06.02.2020 - 11:28 Uhr
WaldthurnOberpfalz

Herzexperte rät: Glimmstängel und Pfunde weg

„Trinken Sie ein Glas Rotwein, dann wissen Sie morgen noch, was ich heute erzählt habe“, gibt Professor Robert Schwinger im Waldthurner Gesundheitszentrum als abschließenden Rat. Rotwein habe eine positive Wirkung auf das Herz.

Prof. Robert Schwinger (stehend links) und NEUN2727-Koordinatorin Doris Völkl beim Vortrag im Waldthurner Gesundheitszentrum.
von Franz VölklProfil

NEUN2727-Koordinatorin Doris Völkl hatte zum Vortrag „Risiko Lebensstil: Was kann ich selbst für mein Herz tun?“, den über 60 Interessierte hören wollten, einen echten Experten engagiert. Dabei hatte der Spezialist des Kardiologischen Zentrums viele umfangreiche Ratschläge mitgebracht. Die solle man unbedingt daheim auch den Jüngeren erzählen. „Je jünger man ist, desto wichtiger ist es, für das Herz etwas zu tun“, ist sich der Niederbayer sicher, der jetzt in der Oberpfalz lebt.

Er sprach über die Koronare Herzkrankheit (KHK), eine Gefäßverkalkung der Herzkranzgefäße, als Grunderkrankung des Herzinfarktes. Sie entstehe durch Ablagerungen in den Wänden der Herzkranzgefäße, die das Herz mit Blut versorgen, die sogenannte Arteriosklerose. „Sie entwickelt sich über Jahre und Jahrzehnte in einem schleichenden Prozess.“

Der Mediziner stellte die einzelnen Stadien der Arteriosklerose, teilweise anhand von Originalfotos vor. „Schon die alten Ägypter hatten verkalkte Arterien“, behauptete er.

Bei einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt) kommt es infolge einer Durchblutungsstörung des Herzens zum Absterben von Herzmuskelgewebe. Schwinger nannte das Herz den „Motor des Körpers“. Es leiste wesentlich mehr als ein Mercedes oder Porsche, ganz ohne Ölwechsel. „Nur sollte man mit ihm hin und wieder mal zum Kardiologen gehen.“ Schwinger sprach über Vorhofflimmern, Herzklappenfehler und Scheidewanddefekte.

Der Vulkanausbruch in der Gefäßwand – der Herzinfarkt – sei Killer Nummer eins in Deutschland. „Wir Menschlein können nur die großen Gefäße am Herzen behandeln, die kleinen machen aber ebenso Probleme.“ Bei der Hälfte aller Problematiken werden die Herzkranzgefäße verstopft, man verspürt Atemnot oder Herzstechen. Jeder Herzinfarkt könne zum Tod führen. „Holen Sie beim kleinsten Herzschmerz den Notarzt. Die 112 ist hier die richtige Nummer.“

Er bedauerte, dass Patienten zu spät den Notarzt riefen und empfahl, lieber einmal zu viel als zu wenig anzurufen. „Bei einem Herznotfall setzt sich der Notarzt sofort mit den in Bereitschaft befindlichen Kardiologen im Weidener Klinikum in Verbindung, übermittelt das EKG, sollte ein Katheder nötig sein, ist dieser bei der Einlieferung bereit.“ So spare man wertvolle Zeit.

Zu viel Sport und zu wenig Sport seien schlecht, so der Mediziner. „Triathleten und Marathonläufer leben wegen ihres Sport auch nicht länger.“ Regelmäßige Bewegung bringe aber eine sichtliche Erhöhung der Lebensqualität.

Ausdauerbewegung hat bei Patienten mit KHK vielfältige Wirkungen wie verbesserte Lebenserwartung, Leistungssteigerung, die Krankheit wird gebremst, die Zahl der Krankenhausaufenthalte wird verringert. „Vollkommene Bettruhe ist passé – dies gilt auch für Herzpatienten.

Ein Drittel dessen, was wir essen, genügt zum Leben, von den anderen zwei Dritteln lebt der Arzt.

Professor Robert Schwinger

„Machen Sie fünf Mal in der Woche für 30 Minuten Sport wie flottes Gehen, Laufen, Nordic Walking oder auch Radfahren. Der Kalorienverbrauch bei 30 Minuten Radfahren beträgt 190 Kilokalorien. Vier Stunden Spazierengehen verbrennen 200 Kilokalorien, 20 Minuten Joggen 225 Kilokalorien und 5 Stunden Wandern 500 Kilokalorien. Im Vergleich: Ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte enthält genau diese 500 Kilokalorien.

Zur Ernährung hatte der Chefarzt eine Gleichung dabei: „Ein Drittel dessen, was wir essen, genügt zum Leben. Von den anderen zwei Dritteln lebt der Arzt.“ Um Übergewicht zu vermeiden, solle man mediterrane Kost bevorzugen, wenig Brot, Kartoffeln und Nudeln essen und auch wenig Wurstwaren konsumieren. „Lassen Sie auf jeden Fall die problematische Streichwurst weg.“

80 bis 90 Prozent der koronaren Herzerkrankungen seien auf den heutigen Lebensstil zurückzuführen. Falsche Ernährung mit zu viel Kalorien, zu viel Fett und zu viel Zucker sowie zu wenig Bewegung, Rauchen, Zuckerkrankheit und Stress seien die Ursachen. „Weniger Medikamente sind oft mehr“, lautete eine weitere Empfehlung Schwingers. Allerdings unterschied er dabei nicht beeinflussbare Risikofaktoren wie Alter und Gene von beeinflussbaren Risikofaktoren. Dass Schmerztabletten wie Aspirin gegen einen Schlaganfall vorbeugen, nannte er einen Irrglauben. „Sie begünstigen höchstens Magenblutungen.“

„Rauchen aufzuhören ist die beste Medizin.“ Der Konsum des Glimmstängels fördere das Herzinfarktrisiko um das Dreifache, hoher Blutdruck um das Zweifache und erhöhter Cholesterinspiegel ebenfalls um das Zweifache. Kommen zwei von diesen drei Faktoren zusammen, steigere dies das Risiko eines Herzinfarktes sogar um das Neunfache.

Motor des Körpers:

Das Herz schlägt ganz ohne Pause etwa 4200 Mal pro Stunde – das sind 100.000 Mal am Tag, 37 Millionen Mal pro Jahr und rund 2,6 Milliarden Mal in einem 70-jährigen Leben. Dabei pumpt es über 180 Millionen Liter Blut durch den Körperkreislauf. (fvo)

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