09.05.2019 - 08:34 Uhr
WaldthurnOberpfalz

Kein Stress mit dem Schlaf

Schlaf und seine Bedeutung für die Gesundheit stehen im Mittelpunkt eines Expertenvortrags in Waldthurn. Viele Teilnehmer wollen sich darüber informieren, wie sich Schlafprobleme vermeiden lassen.

NEUN2727-Koordinatorin Doris Völkl (links) und Dr. Markus Wittmann freuen sich über das große Interesse am Vortrag über den Schlaf.
von Franz VölklProfil

"Welcher Chronotyp sind Sie - Eule oder Lerche?", fragte am Dienstagabend Dr. Markus Wittmann, der seit 2017 ärztlicher Direktor des Bezirksklinikums Wöllershof ist. Der Experte war im Rahmen des Projekts "NEUN2727 - gut leben im Waldthurner Land" ins Gesundheitszentrum gekommen und sprach eindrucksvoll vor fast 50 Interessierten über den Schlaf und seine Bedeutung für die Gesundheit.

"Die Thematik Schlaf betrifft uns alle und dies jeden Tag", meinte NEUN2727-Koordinatorin Doris Völkl einleitend. "Es gibt Frühaufsteher - genannt Lerchen, Normaltyp und die Spätaufsteher - die Eulen", erklärte Wittmann. Anders als die "Lerchen", die gut aus den Federn kommen und morgens besonders leistungsfähig sind, gebe es "Eulen". Das seien Menschen, die abends sehr spät müde werden. Selbst wenn sie ausgeschlafen sind, brauchen sie am Morgen lange, bis sie richtig fit und konzentriert sind.

Unfälle als Folge

Laut Wittmann gebe es viele Schlafstörungen und es entstehe dadurch nicht nur eine Beeinträchtigung der Gesundheit, sondern auch ein großer volkswirtschaftlicher Schaden. Arbeitsfehlzeiten, Arbeitsunfälle aber auch Verkehrsunfälle aufgrund schlafbezogener Störungen treten hier oftmals auf.

Wittmann erklärte, warum der Mensch überhaupt schläft. Der Schlaf ordne das Gehirn und die Informationen des Tages neu. Es werde das Nervenwachstum angeregt, wodurch Informationen im Gedächtnis verankert werden. Ohne Schlaf könne man nicht lernen. Bedingt seien Schlafstörungen oft durch Lärm, Jetlag, Sorgen, Depressionen, Kaffee und Medikamente, aber auch durch körperlich bedingte Schlafstörungen wie Schnarchen, Schlafapnoe, Wadenkrämpfe, Wechseljahre, Schmerzen oder ruhelose Beine (Restless legs). Letztere könnten aber medikamentös gut behandelt werden.

Veränderungen im Alter

Der Experte sprach über die einzelnen Schlafphasen und meinte, dass sich mit dem Alter der Schlaf verändert und weniger werde. Häufiges Erwachen, weniger Tiefschlaf, tagsüber mehr Bedarf an Schlaf. "Veränderte Einschlaflatenz und zeitiges morgendliches Erwachen seien weitere Veränderungspunkte. Ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung klage über Schlafstörungen. Davon leiden 19 Prozent an schweren Verläufen. Wittmann erläuterte die sogenannte Schlaftreppe und das Konzept der Schlaflast. Jeder habe ein Schlafkonto, jeder hat seinen Tagesbedarf an Schlaf - meistens zwischen 7 und 9 Stunden, fünf Prozent weniger als 6 Stunden, fünf Prozent mehr als 10 Stunden. "Wenn wir diesen Schlaf nicht regelmäßig hereinholen, dann entsteht eine Schlafschuld." Diese addiere sich über Tage und Wochen zu einer Schlaflast, die zunehmend müde macht.

"Der frühe Vogel fängt den Wurm" sei aus schlafmedizinischer Sicht falsch. Ideal wäre die Arbeitszeit von 10 Uhr bis 18 Uhr - diese Arbeitstaktung gebe es aber selten. Das Dreischichtsystem in verschiedenen Berufsgruppen bringe alles durcheinander. Bestimmte Faktoren seien die Zeitgeber unserer Umwelt: Licht am Morgen und Dunkelheit am Abend, Geräuschpegel der Umwelt und die Aktivitäten anderer Menschen. Die Teilnehmer hatten viele Zwischenfragen.

Tipps für gesunden Schlaf:

Dr. Markus Wittmann erläuterte einige Regeln der Schlafhygiene. Dabei sei es wichtig erst ins Bett zu gehen, wenn man müde ist, keine stimulierenden Getränke wie Kaffee, Tee zu sich zu nehmen oder auf übermäßiges Rauchen nachmittags und am Abend zu verzichten. Vorsicht sei geboten bei Alkohol und Schlafmitteln. Gerade Alkohol als Einschlafhilfe sei der Anfang von riesigen Schlafproblemen.

Auch übertriebene Befürchtungen um den Schlaf solle man vermeiden und vor dem Zubettgehen solle man „Abschalten“. Hierbei hat Meditation den größten Effekt – wenn das Gehirn nichts denkt hat es Ruhe und fährt das ganze System herunter. Das Beten eines Rosenkranzes kann beispielsweise durch die monotonen Wiederholungen zu tiefer Entspannung führen. Die von Schlafexperten verabreichten Medikamente seien Antidepressiva, die nicht süchtig machen, wirken nicht stimmungsaufhellend, was wichtig sei. „Schauen Sie einfach mal eine Weile dumm. Nichts zu denken, ist pure Erholung für das Gehirn. Powernapping - das Nickerchen zwischendurch am Mittag - kann sehr gut sein, dürfe aber nicht zu lange dauern.

Ein kalter Wadenguss vor dem Schlafengehen wirke durchblutungs- und schlaffördernd. Beim Aufwachen in der Nacht könne man mit einem Glas kalten Wasser den Vagus-Nerv beruhigen. Wichtig sei im Schlafzimmer Lichtquellen zu vermeiden, auch das blaue Licht vom Handy und TV sind nicht schlaffördernd.

Der Schlaf vor dem Fernseher sei zwar gemütlich - anschließend können aber viele im Bett nicht mehr schlafen.

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