Sechs attraktive, junge Männer auf einer Bühne gemeinsam. Das hat Sogwirkung. Links außen, erste Reihe, sitzen die Groupies. Es sind nicht viele und sie kreischen nicht richtig laut. Aber die Begeisterung ist hörbar. Das wirkt ansteckend, und die Mädels lieben ihn: Matze bleibt Matze, mit oder ohne Band. Der Abend ist garantiert gespickt mit Humor, ganz ohne „helau“. Der Wortverdreher grinst und weiß, warum.
Was will er wohl jetzt wieder mit seiner Geschichte über die einsame Wanderung mit Zelt nach Eslarn sagen? Matze auf dem Selbstfindungs-Trip, einer von all diesen „Jakobsweg-Eroberern“? Matze einer von diesen Luxus-Wanderern, die aktuell sämtliche Wanderwege der Welt überfluten, um hinterher zu flöten, sie hätten sich endlich selbst entdeckt dabei? „Na, echt Leute, jetzt. Des woar schei, wandern nach Eslarn“, sagt Matze, lacht dabei über sich selbst und in die Welt aus.
"... so schön wie eine Kuh"
Der Blues groovt, die Band hat’s drauf. Die sechs Jungs blödeln auf der Bühne, was das Zeug hält. Das gehört dazu, wenn Newcomer der neuen Comedy-Szene die Bühnen erobern wollen. Der weibliche Erste-Reihe-Fanclub ist schier verzückt. „Liebe Julia, hör’ mir zu, du bist so schön wie eine Kuh …“ Da rennt jede Julia meilenweit davon. Der Applaus gehört Matze & Band. Im Kunsthaus hat der junge Mann sowieso ein Heimspiel, seine Familie sitzt unter den Gästen, Freunde sind da. Ein bisserl mehr junges Publikum hätte es sein dürfen. Nur, Matzes Altersgruppe ist weg aus dem Stiftland, beim Studieren irgendwo in der weiten Welt – oder auf dem Faschingsball nebenan.
„Die Jungs haben mich gefragt, ob es hier Schulen gibt“, grinst Matze frech. „Ohhhhhhh.“ Das Publikum protestiert lachend. Dabei sei er gern daheim, lenkt er rasch ein. Ein Rap, lakonisch wird TV-Werbung auf die Schippe genommen. Was kommt jetzt? Göthe, der spielt Flöte. „Ich schrei’ mal ein Gedicht, weil Flötenspielen kann ich nicht.“ So ähnlich könnte es mit Goethe gewesen sein. Matzes Reime sind anders, manchmal mit Tiefsinn. „Anna, du machst mich Banana“ gehört zum Repertoire und verliert nicht an Würze mit Band-Background. „Passt scho, passt scho“ ist das Schlüsselwort, ab in die Pause. Pizza wird geliefert, die Jungs hatten Hunger, sie kehren gestärkt und stark gesteigert an Witz und Musikqualität aufs Bühnenparkett zurück. Der Song „Die Gleisarbeiter“, angelehnt am Westernsound, ist neu.
Keine Koi-Karpfen
Der Meuchelmord eines Psychopathen unter dem Titel „Ich sah dich am Mainufer stehen“ darf nicht fehlen, sehr zur Erheiterung aller. Wer Matze Wolf getauft wurde, kann sogar einen Fingernagel hintergründig besingen. Das Fernweh der Menschheit wird zum Beweis, dieser junge Musiker auch professionell: Matze besingt Afrika, als sei er selbst Afrikaner und der Sprache Suaheli mächtig. Beim Wüstentrip ahmt er perfekt die eindringlichen Gesänge eines Muezzin nach, der vom Minarett zum Gebet ruft. Der junge Mann ist talentiert in vielerlei Hinsicht. Die Persiflage über das Scheitern der Menschheit zieht sich wie ein Faden durchs Konzertprogramm. Klimawandel: „Könnt ihr schwimmen? Wir haben alle das Seepferdchen gemacht.“ Es folgt ein Schwimmlied, diesmal die Variante mit Tiefgang: „Du musst tief, tief tauchen, um nicht an der Oberfläche abzusaufen.“
Warum gibt es in der Oberpfalz keine Koi-Karpfen? Der Oberpfälzer Dialekt sei schuld, schmunzelt Matze. Weil die Oberpfälzer Fischzüchter würden Anfragen nach diesem Fisch immer antworten, natürlich hätten sie „koi Karpfen“. Hahaha, das ist Matzes Witz. Und er sitzt!



















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