18.03.2019 - 08:55 Uhr
WaldthurnOberpfalz

Bühne der Dorfkultur

LandKultur trifft auf viele Erinnerungen: ZwischenSpielRaum „pflanzt kleine Eiche“ im alten Raiffeisengebäude in Waldthurn.

Eröffnung im alten Raiffeisengebäude von ZwischenSpielRaum. LTO Geschäftsführer Wolfgang Meidenbauer, Projekt-Leiter Adrian Wenck und Waldthurns Bürgermeister Josef Beimler (von links stehend).
von Franz VölklProfil

Was hat dieses Gebäude schon erlebt – Brauerei – Metzgerei – Bankgebäude – Lagerhaus. Gespannt waren am vergangenen Freitagabend viele Menschen aus der Region Waldthurn gekommen, um zu sehen, was aus dem alten Raiffeisengebäude im Schloßgraben Nummmer 1 geworden ist. Seit Jahrzehnten liegt das Gebäude brach. Mit dem Projekt „ZwischenSpielRaum“ des Landestheaters Oberpfalz (LTO), gefördert von der Bundesanstalt für ländliche Entwicklung im Rahmen der Ausschreibung LandKultur, hat man dem alten Gebäude neues Leben eingehaucht.

Vorerst war der fleißige Waldthurner Bauhof damit beschäftigt, Ordnung in das Innenleben zu bringen, was vorzüglich gelang. Zum anderen hat der Heimatkundliche Arbeitskreis eine Ausstellung „Waldthurn in alten Bildern“ auf die Beine gestellt. „Wir haben heute die Idee, mit Kulturarbeit Leerstand zu beleben. Das LTO hat keinen Veranstaltungsraum gesucht, sondern man will symbolisch eine kleine Eiche pflanzen, die aufgepäppelt werden soll, damit hier in Laufe der Zeit eine große starke Kultureiche entsteht“, sagte LTO-Geschäftsführer Wolfgang Meidenbauer und schwärmte von diesen betagten Räumlichkeiten, die einen gewissen Charme und Esprit ausstrahlen.

Laut LTO-Projektleiter Adrian Wenck wolle man die Bühne hier zur Bühne der Dorfkultur machen wie Blechmusik-Event, Fantasy-Lese-Nacht oder Fotoausstellung im Foyer. „ZwischenSpielRaum ist Plattform und Bühne für Kulturschaffende vor Ort“. Einer der spannendsten Aspekte des dörflichen Lebens sind die Geschichten, die sich ganz spezifisch um lokale Ereignisse oder Personen ranken. Man wolle gemeinsam mit verschiedenen Akteuren in den Gemeinden diese Geschichten sammeln, verdichten und auf die Bühne bringen – als dokumentarisches Theater die Vergangenheit der Region präsentieren. Viele der Besucher der Eröffnungsveranstaltung konnten sich noch genau daran erinnern, wo das Raiffeisenlagerhaus sein Verkaufstheke hatte und so mancher war überrascht, dass sich der alte Lastenaufzug Baujahr 1958 noch wie vor Jahrzehnten im Gebäude befindet.

„Tragkraft 600 Kilogramm - Personenbeförderung verboten“ steht heute noch hochoffiziell am stillgelegten Aufzug. „Wenn diese Mauern erzählen könnten“ blickte Bürgermeister Josef Beimler zurück. „Ich sehe heute noch genau, wie ich zusammen mit dem unvergessenen „Mühl-Bartl-Schorsch" samt Thomasmehl von der oberen Etage nach unten gefahren bin“. Trotz Verbot, sei man als junger Bursche gerne mitgefahren. Beimler freute sich, dass sich nun hinter diesen alten Mauern wieder Leben entwickelt, was zweifelsohne auch ein Verdienst des unterstützendem Amtes für ländliche Entwicklung (AlE) sei. Erik Bergner, Leiter der Abteilung Land- und Dorfentwicklung meinte, dass es sehr viel Potential vor Ort gebe, man wolle es unterstützen, heben und die „symbolische Eiche mächtig werden lassen“.

