12.12.2019 - 09:40 Uhr
WaldthurnOberpfalz

Medizingeschichte von der Steinzeit bis heute im Zeitraffer

Im Rahmen des Projektes „NEUN2727“ geht der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes Dr. Johannes Weig auf über 5000 Jahre Medizingeschichte ein. Am Ende wagt er einen Blick in die Zukunft.

Dr. Johannes Weig (stehend) lässt über 5000 Jahre Medizingeschichte Revue passieren.
von Franz VölklProfil

Projektleiterin Doris Völkl konnte zum Abschluss des Aktionsjahres 2019 im Gesundheitszentrum viele interessierte Zuhörer begrüßen. Für das kommende Jahr kündigte sie ein erneut abwechslungsreiches Programm für die Senioren an.

„Von der Evolution her sind wir Menschen noch nicht für das moderne Leben angepasst, uns steckt sozusagen die Steinzeit noch in den Knochen“, so leitete der Referent die Zeitreise des Gesundheitswesens ein. Chronische Rückenleiden, Erkrankungen der Gliedmaßen und der Sinnesorgane sowie Stoffwechselleiden sei die Reaktion auf genetisch schwer ausgleichbare Belastungen und Anforderungen.

Erste Aufzeichnungen über Versuche, zur Behandlung von Krankheiten Regeln aufzustellen, finden sich schon viele Hundert Jahre vor Christi Geburt. Im römischen Reich sind mit der Schaffung von Wasserversorgungs- und Abwasseranlagen deutliche Verbesserungen in der Hygiene erzielt worden, dadurch hat sich in den nachfolgenden Jahrhunderten die Lebenserwartung erhöht.

Die bis ins späte Mittelalter etablierte Vier-Säfte-Theorie, wonach zur Vermeidung von Krankheiten das Blut, der Schleim, die schwarze und die gelbe Galle in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen müssten, war erst im 19. Jahrhundert nach bahnbrechenden Forschungen auf dem Gebiet der Anatomie und der Infektiologie widerlegt worden. Zuvor hatte die über mehrere Jahrhunderte in Europa und Deutschland wütende Pest den Grundstein für ein verstärktes staatliches Handeln im Gesundheitswesen gelegt.

Im 19. und 20. Jahrhundert hätten laut Weig viele Innovationen wie die Entwicklung von Impfstoffen, die Entdeckung der Röntgenstrahlen, der erste Einsatz von Penicillin und Organtransplantationen den Weg für das jetzige Gesundheitssystem geschaffen, das eine relative hohe Lebenserwartung zur Folge hatte. Auch in der unmittelbaren Region finden sich im ambulanten und stationären Bereich alle notwendigen Einrichtungen zur Gewährleistung einer guten medizinischen Versorgung. Die Rolle der Gesundheitsämter als zuständige Behörden des öffentlichen Gesundheitsdienstes stellte Weig mit Beispielen aus der Epidemiologie und der Seuchenbekämpfung vor.

Ein Schmunzeln rief der Vortragende beim aufmerksamen Publikum mit Zitaten aus einem Aufsatz des Bezirksarztes Dr. Wilhelm Brenner-Schäffer aus dem Jahr 1861 hervor, der an dem Bier, das in den Gemeindebrauhäusern ausgeschenkt wurde, kein gutes Haar ließ. Krankheiten aller Art, besonders der Respirationsorgane und der Verdauungswerkzeuge wären nach Auffassung des für das öffentliche Gesundheitswesen zuständigen Arztes „die natürliche Folge des verderblichen Faulenzens“ im Wirtshaus. Am Ende der multimedialen Präsentation wagte der Amtsarzt einen Blick in die Zukunft des Gesundheitswesens. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Pflege, die Telemedizin, der Zell- und Organersatz aus 3D-Druckern, die Online-Praxis und Operationen durch Roboter seien teilweise schon Realität geworden.

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