13.02.2020 - 08:57 Uhr
WaldthurnOberpfalz

Füße spielen eine tragende Rolle

Lieber Plattfuß als Hohlfuß - bei einem interessanten Vortrag informiert Schuhtechniker Horst Schedl in Waldthurn über verschiedene Fußerkrankungen. Sein Tipp: Der richtige Schuh und Übungen.

Schuhtechniker Horst Schedl (Mitte stehend) zeigt den Teilnehmern eine Übung mit dem Gummiband, die den Fußmuskels trainiert.
von Franz VölklProfil

Er kam direkt von einer Schulung aus den Niederlanden nach Waldthurn. Im Rahmen des NEUN2727- Programms engagierte Koordinatorin Doris Völkl den Neustädter Meister der Schuhtechnik Horst Schedl, der sein Geschäft in Weiden betreibt. Ein Fußskelett war für den 35-Jährigen das Hauptarbeitsgerät, an dem er die einzelnen Abläufe im Fuß beim Gehen zeigte.

„Füße spielen eine tragende Rolle – sie verdienen perfekte Schuhe“, lautete das Thema. Schedl hatte viele verschiedene „Muster-Schuhe“ mitgebracht und baute den Gemeinschaftsraum des Gesundheitszentrum in ein regelrechtes Schuhzentrum um. „Allgemein kann man sagen, dass der richtige Schuh derjenige ist, der auch tatsächlich gerne angezogen wird“, meinte Schedl.

Der Plattfuß sei nicht so schlecht wie sein Ruf, meinte der Experte. Die effektivsten Übungen für Menschen mit der klassischen Fußerkrankung Plattfuß (50 Prozent Veranlagung) sei ganz einfach: Auf die Zehenspitzen stellen, immer wieder hochheben und nach unten. Zweimal am Tag, wie beispielsweise beim Zähneputzen seien ideal. Auch das „Anschleichen“ – das vorsichtig mit den Zehenspitzen auftreten, sei schon hilfreich.

Laut Schedl werde der sogenannte Hohlfuß vollkommen unterschätzt. Er sei sehr gefährlich, da sich viele Probleme für den kompletten Bewegungsapparat ergeben können. Durch die fehlende Dämpfung komme es früher zu Knie- Hüft- und Bandscheibenproblemen. Bei leichtem Hohlfuß kann man über klassische Einlagen den Druck vermindern. Ist der Hohlfuß fortgeschrittener, kann man über Therapiesohlen die Spannung aus dem Fuß herausbekommen. Als Gegenmaßnahme sollte man die Fußsohle dehnen und lockern. Die beste Übung sei hierfür: „Mit der ganzen Fußsohle über einen Tennisball fahren und dort bleiben, wo der Schmerz am größten ist – nehmen Sie aber keinen Igelball.“

Der „echte Fersensporn“ sei der verknöcherte Ansatz der Plantarsehne. Durch Überbelastung oder Kalziumübersättigung kann diese Verknöcherung entstehen. Man kann dies ärztlich behandeln oder durch einen Orthopädieschuhmachermeister eine Einlage bauen, bei der der Druckpunkt unter der Ferse tief gelegt und gepolstert wird, was bei 85 Prozent die Lösung bringt.

Laut Schedl handelt es sich bei 75 Prozent der Fersensporne um den sogenannten falschen Fersensporn. Der Schmerz nehme dabei bei Belastung zu und komme von einer Vorfußdeformität. Mit einer Therapiesohle könne man sehr schnelle Erfolge erzielen. Ursächlich sei oft falsches Schuhwerk. Nicht haltbar sei das Argument, dass sich die Schuhe schon noch „einlaufen werden“. Schlecht sei, wenn der Fuß oder die Zehen den Schuh festhalten müssen, was bei Flip-Flops der Fall sei.

Am Schluss zeigte der Experte, wie mit einem Gummiband die Bewegung der Fußmuskels trainiert werden kann, um den Hallux Valgus (Verformung der Großzehe) zu bessern. Bei dieser Fußerkrankung sei es problematisch, die richtigen Schuhe zu finden.

Bei der Fußerkrankung Hallux Rigidus hingegen handle es sich um eine Einschränkung der Beweglichkeit im Großzehengrundgelenk, die oftmals schmerzhaft ist und gravierende Folgen für den gesamten Bewegungsapparat habe. Hier sei eine Operation oder die konservative Versorgung, mit Einlagen und richtige Schuhe zu empfehlen. Selbst könne man mit dem Daumen die große Zehe nach oben ziehen und in leicht gezogenen Zustand die Bewegung nach oben und unten machen (2 bis 5 Minuten).

Vorfußschmerzen stellen ein sehr breites Feld dar, was einer genauen Untersuchung bedarf. Das schlechteste was man den Fuß antun könne seien Absätze, barfuß gehen sei geradezu ideal. Im bestmöglichen Barfußschuh habe man viel Platz für die Zehen und der Schuh hat keinen Absatz. Dünne Barfußschuhe seien gut, aber nicht auf Teer. Von Zehenschuhen hält Schedl nichts, Zehensocken seien besser.

Schuhtechniker Horst Schedl (links) zeigt an einem Fußskelett mit dem Gummiband das Training des Fußmuskels.
Meister der Schuhtechnik Horst Schedl.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.