16.05.2019 - 16:28 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Weniger Stoff und deutlich mehr Aufgriffe

Stolze Zahlen präsentiert die Polizeiinspektion Waldsassen den Vertretern der Gemeinden beim Sicherheitsgespräch: Bei einer Aufklärungsquote von knapp 85 Prozent scheint bei der Kriminalität alles im sprichwörtlich "grünen Bereich".

Beim Sicherheitsgespräch im Unterrichtsraum der Polizeiinspektion Waldsassen, von links Daniel Ulrich, Michael Eckstein, Roland Grillmeier, Ernst Neumann, Max Bindl, Regina Kestel, Klaus Meyer, Johann Burger, Bernd Sommer, Manfred Liebl und Roland Heldwein.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Bei den 1295 Fällen 2018 wurde gegenüber dem Vorjahr zwar eine leichte Steigerung (7,4 Prozent) der Straftaten festgestellt. Doch damit liegt die Inspektion im bayern- und oberpfalzweiten Trend. Dass im Bereich der Polizeiinspektion über 20 Prozent mehr Fälle aufgeklärt werden als im bayernweiten Schnitt, liegt vor allem an der Arbeit der Grenzpolizei-Gruppe, so Heldwein. "Der Anstieg der Fallzahlen ist insbesondere mit der Steigerung im Bereich der Kontrolldelikte zu erklären" heißt es auf einer der über 30 Folien der Präsentation.

Dabei kommt auch der "Eiserne Schutzmann" ins Spiel: Seit einiger Zeit ist die Dienststelle in Waldsassen nicht mehr rund um die Uhr besetzt; Anrufer oder Besucher werden mit der Polizei in Regensburg verbunden. "Mit der Einführung der dienstlich optimierten Öffnungszeiten konnten die Fahndungskräfte ihrer originären Tätigkeit nachkommen und waren weniger mit sachfremden Aufgaben belastet." Seit 2015 nicht mehr berücksichtigt werden Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügiggkeitsgesetz.

"Wohnungseinbrüche sorgen stark für Unruhe", schildert Heldwein die Erfahrung nach derartigen Ereignissen in den Vorjahren. 2018 hatte es fünf (2017: vier) solche Fälle gegeben, von denen aber drei reine Versuchsdelikte gewesen seien. Offenbar wirke sich dabei die Strafverschärfung als Verbrechen abschreckend aus. Im sogenannten Delikts-Ranking stehen nach wie vor Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz an der Spitze - mit 201 Fällen, gefolgt von Diebstählen (121) und Verstößen gegen das Waffengesetz (103). Erwähnenswert war noch, dass es die Polizei bei den Tatverdächtigen überwiegend mit Deutschen zu tun hatte - 562 Personen. Die Anzahl der tatverdächtigen Ausländer wird mit 321 angegeben, in dieser Gruppe machten Personen aus Tschechien mit 87 den größten Anteil aus.

85 km/h bei erlaubten 30

Vom Einsatz des Lasermessgeräts berichtete Manfred Liebl: "85 km/h ist schon eine Marke", so der Verkehrssachbearbeiter über das schnellste innerorts gemessene Fahrzeug, bei erlaubten 30 km/h. 200 Euro Bußgeld und ein Monat Fahrverbot seien dafür fällig. "In Deutschland ist das noch viel zu billig", äußerte Liebl seine persönliche Meinung. 2018 hatte die Polizeiinspektion 97 Geschwindigkeitsmessungen an 64 Tagen mit dem Laser durchgeführt und dabei 203 Fahrer beanstandet und diese Verstöße mit 12 Verwarnungen, 91 Anzeigen inklusive 6 Fahrverboten durch die Zentrale Bußgeldstelle geahndet.

Außerorts brachte es ein Fahrer auf der Bundesstraße 299 bei Pleußen auf 144 km/h bei erlaubten 100 km/h. Laut Liebl sind dafür 120 Euro Bußgeld fällig. Ein Thema war auch die Sperrung der Ortsdurchfahrt Waldsassen für den überregionalen Schwerlastverkehr. Im Schnitt ein Fahrer pro Werktag werde gestoppt; dieser müsse dann jeweils mit seinem Gefährt umkehren. In aller Regel seien es Ausländer, die gegen das Durchfahrtsverbot verstoßen. Sie müssten dann 103,50 Euro zahlen "ein Heidengeld für die Betroffenen", wie es hieß, angesichts des Bußgelds (75 Euro) plus Gebühren für Fahrer aus Polen oder aus der Ukraine.

Negative Auswirkungen

Die Bürgermeister Roland Grillmeier und Max Bindl erwähnten spürbare negative Auswirkungen im Zusammenhang mit dem Lkw-Durchfahrtsverbot in Waldsassen Viele Fahrzeuge würden gleich nach dem Grenzübergang bei Hundsbach die Bundesstraße über die sogenannte "Goldene Straße" in Richtung Münchenreuth fahren und dann weiter Richtung Konnersreuth und Mitterteich.

Bürgermeister Bernd Sommer unterstrich, dass die Bauarbeiten innerorts ohne Sperrung nicht zu bewältigen seien. "Es war berechtigt zu sperren", so Sommer auf einen Einwand von Regina Kestel. Die Sachgebietsleiterin am Landratsamt wusste von Anfragen im Zusammenhang mit der Sperrung, wo doch gar keine Baustelle zu sehen sei. Sommer meinte dazu, die Baustelle gebe es sehr wohl, und selbst jetzt staue sich der Verkehr zum Teil deswegen zurück bis nach Kondrau, "... auch ohne Lkw".

