Waldthurn
16.04.2023 - 11:50 Uhr
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Sternwallfahrt für den Frieden auf den Fahrenberg

Bereits seit knapp 820 Jahren pilgern gläubige Menschen auf den Fahrenberg im Landkreis Neustadt/WN. Weithin sichtbar fällt hier eine große Friedensmadonna auf dem Dach der Wallfahrtkirche ins Auge. Sie steht am 22. April im Mittelpunkt.

Blickt man heute, gerade auch hinsichtlich der Kriegsereignisse in der Ukraine, in die Welt, so ist es an vielen Orten um den Frieden schlecht bestellt. Im Großen wie im Kleinen tut Gottes und Marias Hilfe Not. Aus diesem Grund organisiert die Regensburger Diözesanfußwallfahrt am Samstag, 22. April, eine Friedens-Sternwallfahrt zum Marienheiligtum auf dem Fahrenberg. Dort blickt eine Friedensmadonna auf dem Giebel der Wallfahrtskirche in Richtung Osten.

Die Madonna wacht seit 67 Jahren übers das Land. Sie wurde am 13. Oktober 1956 gemeinsam mit dem Rosenkranzweg geweiht und sollte dazu beitragen, den „Wall starken Glaubens als Schutz des Vaterlandes gegen den Osten" weiter auszubauen. Durch die damalige spannungsgeladene weltpolitische Lage, auch als der „Kalte Krieg“ bekannt, drohte der Welt ein weiterer Atomkrieg. So entstand gerade auf dem heiligen Grenzberg, ganz nahe der tschechischen Grenze, der Gedanke, die Sühne und das Gebet für den Frieden zu intensivieren.

Sinnbild der Hoffnung

Auf dem Ostgiebel der Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung wurde eine Muttergottesstatue angebracht, eine „Friedensmadonna“, in Kupfer getrieben und vergoldet. Ihr Blick geht hinüber zu der Grenze, die seit dem letzten Krieg bis zur „sanften Revolution“ von 1990 Europa in zwei verschiedene Welten trennte. Segnend streckt sie ihre Hand nach Osten aus und wird als „Königin des Friedens“ zum Sinnbild der Hoffnung und zum unüberhörbaren Gebetsaufruf.

Der 82-jährige Mesner Josef Riedl vom Fahrenberg erinnert sich noch genau, wie die Zimmerei seines Cousins Josef Riedl aus Lennesrieth (Markt Waldthurn) die Statue auf dem Ostgiebel montierte. „Der Zimmerer Andreas Schön, der ,Schnapperer Rais', aus Lennesrieth hat die Madonna installiert und nach Osten ausgerichtet“, blickt der Mesner, der seit 65 Jahren seinen Dienst am Fahrenberg verrichtet, zurück.

An einem Oktobersamstag im Jahr 1956 weihte der Regensburger Erzbischof Michael Buchberger im Beisein von über 8000 Wallfahrern die Friedensmadonna und den neuen Rosenkranzweg.

Mit Tausenden von Gläubigen feierte Buchberger nach einem langen Pilgerzug am Freialtar am Fahrenberg Gottesdienst. „Die Muttergottes, welche wir auf dem Kirchdach aufgestellt haben, möchte alle Menschen in ihre Arme schließen und sie mit ihrem Schutzmantel bedecken", sagte Buchberger damals zu den Anwesenden.

Herz aus Bergkristall

Die Friedensmadonna ist etwa 3,50 Meter groß. Der aus Weiden stammende Bildhauer Josef Gollwitzer (1917 – 2006) hat die eindrucksvolle Statue geschaffen. Die acht Zentner schwere Figur ist aus getriebenem Kupfer mit einer Eisenkonstruktion im Inneren und einer Blattgoldvergoldung außen. Das Herz der Madonna besteht aus einem Bergkristall mit 15 Zentimetern Durchmesser, mit eingeschliffenen Dreifaltigkeitssymbolen, einer Fassung und einen Dornenkranz aus Gold. Die Kosten für die Madonna dürften bei zirka 14.800 D-Mark gelegen haben. Der Vater des Künstlers stammte vom "Fullertnhof" in Woppenrieth bei Waldthurn ab. Der „Bildhauer Pepp“ sei ein sehr nobler Mann mit charismatischem Auftreten und einem „echten Künstlergesicht“ gewesen, hieß es. Er schuf in der Gegend viele Kunstwerke aus Stein, so zum Beispiel in Weiden das "steinerne Pferd" vor der Sparkasse Oberpfalz Nord oder die Tritonfontäne im Max-Reger-Park

Nach 45 Jahren hatten Regen, Wind und der oft dicke Raureif im Winter die Madonna am Giebel gelockert. So musste man im August 2001 eine Restaurierung einleiten, da schon bei mäßigem Wind die Verankerung der auf 27 Meter Höhe angebrachten Madonna nicht mehr Stand zu halten drohte. „Auch der angebrachte Rosenkranz war abgerostet“, blickt Mesner Josef Riedl zurück.

Die Firma Üblacker aus Vohenstrauß sorgte in Zusammenarbeit mit der Holzbaufirma Riedl und der Feuerwehr Vohenstrauß dafür, dass die Madonna wieder einen festen Stand bekam.

Info:

Friedenswallfahrt am 22. April

  • Organisiert von der Regensburger Diözesanfußwallfahrt
  • Sternwallfahrt aus den Richtungen Tirschenreuth (Abmarsch 7.30 Uhr, Stadtpfarrkirche), Pleystein (Abmarsch 14.30 Uhr, Pfarrkirche) und Waldthurn (Abmarsch 15 Uhr, Pfarrkirche)
  • 16.30 Uhr Pilgergottesdienst mit Diözesanbischof Rudolf Voderholzer; die geistliche Leitung hat Pfarrer Norbert Götz, Waldthurn
  • Eingeladen sind die Bevölkerung, Pilgergruppen mit Pilgerkreuz, Jugendgruppen mit Fahnen und Banner, Ordensgemeinschaften, Priester und alle, denen der Frieden in Europa am Herzen liegt.
  • Info: Pilgerführer Bernhard Meiler, Telefon 09607/699 oder 0170/6869977
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