26.03.2019 - 11:23 Uhr
WaldthurnOberpfalz

„Kinder wie die Zeit vergeht“

Selten dürfte eine 90-jährige Jubilarin ein so hübsches, frisches und junges Gesicht an den Tag gelegt haben: die Kindertagesstätte in Waldthurn.

Kita-Kinder singen beim Festgottesdienst in der Kirche
von Franz VölklProfil

Am Sonntag feierte die Kindertagesstätte (Kita) St. Josef Jubiläum. Beim Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Sebastian waren die Mädchen und Buben der Kita diejenigen, die ihren „Geburtstagsgottesdienst“ auch musikalisch begleiteten. „Wachse und gedeihe“ war das Thema der Festmesse, die Pfarrer Norbert Götz und der frühere Pfarrer von Waldthurn, Andreas Renner zelebrierten. „Wachse und gedeihe - seit 90 Jahren bemühen sich in der Kindertagesstätte St. Josef Menschen, die alle mithelfen, damit gute Früchte entstehen“, meinte Pfarrer Götz. Am Ambo stehe ein Strauch, der ein „rechter Stierl“ sei. Auch dieser könne Früchte tragen, so wurde dieser mit Wasser, symbolisch mit guten Freunden, Liebe, Familie, Hilfsbereitschaft und vielen mehr versorgt. Die Kinder hängten gebastelte Äpfel mit ihrem Bild daran und so entstand ein früchtetragender roter, kleiner Baum.

Manche der ganz Kleinen trauten sich nicht alleine zum Altar, aber zusammen mit den Eltern fanden sie dann doch den Weg nach vorne. Die Kinder versprühten im Kirchenportal Lebensfreude pur und hatten gesanglich ihre Geburtstagsfeier fest im Griff. Ob im Chor rund um das Taufbecken oder als Solisten, die logischer Weise ihren Part ohne schriftliche Vorlage singen mussten, da sie bekanntlich des Lesens nicht mächtig sind, was aber der Souveränität und der gesanglichen Darbietung keinen Abbruch tat. Sie hatten schon mal zwischendrin ein kleines verstohlenes Winken für Oma und Opa bereit. Die kleinen Kirchensänger entsandten aus ihren Reihen Lea Graf, Anna Weig, Lea Grünauer, Jakob Troidl, Alena Tretter und Carla Friedl zu ihren Soli und ließen den Gottesdienst zu einer echten Geburtstagsfeier zur Freude Gottes werden. Kornelia Kraus, die für die musikalische Erziehung zuständig ist, hatte ganze Arbeit geleistet. „Gebt den Kindern ihren Platz“ war das Abschlusslied der Festmesse, in das auch das Erziehungspersonal mit einstimmte. Im Anschluss begrüßte Kirchenpfleger Max Kick in der Turnhalle der Grundschule die Festgäste des Tages, unter ihnen die frühere Oberin der Oberzeller Schwester, Sr. Veridiana Dürr. Die Schwestern aus dem Raum Würzburg haben das „Sein“ der Kindertagesstätte in den letzten neun Jahrzehnten maßgeblich geprägt, Kindergartenschwester Eunomia gab 2003 die Leitung an die jetzige Leiterin Sonja Kick ab. „Die Oberzeller Schwestern hatten 1928 in Abstimmung mit dem damaligen Pfarrer Georg Haller begonnen, die Betreuung der Kinder im Kindergarten zu übernehmen“, resümierte Max Kick. Besonders gratulierte er Beata Willeke-Reiser von der Kinderkrippe, die erst vor einigen Tagen die Prüfung für die Krippenpädagogik beim Bildungswerk der bayerischen Wirtschaft und den Bachelor of Arts bei der Katholische Stiftungshochschule abgelegt hatte.

