"Eigentlich fühlt sich jeder jünger, als er ist", betonte Gerontotherapeut Georg Pilhofer am Dienstagnachmittag im Waldthurner Gesundheitszentrum. Dort hielt er im Rahmen der "Neun2727-Reihe" einen Vortrag zum Thema "Seelische Gesundheit im Alter". Um seine Aussage zu untermauern, berichtete der Diplom-Sozialpädagoge von einer 90-jährigen Frau, die ihm erzählt habe, dass sie nicht ins Altenheim wolle, da dort "lauter alte Leute" seien.
Pilhofer stellte die Bedürfnisse des Einzelnen in den Vordergrund und kritisierte, dass die Werbung das Idealbild des Menschen in der modernen Gesellschaft präge. In ihr erscheine jeder sympathisch, intelligent, gesund, attraktiv und jung. Tatsächlich erführen jedoch auch in der heutigen Zeit ältere Menschen so mancherlei Kränkungen. Sie erlebten etwa Einsamkeit und soziale Isolation. Viele fühlten sich unerwünscht. Hinzu kämen oftmals Langeweile, das Gefühl nutzlos zu sein oder auch körperliche Gebrechlichkeit, was eine eingeschränkte Lebensgestaltung zur Folge haben könne. Finanzielle Schwierigkeiten und Unsicherheiten kämen oft dazu.
Pilhofer sprach zudem über Grundbedürfnisse wie Essen, Trinken, Sexualität sowie Sicherheit, soziale Bindung, Selbstachtung und Selbstverwirklichung. Im Alter steige der Bedarf an Schlaf. Der Appetit gehe zurück. Pilhofer empfahl, genügend zu trinken sowie: "Gehen sie nicht zu früh ins Bett." Außerdem ermutigte er: "Denken sie auch daran, dass man nicht zu alt ist, um sich zu verlieben, auch wenn das familiäre Umfeld dies oft nicht versteht." Wichtig sei es, unter die Leute zu gehen. Auch sollte sich jeder Ruhe gönnen sowie Riten und einen beständigen Tagesablauf pflegen. Das Wichtigste sei aber, das Alter immer positiv zu sehen.
"Suchen Sie sich ein Hobby", empfahl er und lächelte. Ein geregelter Tagesablauf sei wichtig. Wer kann, solle selbst kochen oder, wenn möglich, in einem Altenheim essen. Gedächtnisübungen, Gehirnjogging, Lesen und Bewegung seien ebenfalls wichtig für die seelische Gesundheit. Wer glaube, komme besser durch psychische Krisen. Sinnvoll sei es zudem, Netzwerke zu schaffen. Institutionen der Gesundheits- und Altenhilfe in den Regionen der Oberpfalz könnten dabei behilflich sein.
Bei all den Alltagssorgen dürfe nicht vergessen werden: Senioren können bessere Marmelade kochen, häkeln, Geschichten erzählen, ohne Handy auskommen, Preise vergleichen und Geldsparen. Sie wüssten eine Amsel von einem Star zu unterscheiden, Gedichte aufzusagen, pünktlich zu sein und das Auf und Ab des Lebens zu erklären. Seinen Vortrag beendete Pilhofer mit einem Zitat Mahatma Gandhis: "Lebe, als würdest Du Morgen sterben – lerne, als würdest Du ewig leben."



















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