24.01.2020 - 10:55 Uhr
WaldthurnOberpfalz

Ehre, wem Ehre gebührt

Josef Müllner ist neuer Ehrenbürger von Waldthurn. Die Gemeinde würdigt seine Verdienste mit einem großen Festakt.

Josef Müllner dirigiert "seine Trachtenkapelle", die zum Abschluss des Festaktes der Ehrenbürgerernennung den Waldthurner Jubiläumsmarsch spielt.
von Franz VölklProfil

„Jetzt ist klar, ich bin nicht mehr allein“, resümierte der frühere Waldthurner Pfarrer Andreas Renner am Mittwoch. Der aus Haselbach mit seiner Pfarrköchin angereiste Geistliche war bisher der einzige lebende Ehrenbürger der Marktgemeinde. Bei einem Festakt im Rathaus wurde nun der 80-jährige Josef Müllner, kurz „Siffert-Sepp“, diese überaus große Ehre zuteil.

Die Marktgemeinde mit Bürgermeister Josef Beimler zelebrierte diese höchste Auszeichnung, und es war alles da, was Rang und Namen hatte. Neben der Familie von Müllner nahmen auch stellvertretende Landrätin Margit Kirzinger sowie Pleysteins ehemaliger Bürgermeister und Ehrenbürger Hans Walbrunn am Festakt teil.

„Sie sind ein Vollblutmusiker, durch Sie schallt die Musik durch Gotteshaus und durch die Gemeinde“, meinte Renner. Er erinnerte an seine Zeit als Pfarrer in Waldthurn (1970 bis 2000) und erklärte, dass in diesen drei Jahrzehnten dem bereits verstorbenen früheren Bürgermeister Ludwig Bergmann und dem Landtagsabgeordnete Gustl Lang diese hohe Ehre der Marktgemeinde Waldthurn zuteil geworden war.

Müllner habe sein Leben der kirchlichen und weltlichen Musik gewidmet. Dies war eine große Aufgabe, die er trotz gesundheitlicher Einschränkung erfüllt habe. „Ich gratuliere meinem Ehrenbürgerkollegen Josef. Möge ihm diese Ehrung innere Freude bereiten und mit Gottes Segen, Kraft und Hilfe, soll die Harmonie der Musik im Herzen immer weiterleben.“

„Müllner war und ist auch heute noch immer für die Musik bereit“, lobte Pfarrer Norbert Götz „seinen Nachbarn“, der im vergangenen Jahr durch Bischof Rudolf Voderholzer für sein 70-jähriges musikalisches Wirken für die Kirchenmusik gewürdigt wurde. Müllner entstammt aus der „Türmer (Turner)-Dynastie“ und hat sich seit 71 Jahren der Kirchenmusik verschrieben.

Bürgermeister Josef Beimler sagte, dass die Gemeindeordnung der Marktgemeinde es vorsieht, das Ehrenbürgerrecht zu vergeben. Der Marktrat habe die Verleihung an Müllner einstimmig beschlossen. Diese höchste Auszeichnung gehe an Persönlichkeiten, die in enger Verbindung zur Gemeinde stehen, sich durch besondere Leistungen für die Allgemeinheit hervorgetan haben und das Ansehen des Marktes gemehrt haben. All diese Voraussetzungen vereinen sich in Müllner, betonte Beimler.

Mit der Ehrung wolle die Kommune etwas von dem zurückgeben, was Müllner für das Gemeinwesen geleistet hat. Der Laudator nannte Müllner ein echtes Waldthurner Urgestein, der neben seinem Beruf als Maurer und seiner Familie sich in jeder freien Minute der Musik widmete. 1957 trat der Vollblutmusiker in den Gesang- und Orchester und übernahm 1993 den Taktstock von seinem Onkel Sepp, dem „Turner-Sepp“, und hatte 22 Jahre Verantwortung als Chorleiter. Anlässlich des Heimatfests 1992 übernahm Müllner auch den Jugendchor, aus dem der Frauenchor „Vera Musica“ hervorging.

21 Jahre bis zur Auflösung 2014 dirigierte er seine Damen, die sich als Überraschungsgäste unter der Leitung von Manuela Grünauer am Ehrentag für noch einmal formierten und dem Ehrenbürger musikalisch und auch live eine Rose überreichten. 15 Jahre lang übernahm Müllner auch Verantwortung im Kinderchor, von 1993 bis 2018 war er Leiter des Kirchenchors.

„Der ,Siffert‘ war fast eine Generation der Leiter aller Chöre“, stellte der Rathauschef sichtlich beeindruckt fest. Damit nicht genug, auch in der Trachtenkapelle Müllner fand sich Müllner wieder. Auch hier übernahm er den Taktstock von seinem Onkel 1992 und war bis 2013 der Leiter. So war natürlich seine Trachtenkapelle mit Josef Pflaum senior an der Spitze angetreten, um ihrem ehemaligen „Taktgeber“ ein Ständchen zu spielen, wobei er am Ende des Festakts seine Trachtenkapelle mit dem berühmten Waldthurner Jubiläumsmarsch dirigierte. Müllner ist Träger der Zelter-Plakette für den Gesang- und Orchesterverein, erhielt vom Landkreis 2011 den Kulturpreis und auch den Bayerischen Landespreis „Reife Leistung“, den er mit „Blacky“ Fuchsberger auf der Bühne empfangen durfte. Für die Trachtenkapelle Müllner sprach Birgit Bocka, die meinte, dass Müllner seit 1949 in und um Waldthurn musikalisch unterwegs sei.

Die Worte „Ich habe keine Zeit“ komme im Vokabular des neuen Ehrenbürgers in Sachen Musik sehr selten vor. 21 Jahre fungierte er als der Leiter der Kapelle und erhielt durch den nordbayerischen Musikbund er verschiedene Ehrungen. Viele musikalische Höhepunkte hatte es unter seiner Leitung gegeben: Frühjahrskonzerte, „Wettstreit nach Noten“ in Pilsen oder 425 Jahre Blasmusik in Waldthurn, um nur einige zu nennen.

„Musik ist nicht alles, aber ohne Musik ist alles nichts“, zitierte Bernhard Unger vom Gesang- und Orchesterverein Waldthurn das Lebensmotto des neuen Ehrenbürgers. Kein anderer habe sich um den Gesang und die Musik so verdient gemacht wie Müllner. „Du hast in Waldthurn ein Riesenstück Kultur aufgezogen und gelebt.“ Mit dem Eintrag ins Goldene Buch des Markts endete der Festakt.

Der neue Ehrenbürger Josef Müllner
Eintrag ins Goldene Buch der Marktgemeinde Waldthurn
Josef Müllner dirigiert "seine Trachtenkapelle", die zum Abschluss des Festaktes der Ehrenbürgerernennung den Waldthurner Jubiläumsmarsch spielt.
Bürgermeister Josef Beimler, Josef Müllner und Margit Kirzinger (von links)
von links: Bürgermeister Josef Beimler, Birgit Bocka, Pfarrer Norbert Götz, Ehrenbürger Josef Müllner, Bernhard Unger, stellv. Landrätin Margit Kirzinger aus Waidhaus und der frühere Waldthurner Pfarrer und Ehrenbürger Andreas Renner

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