„Kinder wie die Zeit vergeht“, meinte Pfarrer Götz beim Festakt. Wenn er seinen Vor-Vorgänger Pfarrer Andreas Renner anschaue, habe dieser alleine ein Drittel dieser 90-jährigen Kindergartenzeit in Waldthurn als Pfarrer miterlebt. Wenn man die Zeit von seinem Vorgänger Pfarrer Marek Baron dazurechne, habe man schon mit insgesamt 47 Jahren mehr als die Hälfte dieser Zeit begleitet. Die Einladung der Ehrengäste zum Festakt solle ein Vergelt`s Gott sein.

„Ihr habt es heute beim Gottesdienst gesehen, ich datsche schon etwas daher – mir geht es schon fast so wie alten Leuten“, meinte der 88-jährige ehemalige Pfarrer von Waldthurn Andreas Renner mit einem Lächeln im Gesicht. Er denke gerne zurück an die Zeit in Waldthurn, obwohl ihm im Jahr 1970 von seinem Schwandorfer Pfarrer davon abgeraten wurde. „Von den 90 Jahren Kindergarten bin ich 30 Jahre hier in Waldthurn gewesen und vieles habe auch mit den Leuten hier zu tun“. Wie ist es zu einer Martinsfeier in Waldthurn am 11.11. gekommen? Kinderschwester Laeta Laumer (März 1070 bis August 1983 in Waldthurn) hatte 1978 diese Idee, stand vor dem Pfarrhof mit den Kindern und sang ein Martinslied. Seit dieser Zeit wurde eine Martinsfeier offiziell gehalten. Der Waldthurner Ehrenbürger erinnert sich auch gerne an die Josefsmessen im Kindergarten, an die sich immer ein ausgiebiges Frühstück mit den Schwestern und Pfarrer Joseph Greil angeschlossen hat und sich bis zum Mittagessen hinzog.

Bürgermeister Josef Beimler gratulierte der Bildungseinrichtung und dankte für das „Gutaufgehobensein“ der Kinder. „Ohne das Kloster Oberzell könnten wir heute dieses Jubiläum nicht feiern.“ In Waldthurn habe man einen kirchlichen Kindergarten, auf den alle stolz sind.

Leiterin Sonja Kick sprach von ihren Anfängen in der Kita und erinnerte an den verstorbenen Josef Grundler, der zu Beginn ihrer Zeit immer wieder kam, um Papier für die Kinder zubringen, damit sie malen können.

Auch die Waldthurnerin Gretl Pflaum, die am Sonntag 80. Geburtstag feierte, nannte Kick. Diese nähte Vorhänge für die Kita und fertige aus alten Schirmen Wimpel, damit diese am Sommerfest als Dekoration dienten. „Die Waldthurner halten zusammen und unterstützen ihren Kindergarten“. Kick erwähnte und dankte ihren Kindergartenbegleiterinnen Adelheid Meier, Tanja Schwarz, Martina Lorenz, Birgit Bocka, Annalena Witt sowie den Raumpflegerinnen Claudia Albrecht, Resi Vitzthum und Lisa Kraus die sich seit vielen Jahren um die Sauberkeit in der Einrichtung sorgen. „Unsere Kindertagesstätte kann nur gedeihen, indem wir weiter zusammenhelfen“.

Auch Elternbeiratsvorsitzende Andrea Graf und die Oberin a.D. Veridiana Dürr gratulierten zum Jubiläum und stellten das gute Miteinander zum Wohle der Kinder in den Vordergrund. Mit Bildern der vergangenen neuen Jahrzehnte schloss der offizielle Festakt und ging nahtlos in den Tag der offenen Tür über, den viele Gäste nutzten, die „hübsche Jubilarin“ zu besichtigen. Der Elternbeirat hatte mit der Bewirtung der Gäste ideale Voraussetzungen für eine schöne Geburtstagsfeier geschaffen.

Kita-Leiterin Sonja Kick dankt ihren langjährigen Mitarbeiterinnen Adelheid Meier, Tanja Schwarz, Martina Lorenz, Birgit Bocka sowie den Raumpflegerinnen Lisa Kraus, Claudia Albrecht und Resi Vitzthum (von links).

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