Michael Eckstein berichtete über die Arbeit der Schleierfahnder. 903 Aufgriffe seien vergangenes Jahr registriert worden; 25,6 Prozent mehr nach einem Rückgang im Vorjahr um 18,8 Prozent. Das Drogen-Phänomen "Crystal Speed" sei nach wie vor aktuell: Die sichergestellte Menge sei zwar um 75 Prozent rückläufig (425 Gramm, 1700 Gramm im Vorjahr). Auffällig sei aber, dass nun deutlich mehr Leute mit Kleinmengen unterwegs seien.

Bei den Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz seien 58,1 Prozent der Delinquenten aus Bayern und 19,3 Prozent aus anderen Bundesländern. Annähernd ein Viertel (22,6 Prozent) hat seinen Wohnsitz im Ausland - davon 55 Prozent in Tschechien und 27,1 Prozent in Österreich. Knapp die Hälfte der bayerischen Tatverdächtigen (48 Prozent) wohnen außerhalb des Regierungsbezirks Oberpfalz. Und mehr als ein Drittel (34,9 Prozent) der Täter, die aus Bayern nach Tschechien reisten und Betäubungsmittel beschafften, stammen aus dem Raum Franken. Hintergrund/Infokasten

Infobox:

Heimspiel für Roland Heldwein

Beim Sicherheitsgespräch im Unterrichtsraum der Polizeiinspektion Waldsassen mit dabei waren die Bürgermeister der Gemeinden im Zuständigkeitsbereich der Dienststelle: Bernd Sommer aus Waldsassen, Roland Grillmeier aus Mitterteich, Max Bindl aus Konnersreuth, Johann Burger aus Leonberg, Ernst Neumann aus Pechbrunn sowie Klaus Meyer aus Neualbenreuth und als Vertreterin des Landratsamts Regina Kestel. "Ich dachte mir, im ersten Jahr mach' ich ein Heimspiel", meinte Roland Heldwein, seit Anfang April Leiter der Polizeiinspektion. Als Vertreter der "Grenzpolizei-Gruppe", wie die frühere Fahndungsgruppe seit 1. Juli vergangenen Jahres heißt, mit am Tisch saß Michael Eckstein. Außerdem mit dabei waren Verkehrs-Sachbearbeiter Manfred Liebl und Daniel Ulrich: Er ist zurzeit kommissarischer Vertreter von Roland Heldwein.

Stellvertretender Inspektionsleiter Georg Ziegler hat seit 1. Februar bis voraussichtlich Ende Mai andere Aufgaben - als Personenschützer von Manfred Weber, bekanntlich Kandidat für den Posten des EU-Kommissionspräsidenten in Brüssel.

Beim Sicherheitsgespräch informierte Heldwein auch über den aktuellen Stand beim Aufbau einer Sicherheitswacht für Waldassen und Mitterteich: Bisher stehen vier Leute zur Verfügung. Ursprünglich hatten sich sechs Personen gemeldet, doch ein Bewerber sei wieder abgesprungen. Ein zweiter wegen seiner Vorstrafen für diese Aufgabe nicht geeignet gewesen, so Heldwein. "Die Ausbildung beginnt in Kürze", so schilderte der Polizeichef das weitere Vorgehen. Drei der vier Bewerber arbeiteten allerdings im Schichtdienst, weshalb sich die Schulungstermine für die Aufgaben in der Sicherheitswacht schlecht mit dem Hauptberuf vereinbare ließen. Bis Ende Juli sollten die Mitarbeiter der Sicherheitswacht einsatzfähig sein. Bei ihren ersten Streifengängen sollen sie von Mitarbeitern der Sicherheitswacht in Tirschenreuth unterstützt werden. "Viele können sich den Aufgabenbereich nicht vorstellen", so Heldwein über die geringe Resonanz auf die bisherigen Aufrufe. Die Erfahrung etwa in anderen Orten in der Oberpfalz habe aber gezeigt, dass sich Leute meldeten, wenn eine Sicherheitswacht erst einmal aufgebaut worden ist. "Wenn es einmal läuft, ist das Aufstocken kein Problem", so Heldwein, zumal auch finanzielle Mittel dafür vorhanden seien.

Hintergrund:

Bei der Krimialitäts-Entwicklung in den einzelnen Gemeinden ragt Waldsassen mit 926 Straftaten gegenüber 889 im Vorjahr heraus. Auch die Aufklärungsquote sei mit 90,2 Prozent (plus 0,7) leicht angestiegen. Deutliche Steigerungen seien bei der Rauschgift-Kriminalität (plus 32 Fälle, 22,5 Prozent) und bei der Straßenkriminalität (plus 17/41,5 Prozent) zu verzeichnen. Von 217 auf 289 im Jahre 2018 angestiegen ist die Anzahl der Fälle in Mitterteich. So wurden dort 14 Körperverletzungen mehr als im Vorjahr registriert, ein Anstieg von 46,6 Prozent. Rückläufig dagegen die Straßenkriminalität (minus 6 Fälle, 16,7 Prozent) und die Sachbeschädigungen (minus 11, 32,3 Prozent). Auch in Konnersreuth sind die Fallzahlen mit 25 deutlich über dem Vorjahresniveau (12). Der Anstieg der Zahlen ist auf eine Aufbruchsserie in Firmengebäude (8 Fälle) zurückzuführen. Deutlich rückläufig sind die Zahlen in Neualbenreuth – von 40 auf 19 Fälle. In Pechbrunn sanken die Zahlen laut Auflistung von 31 auf 21, bei einer Aufklärungsquote von 90,5 Prozent. In Leonberg ist die Anzahl der Fälle - 20 - im Vergleich zum Vorjahr unverändert.

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