimtheiten. Konkret sprach Plommer komplizierte Details bei Problemlösungen im Hinblick auf die Kanal- und Wasserleitungen im Bereich der Trog-Lagen an: "Vom Technischen her muss ich sagen: Ich weiß nicht, wie die das machen wollen."

Plommer stellte Auszüge aus dem Gutachten vor, das die Beeinträchtigungen für die Anwohner bei der Umsetzung der Kapplwald-Trasse aufzeigt: Nur bei wenigen Gebäuden seien "lärmschutzmäßg bis zu vier Dezibel Überschreitungen" zu erwarten, wie es auch auf den ausgeteilten schriftlichen Vorlagen hieß; andere Einflüsse, etwa Erschütterungen, seien keine zu erwarten.

"Das ist schon ein riesiger Unterschied zur Regional-Trasse", erklärte Plommer. Dies zeige sich auch am Umfang der vergleichenden Lärmgutachten: Das für die Regional-Trasse füllt 302 Seiten, das für die Kapplwald-Trasse 38.

Lärm und Erschütterungen während der Bauzeit:

Beeinträchtigungen durch Lärm und Erschütterungen

Im Zusammenhang mit dem Baulärmgutachten hatte Helmut Plommer die betroffenen Gebäude entlang der Bautrasse markiert und sprach von 2099 Bestandspunkten, die im Prinzip Anspruch hätten auf finanzielle Entschädigung. Laut Aussage der Straßenbaubehörde gebe es bei 515 Bestandspunkten Anspruch auf Lärmschutzfenster, was einen zusätzlichen Kostenaufwand von rund 1,9 Millionen Euro bedeute.

48 Gebäude könnten durch Erschütterungen im Zuge der Arbeiten beschädigt werden; davon 28 Gebäude durch Ramm-Arbeiten. Damit ist nach den Worten von Plommer etwa das Einbringen von etwa acht Meter hohen Spundwänden gemeint, wenn die sechs Meter tiefliegenden Unterführungen errichtet werden. Für all diese Gebäude seien aufwendige Beweissicherungsverfahren notwendig.

Außerdem fand Plommer bei der Analyse der Unterlagen deutliche Kostenerhöhungen (900 000 Euro) im Zusammenhang mit der Verlegung des Ortskanals heraus. So müssten die Leitungen auf 350 Meter Länge mit einem speziellen Verfahren (Microtunneling) verlegt werden, was dem dreifachen Preis gegenüber einer offenen Verlegung entspreche. Diese Mehrkosten kämen auf alle Bürger Waldsassens zu, etwa als höhere Abwasser- und Wassergebühren.

In diesem Zusammenhang wiederholt kritisiert wurde die kurze Frist zwischen dem Beginn der Auslegung der Tektur C am 11. Juli und dem Termin der Stadtratssitzung am 15. Juli. "Es war furchtbar", erinnerte sich Plommer, der als ehemaliger SPD-Stadtrat den öffentlichen Teil als Zuhörer mitverfolgte. Es habe keinerlei Einwände von der CSU wie von den Freien Wählern gegeben. (pz)

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