Julian Struck aus Regensburg trug sehr ausdrucksvoll einige Heimatsagen des Oberbernriether Kulturpreisträgers Georg Schmidbauer vor. Musikalisch und gesanglich unterstützt wurde er von Theresa Weidhas aus Weiden und den Nabburger Gitarristen Daniel Pfeifer. Gekonnt nahm Struck die interessierten knapp 100 Zuhörer mit auf die Reise zum Oberbernriether Wetterhorn, dem Brauburschen von Waldthurn und berichtete von der Entstehungsgeschichte von Brünst, Rehberg, Birkenbühl und Mangelsdorf.

LTO-Projektleiter Wenck nannte drei Termine, an dem Interessierte die Ausstellung im Raiffeisengebäude besichtigen können aber auch ihre Ideen, Wünsche und Geschichte hinsichtlich der Dorf- und Lebensgeschichten in und um Waldthurn unkompliziert vor Ort vorstellen: Dienstag, 19. März, von 19.30 Uhr bis 21.30 Uhr; Montag, 1. April, von 18 Uhr bis 20 Uhr; Sonntag, 14. April, von 14 bis 16 Uhr. Man habe am Gebäude einen Briefkasten angebracht, in dem man seine Ideen „einwerfen“ könne. Projektleitung und Ansprechpartner: Adrian Wenck (Kontakt: a.wenck[at]landestheater-oberpfalz[dot]de). Das LTO spielt im alten Raiffeisengebäude (Schloßgraben 1) zwei Stücke:

„Die Kellnerin Anni“ Donnerstag, 2. Mai, um 20 Uhr. Freitag, 3. Mai, um 19 Uhr „Die Wanze“, Samstag, 4. Mai, um 16 Uhr; Sonntag, 5. Mai, um 16 Uhr. Tickets gibt es im Kartenbüro in Leuchtenberg, Telefon 09659/93100 oder an der Abendkasse.

Was ist der ZwischenSpielRaum?:

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat mit der Ausschreibung „LandKultur" kulturelle Innovations- und Modellvorhaben mit Strahlkraft im gesamten Bundesgebiet zur Projekteinreichung aufgefordert. Das Landestheater Oberpfalz (LTO) hat mit seinem Projekt ZwischenSpielRaum das Bundesministerium derart überzeugt, dass das LTO als erstes Modellvorhaben überhaupt einen positiven Förderbescheid bekommen hat, mit dem in den kommenden drei Jahren maßgeblich zur kulturellen Bereicherung des ländlichen Raumes in der Oberpfalz beitragen wird.

Das LTO wird mit drei Dörfern in drei Landkreisen der nördlichen Oberpfalz zusammenarbeiten, um in einem dörflichen Leerstand im Ortskern eine temporäre Bühne als ZwischenSpielRaum zu etablieren. Gerade im ländlichen Raum gehen immer mehr sogenannte „Dritten Orte" - also Orte des Zusammenseins und der sozialen Begegnung neben der Arbeit und der Privatwohnung verloren. Das LTO etabliert hier einen temporären Dritten Ort in einem dörflichen Leerstand, um als Begegnungsstätte, als Freiraum und Spielstätte zu fungieren.

Projektleitung und Ansprechpartner: Adrian Wenck (a.wenck[at]landestheater-oberpfalz[dot]de). Spielstätte des LTO für den (Teil-)Projektzeitraum: Zum einen dient die Bühne dem Programm des Landestheaters Oberpfalz als Spielstätte - professionelles Theater aus dem Gastspielprogramm wird dort zur Aufführung kommen. Als Landestheater hat LTO extensive Erfahrung mit temporären Bühnenstrukturen- und wer im Schwimmbad Theater spielen kann, schafft das auch in nahezu jedem Leerstand.

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